Brandgefahr: Reedereien bremsen E-Autos
Tickende Brandfallen auf hoher See? Aus Angst vor Feuern sperren erste Reedereien jetzt E-Autos aus – droht der Mobilitätswende der nächste Dämpfer?

Die Vorstellung vom völlig unbeschwerten Reisen mit dem Stromer stösst an europäischen Hafenpiers zunehmend auf strenge Sicherheitsauflagen. Hochvolt-Lithium-Ionen-Batterien gelten wegen der Gefahr eines kaum löschbaren Batteriebrandes bei einigen Fährgesellschaften als heikle Fracht.
Viele Schweizer Automobilisten buchen ihre Passage nach Skandinavien oder ins Mittelmeer, ohne die verschärften Transportbestimmungen im Detail zu kennen. Der enorme Löschwasserbedarf brennender Akkuzellen bewegt Hafenbehörden und Reedereien zu teils rigorosen Restriktionen.
Ein gezielter Blick auf die Vorschriften schützt Reisende vor verpassten Abfahrten und kostspieligen Überraschungen am Kai.
Havila verbietet E-Antriebe an Norwegens Küste
Die norwegische Reederei Havila Kystruten sperrt elektrifizierte Antriebe auf der Route zwischen Bergen und Kirkenes konsequent aus. Weder reine Elektrofahrzeuge noch Plug-in-Hybride oder Wasserstoffautos dürfen die Schiffe des Anbieters befahren.
«Ein Brand in Elektro- oder Hybridautos erfordert externe Rettungsmassnahmen und gefährdet Passagiere wie Schiffe», begründet Havila-CEO Bent Martini das strikte Verbot. Der direkte Konkurrent Hurtigruten bewertet die Lage anders: «Wir befördern seit Jahrzehnten Fahrzeuge aller Antriebsarten und halten uneingeschränkt daran fest», betont Sprecher Martin Henriksen.

Ein flächendeckender E-Auto-Bann existiert in Nordeuropa folglich nicht. Grosse Schifffahrtsgesellschaften wie Color Line oder DFDS wickeln den Transport moderner Stromer auf Nord- und Ostsee weiterhin routiniert ab.
Griechenlands Ladegrenze und Stromverbote auf See
In Griechenland regelt das Ministerium für Schifffahrt und Inselpolitik den Fährverkehr seit Frühjahr 2024 mit einer strikten 40-Prozent-Grenze für den Batterieladestand. Wer mit mehr als 40 Prozent Akkuladung an den Terminals in Piräus, Patras oder italienischen Adria-Häfen vorfährt, wird von der Schiffsbesatzung am Pier zurückgewiesen.

Diese Vorschrift gilt verbindlich für innergriechische Inselverbindungen sowie für internationale Adria-Routen ab Ancona oder Venedig. Zudem untersagen Reedereien wie Scandlines oder Moby Lines das Aufladen an Bord aus brandschutztechnischen Gründen ausnahmslos.
Lediglich Vorreiter wie TT-Line und Stena Line bieten auf ausgewählten Neubauten vorab reservierbare Ladesäulen auf dem Fahrzeugdeck an. Planen Sie Ihre Ladestopps vor der Hafeneinfahrt daher vorausschauend ein, um die vorgeschriebenen Ladekorridore exakt einzuhalten.
Nulltoleranz für beschädigte Batterien und Unfallwagen
Ein striktes Beförderungsverbot gilt auf allen Meeresrouten für verunfallte oder nachweisbar beschädigte Elektrofahrzeuge. Nach einer Kollision mit Bodenkontakt oder einer Deformierung des Batteriegehäuses verweigern Gesellschaften wie Balearia und Finnlines die Einschiffung.
Beschädigte Lithium-Ionen-Zellen bergen ein unkalkulierbares Risiko der Selbstentzündung in den geschlossenen Laderäumen. Völlig intakte Serienfahrzeuge passieren die Fahrzeugkontrollen bei Anbietern wie Corsica Ferries hingegen reibungslos.
Prüfen Sie vor Antritt der Reise stets die aktuellen Transportbestimmungen der jeweiligen Schifffahrtsgesellschaft. Mit der richtigen Ladeplanung und Kenntnis der Reedereivorgaben gelingt die maritime Anreise ohne böse Überraschungen.







