Bürgenstock: Iran bläst Verhandlungen nach Trump-Drohung ab
Nach wochenlangem Tauziehen treffen sich die USA und der Iran auf dem Bürgenstock doch noch zu heiklen Gesprächen.

Das Wichtigste in Kürze
- Am Sonntag kommt es in der Schweiz zu Gesprächen zwischen dem Iran und den USA.
- Die iranische Delegation ist am Samstagabend gelandet.
- Von den USA werden JD Vance und Steve Witkoff anwesend sein.
- Der genaue Zeitplan für die Gespräche ist weiterhin unbekannt.
Es war ein Hin- und Her bezüglich Gespräche auf dem Bürgenstock.
Erst wurden die Friedensverträge in Versailles unterzeichnet. Dann das Treffen in der Zentralschweiz abgesagt. Nun kommt es am Sonntag doch noch zum Gipfel.
Die aktuellen Entwicklungen im Live-Ticker:
Die Gespräche zwischen dem Iran und den USA seien «unterbrochen, aber nicht beendet». Das sagte eine iranische Quelle der Nachrichtenagentur Reuters.
Aus Protest habe die iranische Delegation den Bürgenstock verlassen und sich in ihre Unterkunft zurückgezogen. Ob es den Vermittlern gelingt, beide Seiten wieder an einen Tisch zu bringen, ist derzeit offen.
Die iranische Delegation soll den Bürgenstock verlassen haben. Aus Protest gegen Trumps Drohungen, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf eine dem Verhandlungsteam nahestehende Quelle berichtet.
Ob die Delegation effektiv abgereist ist, lässt sich derzeit nicht verifizieren.

Zuvor hatte Irans Chefunterhändler, Mohammad Qalibaf, die USA gemahnt, mit ihren Aussagen vorsichtiger umzugehen. Trump hatte via Truth Social erklärt, dass man den Iran «sehr hart» treffen werde, sollte das Land seine Stellvertreter im Libanon nicht in die Schranken weisen.
In einem Telefonat mit «Fox News» hatte der US-Präsident zudem gedroht, die Strasse von Hormus notfalls zu übernehmen, sollte man keine Einigung erzielen.
Und damit nicht genug: Gemäss CNN soll er zu iranischen Beamten gesagt haben, dass die Iraner kein Land mehr hätten, sollten sie die wichtige Meerenge schliessen. «Ihr werdet nicht einmal mehr in euer verdammtes Land zurückkehren können.»
Bundesrat Iganzio Cassis hat sich am Rande der Verhandlungen auf dem Bürgenstock mit dem pakistanischen Premierminister Shebaz Sharif ausgetauscht. Die Schweiz lege grossen Wert auf Vermittlung und Dialog, betonte Cassis.

Man schätze die wichtige Rolle Pakistans bei der Unterstützung der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.
Kurz nach den jüngsten Drohungen von Donald Trump werden die Töne zwischen den Verhandlungsparteien schärfer. Irans Chefunterhändler Mohammad Qalibaf mahnte die US-Delegation, mit ihren Aussagen vorsichtiger umzugehen.
Trump hatte zuvor auf Truth Social erklärt, Teheran müsse seine Stellvertreter im Nahen Osten unter Kontrolle bringen. Andernfalls werde die USA den Iran erneut «sehr hart treffen».
Laut iranischen Medien legte die iranische Delegation daraufhin Protest ein und prüft nun ihre weiteren Optionen.
«Wir messen den Drohungen der Amerikaner keinerlei Bedeutung bei; wir sind bereit, darauf zu reagieren», sagte Qalibaf. «Machen sie sich nicht selbst klar, dass sie heute nicht an diesem Punkt der Verzweiflung angelangt wären, wenn ihre Drohungen irgendeine Wirkung gehabt hätten?»
Nach rund 80 Minuten ist die erste Gesprächsrunde auf dem Bürgenstock zu Ende gegangen. Nach Angaben des staatlichen iranischen Senders «IRIB» stand das iranische Atomprogramm dabei überraschend nicht auf der Traktandenliste.
Stattdessen konzentrierten sich die vier Delegationen offenbar auf den 14-Punkte-Plan sowie die angespannte Lage im Libanon.
Bundesrat Ignazio Cassis hat auf dem Bürgenstock US-Vizepräsident JD Vance getroffen. Das teilte der Aussenminister auf X mit. Demnach hätten sich die beiden über die laufenden Gespräche zur Umsetzung des Friedensabkommens ausgetauscht.

«Als Schutzmacht für die US-Interessen im Iran seit fast einem halben Jahrhundert unterhält die Schweiz vertrauensvolle Beziehungen zu beiden Parteien», schrieb Cassis. «Ich habe unsere guten Dienste angeboten, wann immer sie benötigt werden.»
Wie weit die Gespräche zwischen dem Iran, den USA sowie den Vermittlerstaaten derzeit fortgeschritten sind, bleibt allerdings unklar. Iranischen Medienberichten zufolge lehnte die iranische Delegation ein gemeinsames Foto mit der US-Delegation ab. Auch eine symbolträchtige Handschlagszene soll nicht zustande gekommen sein.
US-Präsident Donald Trump hat in einem neuen Post auf der Plattform Truth Social den Iran aufgefordert, seine «hoch bezahlten Stellvertreter» im Libanon in die Schranken zu weisen. Diese müssten sofort aufhören, Unruhe zu stiften. «Wenn sie das nicht tun, werden wir den Iran erneut sehr hart treffen», drohte Trump.
Zwar nannte Trump die libanesische Hisbollah-Miliz nicht namentlich, sondern spricht von sogenannten Proxys (Stellvertretern). Doch die Gruppe gilt als Teherans wichtigster politischer und militärischer Partner im Libanon und auch als sein wichtigstes Einflussinstrument.
US-Vizepräsident JD Vance hat zum Auftakt der Gespräche auf dem Bürgenstock von «grossen Fortschritten» gesprochen. In seiner Eröffnungsrede bezeichnete er das Treffen als «historisch». «Wir sehen jetzt eine gemeinsame Zukunft, in der alle zusammenarbeiten können, um Frieden und Wohlstand zu fördern», sagte Vance.

Angesprochen auf die angespannte Lage im Libanon räumte der US-Vizepräsident ein, solche Entwicklungen seien «immer ein bisschen chaotisch». Nach Angaben der israelischen Streitkräfte wurden dort am Samstag 20 Menschen getötet.
Trotz der jüngsten Eskalation zeigte sich Vance optimistisch. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Stand der Dinge im Libanon», sagte er am Sonntag. «Es gibt noch einiges zu tun, aber wir werden weiter daran arbeiten.»
Der Bürgenstock-Einsatz hat Folgen für die Kantonspolizei Luzern: Anfang kommender Woche bleiben mehrere Polizeiposten vorübergehend geschlossen, weil zahlreiche Polizisten während der Friedensgespräche im Einsatz stehen.

Die allgemeine Einsatzbereitschaft werde dadurch nicht eingeschränkt, betont die Polizei in einer Medienmitteilung am Sonntag. Betroffen seien ausschliesslich Schaltergeschäfte. Für verschiedene Anzeigen stehe weiterhin der Onlineposten zur Verfügung.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian zeigt sich bereit, den USA auch schriftlich zu garantieren, dass der Iran künftig kein Atomwaffenprogramm verfolgen werde.
«Falls notwendig, können wir schriftlich festhalten, dass wir nicht beabsichtigen, eine Atombombe zu bauen», sagte Peseschkian laut Nachrichtenagentur Irna. Ob eine solche Zusicherung Teil der laufenden Gespräche mit den USA in der Schweiz sein wird, liess er offen.

Peseschkian verwies erneut darauf, dass bereits der frühere oberste Führer Ali Chamenei aus religiösen Gründen die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen abgelehnt habe.
Chamenei war bei den militärischen Angriffen der USA und Israels am 28. Februar getötet worden und wurde anschliessend von seinem Sohn Modschtaba beerbt. Die politische Führung der Islamischen Republik beteuert stets, sie strebe nicht nach Atomwaffen.
Auf dem Bürgenstock hat laut dem iranischen Staatsfernsehen ein trilaterales Treffen zwischen den USA, dem Iran und Katar begonnen. Auf der Tagesordnung standen der andauernde Krieg im Libanon und die eingefrorenen iranischen Gelder.
Dieses Gespräch ging der formellen Eröffnung des Bürgenstock-Gipfels voraus. Der Iran wolle nach den jüngsten israelischen Angriffen Garantien für einen Waffenstillstand im Libanon, bevor er ein endgültiges Abkommen mit Washington aushandle.
Das Land wünsche zudem die Freigabe von sechs Milliarden Dollar, die beschlagnahmt wurden.
Die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon werfen ihren Schatten auch auf die Friedensgespräche auf dem Bürgenstock.
Einen offiziellen Fahrplan gibt es für die Öffentlichkeit bislang nicht. Laut Esmaeil Baghaei, Sprecher des iranischen Aussenministeriums, ist das Treffen zwischen dem Iran, den USA sowie den Vermittlern Katar und Pakistan für den Nachmittag vorgesehen.

Schon zuvor soll sich Teheran mit Katar und Pakistan austauschen. Auch direkte Gespräche zwischen dem Iran und den USA dürften nach Angaben Baghaeis bereits im Laufe des Vormittags stattgefunden haben.
Lange sollen die Gespräche allerdings nicht dauern: Nach aktuellem Stand ist lediglich ein Verhandlungstag vorgesehen.
Aussenminister Ignazio Cassis hat bei einem Treffen am Morgen auf dem Bürgenstock Gespräche mit seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi geführt. Das Gespräch fand vor dem offiziellen Beginn des «Vierwaldstättersee-Gipfels» zwischen der iranischen und der amerikanischen Delegation statt.

Auch mit dem Chef der internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, hat sich Cassis ausgetauscht. Die beiden hätten sich über die jüngsten Entwicklungen im Iran und die weiteren Schritte unterhalten, schrieb Grossi auf X.
Er dankte der Schweiz zudem für ihre langjährige Unterstützung und ihr diplomatisches Engagement. «In dieser kritischen Phase ist es wichtig, der Diplomatie jede Chance auf Erfolg zu geben», schrieb Grossi.
Der pakistanische Premierminister Muhammad Shehbaz Sharif ist für Gespräche zwischen den USA und dem Iran in der Schweiz eingetroffen. Das teilte das Büro des Premierministers am Sonntagmorgen auf dem Kurznachrichtendienst X mit.

Auch der pakistanische Armeechef, Asim Munir, sei in der Schweiz. Munir gilt als der Hauptvermittler in den Gesprächen zwischen Teheran und Washington. Er und Sharif nähmen an den Verhandlungen auf dem Bürgenstock teil, schrieb das Büro des Premierministers auf X weiter.
Während auf dem Bürgenstock die Verhandlungen anlaufen, wird im Nahen Osten weiter gekämpft. Bei erneuten israelischen Luftangriffen im Libanon sind nach dortigen offiziellen Angaben mindestens sieben Menschen getötet worden.
Laut libanesischen Sicherheitskreisen überwachen israelische Bodentruppen einen strategisch wichtigen Hügel nahe der Stadt Nabatija genau, auch wenn sie dort noch nicht die Kontrolle übernommen haben.
Die Hisbollah soll hier mehrere Tunnel und Höhlen nutzen, wo sich auch Hisbollah-Kämpfer und Kommandeure von Irans Revolutionsgarde verstecken sollen.
US-Vizepräsident JD Vance ist am Sonntag in der Schweiz auf dem Bürgenstock eingetroffen. Dort sollen Gespräche mit dem Iran über eine dauerhafte Beendigung des Kriegs im Nahen Osten stattfinden.
Vance und seine Ehefrau landeten laut seinem Sprecher um 05.59 Uhr Ortszeit auf dem Militärflugplatz Emmen bei Luzern. Anschliessend reisten sie zum Bürgenstock weiter, wo die Gespräche mit der iranischen Delegation stattfinden sollen.
US-Vizepräsident JD Vance ist am Samstag von Washington in die Schweiz abgeflogen. Dies teilte sein Sprecher vor Beginn der für Sonntag geplanten Gespräche mit dem Iran mit. Derweil ist die iranische Delegation bereits in der Schweiz angekommen.

«Ich bestätige die Ankunft der iranischen Delegation in der Schweiz», sagte der Kommunikationschef des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Nicolas Bideau, am Samstagabend der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Die Delegation reist zurzeit auf den Bürgenstock im Rahmen der Umsetzung der zwischen den USA und dem Iran unterzeichneten Absichtserklärung».
Besonders die Kämpfe im Libanon hatten zuletzt für Spannungen zwischen Washington und Teheran geführt. Der Iran hatte deshalb am Samstag eine Schliessung der Strasse von Hormus verkündet.

Wenige Stunden vor dem Abflug hatte noch Unklarheit über den Zeitplan der Reise geherrscht. Ursprünglich waren die Gespräche mit dem Iran bereits für Freitag angesetzt.













