Berner Schüler zügeln ins Kirchgemeindehaus

    Nadine Brügger
    Nadine Brügger

    Bern,

    Berns Stadt-Schulhäuser platzen aus allen Nähten. Darum müssen die Stadtkinder in Zwischenlösungen untergebracht werden. So bekommen das Kirchgemeindehaus oder die alte Feuerwehrkaserne einen neuen Zweck.

    «Diese Tendenz führt dazu, dass auch in Quartieren ohne namhafte Neubautätigkeit deutlich mehr Kinder zur Schule gehen», bestätigt Jörg Moor, stellvertretender Schulamt-Leiter, gegenüber Nau. Doch wohin mit den Stadtkindern?

    In die Beine geht der neue Aussenposten nicht den Schülern, sondern den Lehrern. «Jede Klasse hat ein eigenes Klassenzimmer, in dem der Hauptteil des Unterrichts stattfindet. Falls mehrere Lehrpersonen an der Klasse tätig sind, bleibt die Klasse in ihrem Zimmer, die Lehrpersonen wechseln», erklärt Moor weiter.

    Das Kirchgemeindehaus Johannes ist übrigens nicht die erste Zweckentfremdung. Zwei Musikzimmer und die Tagesschule Spitalacker sind bereits umgezogen: In die alte Feuerwehrkaserne Viktoria.

    Das Wichtigste in Kürze

    • Immer mehr Familien bleiben in den Stadtquartieren, was auch ohne neuen Wohnungsbau zu mehr Schülern führt.
    • Untergebracht werden die Stadtkinder in Provisorien: Beispielsweise im Kirchgemeindehaus Johannes an der Wylerstrasse.
    • Lange Wege in der Pause sollen aber nach wie vor vermieden werden, betont Jörg Moor vom Schulamt gegenüber Nau.

    Berner Stadt-Schulhäuser platzen aus allen Nähten. Besonders eng ist es im Schulhaus Spitalacker. Denn immer mehr junge Eltern packen bei Nachwuchs nicht mehr die Kisten und ziehen auf’s Land, sondern machen in ihren Kleinwohnungen (weniger als dreieinhalb Zimmer) Platz für Wiege und Wickeltisch. Ihnen sind die zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, das ausgebaute ÖV-Netz oder die gute Kinderbetreuung wichtiger, als ein Haus im Grünen.

    spitalacker
    Schulhaus Spitalacker. - Keystone

    Die Schüler-Gemeinde zu Johannes

    Kirchgemeindehaus Johannes: Hier werden die Schüler der 5. und 6. Klasse neu unterrichtet.
    Kirchgemeindehaus Johannes: Hier werden die Schüler der 5. und 6. Klasse neu unterrichtet. - Google Maps

    Einerseits baut Bern neuen Schulraum: Das Schulhaus Marzili wird erweitert, in Brünnen gab es einen Neubau. Aber weil Kinder schneller gross werden, als Schulhäuser gebaut, müssen Zwischenlösungen her. Die Schüler von Wyslloch bekamen vorübergehend Container-Schulzimmer.

    Für das Schuhaus Spitalacker wurden nahegelegene Räume zugemietet: Im Kirchgemeindehaus. «Es ist vorgesehen, ab Sommer 2018 zwei 5./6. Klassen aus dem Schulstandort Spitalacker/Breitenrain im Kirchgemeindehaus Johannes unterzubringen», sagt Moor. Eingebaut werden Wandtafeln, Internetanschlüsse, bessere Beleuchtung und klare Fluchtwegsignalisation – fertig ist das fliegende Klassenzimmer.

    Keine allzu langen Wege

    Nur bei Unterricht mit besonderen Anforderungen an den Raum, wie Sport, Werken oder Musik, wechseln die Schülerinnen den Platz. Die Schüler müssen aber auch künftig in ihren Pausen keinen Marathon laufen, um ins nächste Schulzimmer zu kommen, versichert Moor.

    Junge Menschen in der alten Feuerwehr

    Die alte Feuerwehr Viktoria, wo Musikunterricht und Tagesschule untergebracht wurden, ist auch eine hippe Beiz.
    Die alte Feuerwehr Viktoria, wo Musikunterricht und Tagesschule untergebracht wurden, ist auch eine hippe Beiz. - Alte Feuerwehr Viktoria

    Gemietet werden die Räumlichkeiten nicht direkt vom Schulhaus, sondern via Immobilien Stadt Bern (ISB). «Das Schulamt bezahlt die Flächenkosten an ISB», erklärt Moor.

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