Nepal-Flut: Deutsche Familie dank Planänderung vor Tod gerettet
Nach der Sturzflut in Nepal werden weiterhin über 1400 Menschen, darunter zahlreiche Ausländer, vermisst. Die Bergungsarbeiten dauern an.

Im Überblick
- Vierköpfige deutsche Familie gerettet
- Glückskette startet Sammlung für Flutopfer in Nepal
- Zahl der Toten nach Sturzflut in Nepal steigt über 500
- Behörden warnen vor erneuter Überschwemmung
- Dammbruch befürchtet – China unterbricht Rettungsarbeiten
- Regen erschwert Rettung nach Sturzflut
- Zahl der Todesopfer steigt nach Sturzflut auf 472
- Nepal lehnt ausländische Retter-Teams ab
Am Mittwoch sorgte eine heftige Sturzflut im chinesisch-nepalesischen Grenzgebiet für massive Zerstörung: Ganze Dörfer wurden weggeschwemmt, Zugangsstrassen teils blockiert.
Bei dem Unglück sind mindestens 472 Menschen gestorben, über 1400 werden vermisst, darunter zahlreiche Touristen und Pilgerreisende.
Zwei vermisste Schweizer konnten gemäss Angaben des EDA gerettet werden. Zu einer weiteren Schweizerin konnte noch kein Kontakt hergestellt werden.
Wegen des Schutts hat sich im Grenzgebiet ein weiterer See gebildet. Chinesische und nepalesische Behörden warnen vor einem Dammbruch, der zu einer weiteren Sturzflut führen könnte.
Die neusten Entwicklungen zur Sturzflut-Katastrophe findest du hier im Ticker.
Eine vierköpfige deutsche Familie ist im Katastrophengebiet in Nepal gerettet worden. Sie sei zusammen mit anderen Geretteten per Hubschrauber zu einem Armeecamp in Battar Bazar gebracht worden, sagte ein Armeesprecher der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Was sie rettete, war eine Planänderung: «Wenn wir unsere Trekking-Tour normal durchgeführt hätten, hätten wir an dem Tag in Syabrubesi übernachtet und wären gestorben», sagte der Vater. Ein Helikopter habe die Familie später auf die andere Seite des Flusses gebracht.
Am Mittag sprach die deutsche Regierung von einer «niedrigen zweistelligen Zahl deutscher Staatsangehöriger», die derzeit vermisst würden.
«Darüber hinaus möchte ich aber um Verständnis bitten, dass wir keine Angaben zu einzelnen Personen machen können», sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Das Ministerium bemühe sich unter Hochdruck um Aufklärung.
Die Glückskette hat nach der verheerenden Sturzflut in Nepal eine Spendenaktion gestartet. Rund 100'000 Menschen sind von den Folgen betroffen. Nach ersten Schätzungen benötigen mehr als 10'000 Haushalte unmittelbare Unterstützung.
Die Sammlung für die betroffene Bevölkerung wurde am Freitag lanciert, wie die Glückskette mitteilte.
Die Zahl der Toten in Nepal ist nach der Flutkatastrophe im Himalaya-Gebirge auf mehr als 500 gestiegen.
Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurden neben den 538 Toten weiterhin 977 Menschen vermisst, darunter 517 Ausländer. 5 weitere Tote wurden in China geborgen.
Entwarnung gibt es im Katastrophengebiet nach der Sturzflut vom Mittwoch weiterhin nicht. Im Gegenteil.
Wie die nepalesische Polizei am Freitag mitteilt, wurde wegen drohender neuer Überschwemmungen eine Warnung herausgegeben. Grund dafür ist Wasser, das aus einem See in Tibet austritt.
Alert !! pic.twitter.com/grYxhc5N7Q
— Nepal Police (@NepalPoliceHQ) August 28, 2026
Rettungs- und Sicherheitskräfte sowie die Bevölkerung wurden dazu aufgerufen, besonders wachsam zu bleiben und sich vorsorglich an sichere Orte zu begeben.
Wegen einer drohenden Flut haben Chinas Rettungskräfte im Katastrophengebiet in Tibet ihre Rettungsarbeiten vorübergehend unterbrochen.
Dem chinesischen Staatsfernsehen zufolge entstand an einer Flussmündung stromaufwärts vom Grenzübergang Gyirong entlang eine «gefährliche Situation» an einem dort neu angestauten See.
Die Rettungsarbeiten vor Ort seien ausgesetzt worden, hiess es in dem Bericht weiter.

Luftaufnahmen zeigten den See, der auf nepalesischem Gebiet liegen soll, der sich nach der Sturzflut am Mittwoch neu gebildet hatte.
Die chinesischen Behörden hatten bereits am Donnerstag vor der Lage dort gewarnt, weil darin weiter Millionen Kubikmeter an Wasser hineinfliessen könnten und er deshalb überlaufen und eine neue Sturzflut auslösen könnte.
In dem Gebiet werden obendrein weitere Regenfälle erwartet.
In dem von der Sturzflut getroffenen Katastrophengebiet an der Grenze zwischen China und Nepal müssen die Rettungskräfte in den kommenden Tagen mit weiteren Regenfällen rechnen. Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete, sind für die kommenden drei Tage häufige Niederschläge zu erwarten.

Auch am Flughafen in Tingri, über den zuletzt viele Rettungskräfte und Hilfsgüter in die Nähe des Katastrophengebiets gebracht wurden, soll es demnach regnen. Die Region Tibet ist gerade in der noch bis September laufenden Monsunzeit Regenfälle gewohnt. Besonders starke Niederschläge könnten die Arbeit der Rettungskräfte erschweren.
In Nepal ist die Zahl der Toten nach der Flutkatastrophe im Grenzgebiet zu China auf mindestens 469 gestiegen. Wie die nepalesische Polizei mitteilte, wurden zudem 1545 Menschen gerettet, darunter viele Verletzte.
Damit liegt die Gesamtzahl der bestätigten Todesopfer in China und Nepal bei 472, nachdem die Volksrepublik bislang 3 Leichenfunde vermeldet hatte. Zudem gelten weiterhin mehr als 1400 Menschen als vermisst.

«Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir einen vollständigen Überblick über die Vermissten haben, da wir derzeit noch kein klares Bild haben», sagte Polizeisprecher Abi Narayan Kafle der Deutschen Presse-Agentur. Es könne noch Tage dauern, fügte er hinzu.
Laut Polizeiangaben wurden Dutzende Leichen noch nicht identifiziert, auch weil viele Körper von der gewaltigen Wucht der reissenden Sturzflut aus Wasser, Schlamm und Geröll völlig entstellt oder in Teile gerissen wurden.
Noch über 1300 Menschen werden nach der Sturzflut vermisst, mindestens die Hälfte davon stammt aus dem Ausland. Deswegen haben auch zahlreiche Länder, darunter die USA und Indien, angeboten, Retter-Teams zu entsenden. Doch Nepal lehnt ab.
Wie die «Kathmandu Post» schreibt, wird es mit den Erfahrungen nach dem Erdbeben von 2015 begründet. Die Regierung sagt, sie habe damals schlechte Erfahrungen gemacht.

Durch die ausländischen Retter-Teams sei es zu einem Wettbewerb und Koordinations-Schwierigkeiten gekommen. Deshalb wolle man die Lage dieses Mal mit den eigenen Teams bewältigen und damit der Empfehlung des Militärs folgen.
Dafür bittet die Regierung Nepals um Hilfsgüter und finanzielle Unterstützung. Denn nach den Bergungsarbeiten beginnt der Wiederaufbau, der sehr teuer werden dürfte.















