Tierschützer: «Trafen auf Appenzeller Hof 20 verwahrloste Katzen an»

Stefanie Rohner
Stefanie Rohner

Herisau,

Abschied vom Appenzeller Tierschutzverein: Robert Di Falco verlässt die Organisation als Präsident und blickt auf eine intensive Zeit zurück.

Robert di Falco war acht Jahre lang im Appenzeller Tierschutzverein.
Robert di Falco war acht Jahre lang im Appenzeller Tierschutzverein. - Stefanie Rohner

Für Robert Di Falco war die Hauptversammlung des Appenzeller Tierschutzvereins nicht wie gewohnt. Es war seine letzte als Präsident des Vereins. Acht Jahre war er Teil des Tierschutzvereins, fünf Jahre davon hat er diesen präsidiert.

«Das Loslassen ist so eine Sache – es fällt mir schwer, da der Verein und die Tierschutzarbeit zur Herzensangelegenheit geworden ist», meint Di Falco. Doch es sei auch an der Zeit gewesen, denn die Mehrfachbelastung von Beruf und Ehrenamt sei spürbar geworden.

«Für den Verein wendete ich viel Freizeit auf. Zusammen mit der Erwerbstätigkeit war ich so mehr als nur ausgelastet. Das hinterlässt Spuren.», sagt er. Tierschutz und die gemeinnützige Arbeit, so sagt Di Falco, werde sicher, aber auch künftig ein Thema bleiben – in welcher Form stehe noch nicht fest.

Leute aufklären

Zum regionalen Tierschutz gekommen ist er damals, als er für das Biolabel KAGfreiland in der Gestaltung und Kommunikation tätig war.

«Ich sah, was Nutztierschutz und Konsum miteinander zu tun haben und wo Auswirkungen und Schwierigkeiten dieses Systems in der Tierhaltung zu Tage treten. Ich konnte mir dort viel Fachwissen aneignen und fand nach vier Jahren, dass diese Erfahrung einer lokalen Tierschutzorganisation nützlich sein könnte. Also wandte ich mich an den Appenzeller Tierschutzverein», blickt Di Falco zurück.

Und auch wenn es durch die Mehrfachbelastung entbehrend gewesen sei: Er könne sich zufrieden schätzen.

«Als ich den Verein als Präsident übernommen habe, erfolgte ein Generationen- und Strategiewechsel, was den Verein bis heute prägt. Die Digitalisierung und die Sichtbarkeit unserer Arbeit war eine der Hauptaufgaben», sagt er.

Zwar habe der Tierschutzverein wie er derzeit aufgestellt ist, keinen grossen Einfluss, wenn es um die Nutztierhaltung geht, es sei dem Verein aber ein Anliegen, die Tierhaltung auf Landwirtschaftsbetrieben richtig beurteilen zu können. «Wenn wir Meldungen aus der Bevölkerung erhalten, können wir herausfinden, ob die Tierhaltung oder den Umstand der Meldung tatsächlich problematisch ist oder nicht.

Experimente
Tierschutz und die gemeinnützige Arbeit, so sagt Di Falco, werde sicher, aber auch künftig ein Thema bleiben – in welcher Form stehe noch nicht fest. (Symbolbild) - Depositphotos

Auf der Meldestelle geht es daher oft um Aufklärungs- und Beratungsarbeit. Seien es Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen Hundegebell oder Interpretationen der Tierhaltung – viele Umstände können meist unmittelbar geklärt werden.», sagt Di Falco.

Rechtliche Grenzen einhalten

Wenn Tierhaltebedingungen auch nur auf ein Minimum eingehalten werden, bleibt den Tierschutzbeauftragten kaum Handlungsspielraum.

«Viele der Meldungen entsprechen den gesetzlichen Vorgaben, ab und angibt es aber Fälle, die ernst zunehmen sind. Wenn es um offensichtliche Verstösse oder Tierschutzkontrollen auf Landwirtschaftsbetrieben gehe, schalten wir das Veterinäramt des Kantons ein.»

Auch wenn es schön wäre, mehr für die Tiere tun zu können: «Solange die gesetzlichen Vorgaben und Empfehlungen eingehalten werden, sind uns die Hände gebunden. Wenn aber offensichtlich gegen Tierschutzrichtlinien verstossen wird, kommt es schon mal zur Anzeige, oder gar zu einer Kürzung der Direktzahlung bei Landwirtschaftsbetrieben.»

Man wolle im Verein keine rechtlichen Grenzen überschreiten oder blinden Aktivismus betreiben. «Wir setzen auf Kooperation statt Konfrontation. Dies fordert Geduld und Durchhaltewillen». Die Mühlen im Vollzug mahlen langsam. Ist einmal der Kanton involviert, kann es dauern, bis eine verbindliche Massnahme gesprochen wird.

Oft werden mehrere Fristen gesetzt, um einen Missstand zu beheben. Es kann deshalb schon mal Jahre gehen, bis man eingreifen kann. Die Tiere leiden weiter oder Verantwortungen werden bewusst abgestritten.

«Das birgt grosses Frustpotenzial für uns und fragmentiert den gesetzlichen Vollzug», sagt Di Falco. Er erinnert sich noch gut an die private Haltung von zwei Riesenschlangen, die über Jahre mit Fristen zur Verbesserung der Haltung angehalten wurde.

Engagierst du dich für Tierschutz?

Die Reptilien wurden so krank, dass sie eingeschläfert werden mussten. Die Bestrebungen, die Tiere an einem geeigneten Ort unterzubringen, liefen ins Leere und die Tiere konnten nicht gerettet werden.

Katzen im Fokus

Tierleid gehe oft mit menschlichem Leid einher. «Ansonsten würde es gar nicht erst zu prekären Zuständen kommen. Deshalb ist es für uns wichtig, mit den Leuten gemeinsam eine Lösung zu finden, bevor es zu Beschlagnahmungen oder Schlimmerem kommt. Das fordert Menschenkenntnis und soziale Kompetenz. Wir möchten da sein, um zu helfen, nicht um jemanden in die Pfanne zu hauen – auch wenn wir manchmal nicht um eine Anzeige oder eine Meldung beim Veterinäramt herumkommen.»

Die Meldungen zu streunenden, kranken, oder verletzten Katzen haben sich in den letzten Jahren gehäuft. So ist es auch der Bereich, in den der Appenzeller Tierschutzverein am aktivsten wurde.

Sei es die interkantonale Kastrationsaktion oder die finanzielle Unterstützung für Landwirte bei Kastrationen – die Katzenproblematik im Appenzellerland beschäftigt den Verein massgeblich. Natürlich habe er in all den Jahren auch viele unschöne Zustände gesehen. So auch bei der ersten Kastrationsaktion.

«Wir trafen auf einem Hof rund 20 verwahrloste Katzen an. Wir mussten viele davon medizinisch erstversorgen, sonst wären sie eingegangen – einzelne Tiere waren in sehr schlechtem Zustand. Dieser Fall hat emotional viel von uns abverlangt und die Vereinskasse massiv strapaziert», sagt er.

Katze Tierschutz
Die Meldungen zu streunenden, kranken oder verletzten Katzen haben sich in den letzten Jahren gehäuft. (Symbolbild) - Depositphotos

«Hässlich wird es dann, wenn Tierhalter keine Einsicht zeigen und für die Tiere keine Verantwortung übernehmen möchten. So lässt man der Natur freien Lauf und überlässt die Tiere einfach ihrem Schicksal.

So breiten sich Krankheiten aus. Auch Inzuchterscheinungen sind der Grund für das Dahinvegetieren von vielen Bauernhofkatzen», sagt Di Falco.

«Tierhilfe wäre das bessere Wort»

Tierschutzarbeit könne ein Menschenbild schon mal entrücken. «Darum ist es für uns wichtig, die Wirksamkeit unserer Arbeit hervorzuheben, weil viele Momente sehr emotional sein können», so Di Falco.

Gerade die Tierschutzbeauftragten oder die Meldestelle müssten mit viel Gegenwind zurechtkommen. «Ich glaube, viele sind dem Tierschutz gegenüber voreingenommen und verbinden unsere Arbeit mit Kontrollen, Besserwisserei und ideologischem Aktivismus.»

«Das Wort ‹Tierhilfe› wäre für unsere Tätigkeiten ohnehin besser gewählt und würde manch emotionale Hürde bei Tierhaltenden gar nicht aufkommen lassen. Die prinzipiell ablehnende Haltung vieler TierhalterInnen dem Tierschutz gegenüber ist nicht ohne», sagt er.

Es wäre wünschenswert, wenn Menschen wieder lernen würden, einander zu helfen, statt gegeneinander zu arbeiten. «Gerade wenn es um die Schwächsten einer Gesellschaft geht, sollte man enger zusammenstehen.» Blickt er auf die vergangenen Jahre, habe es viele spannende und erfolgreiche Momente gegeben.

«Sehr bereichernd war die Zusammenarbeit mit dem Dachverband Schweizer Tierschutz STS. Der Spendenskandal, der den Verband 2023 in eine Krise stürzte und zu vielen Veränderungen führte, war auch bei der Appenzeller Sektion zu spüren. In der Reformgruppe, die ins Leben gerufen wurde, durfte ich aktiv mitwirken», so Di Falco.

Mit dem STS hätte der Verein und die Sektionen heute wieder einen starken, verlässlichen Partner im Rücken.

Ausbeutendes System

Wo Tierschutz betrieben wird, werde es schnell politisch. Will man für die Tiere nachhaltig etwas verändern, landen die Themen oft auf Regierungs-, oder Bundesebene. Viele Organisationen unternehmen seit Jahren Vorstösse, um Missstände in Tierschutzfragen zu beheben.

So zum Beispiel die Registrations- und Kastrationspflicht bei Katzen oder das Feuerwerksverbot. Solche Anliegen werden oft abgelehnt oder sind in der Vernehmlassung chancenlos.

«Der Tierschutz hat in der Regierung und den Parteien keine wirkliche Lobby, im Gegensatz zu den Bauern, deren Interessen Rückhalt in der Politik geniesst und meist wirtschaftliche Interessen dem Schutz der Tiere vorschiebt.»

«Man muss damit zurechtkommen, dass ein System, das auf Ausbeutung und Profit ausgerichtet ist, gerade in der Nutztierhaltung. Tiere sind vor der wirtschaftlichen Ausbeutung kaum geschützt», so Di Falco.

Es werde mit unterschiedlichen Ellen gemessen. «Der Rassehund von nebenan erfährt alles an Fürsorge, währenddem Schweine in Betonbunkern gemästet werden, ohne je Gras geschnuppert zu haben. Die Unterschiede in der Tierschutzgesetzgebung können nicht offensichtlicher sein.»

Hast du ein Haustier?

Bis auf das Appenzeller Vorderland werden Meldungen beider Halbkantone entgegengenommen – ein grosses Gebiet. «Der Tierschutzverein ist für 17 Gemeinden zuständig, und immer froh um zusätzliche Freiwillige», meint Di Falco.

Es sei nun aber nicht mehr seine Aufgabe, diese zu suchen. Er widmet sich nun in seinem Atelier in der Fabrik am Rotbach in Bühler den gestalterischen Arbeiten als Grafiker und möchte sich beruflich neu ausrichten.

Immer an seiner Seite: sein Hund Nico und das immerwährende Interesse an der Tierhilfe. «Es ist Zeit, wieder zu Kräften zu kommen. Die Arbeit im Tierschutz und in der Führung der Organisation war sehr sinnstiftend und prägend. Sie wird mich auch in Zukunft antreiben. In welcher Form wird sich zeigen.»

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Herisauer Nachrichten» erschienen.

Kommentare

User #4412 (nicht angemeldet)

Kastrieren ist die einzige Lösung !

User #2880 (nicht angemeldet)

Es hat viel zu viele Katzen und Hunde in der Schweiz. Die Bestände müssten über deutlich höhere Steuern reduziert werden.

Weiterlesen

Katzen Tierarzt
66 Interaktionen
Tierschutz
walser kolumne
221 Interaktionen
Mirjam Walser
Katzen
158 Interaktionen
Belastung?
newhome
24 Interaktionen
Hitze, Lüften & Co.

MEHR KATZEN

Katze Strasse E-Bike Unfall
29 Interaktionen
«Schafft Klarheit»
Nestle
4 Interaktionen
Zürich
5 Interaktionen
Wil SG
Katze ei gesund
12 Interaktionen
Schwerwiegende Folgen

MEHR AUS APPENZELLERLAND

Appenzell ART
5 Interaktionen
Appenzell
Walzenhausen AR
10 Interaktionen
Walzenhausen AR
Säntis Kabine Transport
2 Interaktionen
Sondertransport
Bauarbeiten.
2 Interaktionen
Appenzell AI