Braucht die Schweiz eine Satire-Partei im Nationalrat?
Nebst den seit jeher bekannten Parteien will auch eine Gruppe in den Nationalrat, die sich «Die Guten» nennt. Wer steckt dahinter und was motiviert sie?
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Das Wichtigste in Kürze
- Alle vier Jahre wieder treten bei den Nationalratswahlen diverse Jux-Parteien an.
- Dieses Mal sind unter anderem «Die Guten» aus Zürich mit dabei.
- Trotz oder gerade dank Satire wollen «die Guten» ernsthafte Themen anpacken.
Wer die Wahlzettel für die bevorstehenden Nationalratswahlen durchstöbert, stösst zunächst auf die altbekannten Schwergewichte der Schweizer Parteienlandschaft. Doch daneben wollen auch kurios anmutende Neulinge in den Nationalrat.
In Bern stellt sich beispielsweise «die liebe, sehr sehr liebe Partei» zur Wahl oder aber auch «die Musketiere». Eine weitere solche Liste bildet eine Zürcher Partei, die sich voller Pathos «Die Guten» nennt.

Hört sich alles an wie ein schlechter Scherz? Nau hat die Kandidierenden der «Guten» in Zürich getroffen und versucht, deren Motivation auf die Spur zu kommen.
Politik für die Jungen
Satire hin oder her: Die Guten haben auch eine ernste Seite, die sie im Falle einer Wahl in den Nationalrat zum Vorschein bringen wollen. Für die Partei ist klar: Satire dient auch als Mittel zum Zweck. «Wir haben mittlerweile herausgefunden, dass es besser ankommt bei den Leuten, wenn ein wenig Witz dabei ist», so Kandidatin Lucy Betulius alias «Bruscetta».
So hätten die Guten bei einer Protestaktion eine Pipeline durch eine Credit Suisse Filiale legen wollen, erklärt Spitzenkandidat Mias Romanelli, der sich «Melanzana» nennt. Damit wollte man auf ein durch die Credit Suisse finanziertes Pipelineprojekt aufmerksam machen, welches indigenen Völkern in den USA schade.
Besonders die jüngeren Generationen liessen sich durch die etwas trockene Handhabung der Schweizer Politik vom Wählen abschrecken. «Bruscetta» erklärt: «Mit Satire versuchen wir, etwas in die Politik hineinzubringen, damit auch die Jungen wieder wählen gehen.»

Auch eine mehr oder weniger klare politische Positionierung lässt sich den Guten zuschreiben. Für den Listenersten «Melanzana» liegen die Guten im Mitte-Links-Spektrum. Demgegenüber betont der «Al Dente» genannte Dillon Baumli, dass er den rechten Flügel der Partei bilde. «Diversität wird bei uns gross geschrieben», erklären die Kandidierenden.
Schon andere Jux-Parteien wollten in Nationalrat
Neu sind Jux-Parteien in der Schweiz nicht. 2015 holte die Anti-Powerpoint Partei bei der Nationalratswahl gut 1500 Stimmen. Auch der Kandidat der Schweizerischen Narrenpartei vermochte 2011 über 3000 Wähler zu überzeugen. Allerdings haben die besagten Parteien nichts mehr von sich hören lassen.
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Ob «die Guten» und ihre Mitstreiter alle dasselbe Schicksal ereilen wird wie ihre historischen Vorgänger, bleibt abzuwarten. Ihre Chancen, in den Nationalrat einzuziehen, dürften allerdings trotz Listenverbindung mit diversen Linksparteien und Piraten gegen Null tendieren.