Siegerprojekt für Ersatzbau der KVA in Weinfelden steht fest
Das Projekt des Teams um das Büro Graber Pulver aus Zürich/Bern gewinnt den Studienauftrag.

Um den berechtigterweise hohen Ansprüchen der Öffentlichkeit an den Ersatzbau der KVA in Weinfelden gerecht zu werden, hat der Verband KVA Thurgau im April 2021 einen Studienauftrag Architektur lanciert.
In den vergangenen Monaten haben vier Teams aus Architektur-, Bauingenieur- und Landschaftsarchitekturbüros Vorschläge entwickelt, welche die betrieblichen, architektonischen, städtebaulichen, landschaftsarchitektonischen, logistischen und sozialen Anforderungen an eine KVA in möglichst hoher Qualität erfüllen.
Gleichzeitig sollen sie Handlungsspielräume für die künftige Entwicklung der KVA offenlassen. Das Resultat des Studienauftrags liegt nun vor: Die politisch, fachlich und regional breit abgestützte Jury hat sich einstimmig für das Projekt des Teams unter der Leitung des Büros Graber Pulver aus Zürich/Bern entschieden.
Nachhaltigkeit, Ästhetik und Effizienz
Neben der gelungenen Kombination bewährter technischer Elemente und dem durchdachten Logistikkonzept mit kurzen Wegen und entflochtenen Verkehrsströmen hat die Jury vor allem der Umgang des Siegerteams mit den Themen Nachhaltigkeit, Ästhetik und Effizienz überzeugt.
Ihr Projekt greift damit Aspekte auf, die auch der Öffentlichkeit ein grosses Anliegen sind – dies hat eine Umfrage gezeigt, welche die KVA im vergangenen Sommer lanciert hat.
Die Fassaden der KVA nehmen mit ihrer Schichtung das Landschaftsbild des Thurtals auf, setzen mit den begrünten Fassaden einen nachhaltigen Akzent und schaffen mit den grossen Fotovoltaikpanels einen fliessenden Übergang vom Gebäude zum Himmel, was das Volumen der Anlage optisch reduziert.
Weiter setzt das Projekt auf den Einsatz regionaler Holzwerkstoffe – eine KVA mit einem Holzdach ist in der Schweiz eine Premiere – und auf die Verwendung von rezykliertem Stahl und Beton.
Flexibilität und Ausbau für die Zukunft
Ein weiterer Pluspunkt des Siegerprojekts ist die kompakte Anordnung der Gebäude im südlichen Teil des KVA-Areals. Dies schafft erstens Platz für Erweiterungsbauten im Rahmen der geplanten Weiterentwicklung der KVA zu einem «Energy Hub», einer Energiezentrale.
In Frage kommt zum Beispiel die modulare Ergänzung der KVA mit einer Anlage zur CO2-Abscheidung, einem Gas- und Dampfkombikraftwerk (GuD) oder einem Holzheizkraftwerk. Dies verschafft Spielraum, um auf künftige Entwicklungen der Klima- und Energiepolitik reagieren zu können.
Zweitens erlauben es die klare Arealzonierung und die kompakte Gebäudeanordnung, Gebäudeteile wie beispielsweise den Verwaltungstrakt für die übernächste KVA-Generation weiterzuverwenden, welche dereinst an der Stelle der heute bestehenden Anlage gebaut werden soll.
Weiterentwicklung im Rahmen des Vorprojekts
Die Jury hat beim Siegerprojekt auch Weiterentwicklungspotenzial identifiziert. Dazu gehören die Abstimmung der Fassadenbegrünung auf die natürliche Belüftung der Prozesshalle, vertiefte Abklärungen zu den Fotovoltaikflächen, die Überarbeitung des Umgebungskonzepts sowie Überlegungen, wie die Vorinvestitionen für die Erweiterungsbauten minimiert werden können.
Diese Punkte werden nun in die Erarbeitung des Vorprojekts einfliessen. Dessen Abschluss ist für Herbst 2022 geplant. Das Vorprojekt ist Grundlage für den Projektkredit, über den die Verbandsgemeinden voraussichtlich im ersten Halbjahr 2023 abstimmen werden.