Schweizer Plastik-Recycling funktioniert nicht richtig

    Nina Werner
    Nina Werner

    Zürich,

    Plastikrecycling ist in der Schweiz noch nicht so weit wie es sein könnte: Der Grossteil des Plastikmülls wird als Kehricht verbrannt.

    recyclinghof
    Ein Recyclinghof. (Symbolbild) - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • In der Schweiz werden nur rund fünf Prozent des gesamten Plastikmüllverbrauchs gesammelt. Der Rest wird als Kehricht verbrannt.
    • Nur Wenige sind bereit die Preise der rezyklierten Plastikflaschen zu zahlen.
    • Im Sammelgut befinden sich zu viel «dreckiger Kunststoff», der so nicht weiterverarbeitet werden kann.

    Das Sandwich, das Hackfleisch oder die Bio-Gurken: Alles wird heute in Plastik verpackt. Die Konsequenz: Rund 150 Kilogramm Plastikmüll fallen pro Jahr in einem vierköpfigen Haushalt an. Recycelt wird aber nur wenig: 18 000 Tonnen pro Jahr, nur rund fünf Prozent des gesamten Plastik-Abfalls, werden von Grossverteilern und ein paar privaten Recycler aus Haushalten gesammelt.

    Rezyklierte Plastikflaschen sind zu teuer

    Für ein Experiment hat «Kassensturz» Plastiksäcke mit einem Ortungsgerät versehen und entsorgt. Resultat: Ein Müllsack landete beim Recycler Müller in Frauenfeld. Dieser sortiert das Gesammelte in die unterschiedlichen Kunststoffarten, dann kommt der Prozess aber ins Stocken. Auch wenn Müller jegliche Technologie vor Ort hätte, um aus alten neue Plastikflaschen herzustellen, ist niemand bereit den Preis der rezyklierten Flaschen zu zahlen: Die Rohstoffpreise sind zu tief. Müller muss daher die sortierte Ware ins Ausland verkaufen.

    Schleppendes Recycling

    Bei anderen Kunststoffrecyclern stapeln sich Wochen- oder Monatelang Berge an verschiedenen Kunststoffarten. Dort wird behauptet: Das Recycling sei noch im Aufbau. Man müsse genügend grosse Mengen sammeln, damit sich der Weitertransport lohne.

    Schlechte Plastik-Qualität

    Ein weiterer Grund für das langsame Recycling des Plastikmülls liefert Rainer Bunge, Co-Autor der Plastikrecycling-Studie «KuRVe», die der Bund in Auftrag gegeben hat: Im Sammelgut diverser privater Recycler befinde sich zu viel Unrezyklierbares. Bei dieser schlechten Qualität werden bis zu 70 Prozent verbrannt.

    Aufwendig und teuer

    Bunge kommt zum Schluss, dass das Plastikrecycling aufwendig und teuer sei. Zudem: «Der ökologische Nutzen entspricht dem, wie wenn ich pro Jahr auf 30 Kilometer Autofahren verzichten oder mir ein Grillsteak verkneifen würde.» Wer also die Umwelt schonen will, macht wenig Plastikmüll.

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