Experte: Schweiz heute nur «ansatzweise» verteidigungsfähig
Die Schweizer Armee ist laut Militärhistoriker Fritz Kälin nur bedingt verteidigungsfähig, doch es gibt Hoffnung.
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Die Schweiz ist nach Ansicht des Militärhistorikers Fritz Kälin heute selbstverschuldet nur ansatzweise verteidigungsfähig. Die Voraussetzungen für «die Wiedererlangung einer glaubwürdigen Verteidigungsfähigkeit» seien aber gut.
Bis zur Einführung der F-35-Kampfjets und des bodengestützten Luftverteidigungssystems Patriot sei die Schweiz zum Beispiel nicht vor Distanzangriffen aus der Luft geschützt. Dies sagte Kälin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Auch europaweit stünden zu wenige Abwehrsysteme und viel zu wenige Abwehrlenkwaffen zur Verfügung.
Schweizer Bevölkerung ist dank Schutzräumen besser geschützt
Dank der Schutzräume wäre die Bevölkerung in der Schweiz aber besser geschützt als jene in anderen Ländern. Gefährlich würde es, wenn das Land aus mehr als einer Richtung gleichzeitig angegriffen würde. Das könnte zum Beispiel passieren, wenn die heutigen westlichen Bündnisstrukturen zerfielen, sagte Kälin.
Grundsätzlich ist der Armee-Experte der Ansicht, dass die Schweiz über gute Voraussetzung verfügt, um wieder verteidigungsfähig zu werden. Gründe dafür seien die Wehrpflicht und das Milizsystem, die Schutzraumdichte, die bewaffnete Neutralität und die geographische Lage, welche die Schweiz «zu einem politisch weniger lohnenden Ziel für aufwändige Angriffe durch Staaten oder terroristische Gruppen» machten.
Verbesserungspotenzial bei Dienstpflichtsystem
Verbesserungspotenzial sieht Kälin beim Dienstpflichtsystem, das unbedingt modernisiert werden müsse. Denn die Schweiz habe Hunderttausende Männer und Frauen, die eine Militärausbildung absolviert haben. Die Armee könne aber nur einen kleinen Teil davon ausrüsten.
Deshalb müsste die Dienstpflicht auf eine längere Lebenszeit und auf grössere Teile der Bevölkerung ausgeweitet werden, sagte der stellvertretende Chefredaktor der Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift (ASMZ).
Ausserdem müsste die heimische Munitionsproduktion aufgestockt werden. Denn mit den heutigen Reserven wäre die Schweiz im Kriegsfall innert Tagen auf Lieferungen von aussen angewiesen. Die Abgänge an der Spitze der Armee und beim Nachrichtendienst erachtet Kälin zwar als Know-how-Verlust. Sie fielen aber nur psychologisch ins Gewicht.