Fribourg-Gottéron

Fribourg-Gottéron: Lars Leuenberger – «Wir gehen All-In»

Nicola Berger
Nicola Berger

77 Jahre lang gewann Gottéron nichts – ehe Coach Lars Leuenberger weniger als 10 Tage benötigte, um das zu ändern. Der Coach im Gespräch mit SLAPSHOT.

Lars Leuenberger SLAPSHOT
Coach Lars Leuenberger gewann mit Fribourg-Gottéron den Spengler Cup. - KEYSTONE/Til Bürgy

SLAPSHOT: Lars Leuenberger, wir gratulieren zum Spengler Cup-Triumph.

Lars Leuenberger: Danke. Irgendwo muss man als Klub ja beginnen. Am letzten Meeting vor dem Finalspiel gegen die Straubing Tigers habe ich im Hotel das Gespräch mit Julien Sprunger gesucht und ihm gesagt: Wir werden alles daran setzen, damit du der erste Captain der Klubgeschichte wirst, der einen Pokal in die Höhe stemmen kann. Und dann hat die Mannschaft geliefert.

SLAPSHOT: Der Sieg im Final war schon davon begünstigt, dass es für Straubing das fünfte Spiel innert fünf Tagen war…

Leuenberger: Definitiv. Aber so ist das immer bei Turnieren: Man braucht auch Glück. Aber man muss dann eben auch bereit sein, wenn sich einem die Chance bietet. Das waren wir.

Spengler Cup
Grosser Jubel bei den Straubing Tigers nach dem Einzug in den Spengler Cup-Final. - KEYSTONE/Melanie Duchene

Dieser Titel hat schon etwas ausgelöst rund um den Klub, das spürt man. Wir haben extrem viele Gratulationen erhalten. Alle sind glücklich, dass dieser Affe von der Schulter runter ist.

SLAPSHOT: Wurde die Mannschaft nach dem Final in Fribourg empfangen?

Leuenberger: Da fragen Sie mich was… Ich bin im Grauholz aus dem Car ausgestiegen und bin nach Hause gefahren (lacht).

Klar haben wir gefeiert, es gab Bier und Pizza in der Garderobe. Aber schon nicht gerade eine Freinacht. Wir haben ja noch andere Ziele in dieser Saison.

SLAPSHOT: Sie übernahmen diesen Job erst drei Tage vor Weihnachten. Wie emotional war dieser Einstieg für Sie?

Leuenberger: Ich habe es genossen. Gerade den Spengler Cup. Für mich war das eine Premiere. Als Kind war ich mit der Familie immer wieder mal da, von Uzwil ist es ja nicht allzu weit, und da haben wir Skifahren und Matchbesuche miteinander verbunden.

Lars Leuenberger
Für Fribourg-Gottéron-Coach Lars Leuenberger hatten die Tage am Spengler Cup etwas Magisches. - KEYSTONE/Melanie Duchene

Aber als Spieler oder Coach habe ich den Spengler Cup zuvor nie erlebt. Die Tage hatten etwas Magisches, einen besseren Einstieg gibt ja es kaum. Und es war natürlich auch stressig, es ging wirklich von 0 auf 100.

SLAPSHOT: Konnten Sie vor dem ersten Spiel überhaupt mal mit dem Team trainieren?

Leuenberger: Vor der Partie in Zug reichte es nur für ein Warm-Up. 20 Minuten.

SLAPSHOT: Es heisst, Sie hätten bei Ihrer Antrittsrede an die Mannschaft nur eine einzige Frage gestellt.

Leuenberger: Vielleicht zwei. Ich wollte wissen, wie wir auftreten wollen. Was die Leute draussen über diese Mannschaft denken sollen.

Es geht nicht immer nur um Sieg oder Niederlage, sondern um grundsätzlichere Dinge, um Werte. Da haben wir schnell einen gemeinsamen Nenner gefunden. In den ersten elf Spielen (bis Redaktionsschluss, die Redaktion) haben wir immer mindestens einen Punkt geholt.

Das spricht für die Mannschaft. Ihren Charakter, ihre Moral, ihr Potenzial. Sie ist als Team sehr schnell wieder zusammengewachsen.

SLAPSHOT: Also ist es doch keine Übergangssaison?

Leuenberger: Ich kann diesen Gedanken nicht nachvollziehen. Es sagt sich kein Spieler: Nächste Saison ist ein anderer Trainer da, da strenge ich mich jetzt mal ein Jahr lang nicht an. In Bern war es damals ja ähnlich, und da kennen wir das Resultat.

«Als Spieler oder Coach habe ich den Spengler Cup zuvor nie erlebt. Die Tage hatten etwas Magisches, einen besseren Einstieg gibt ja es kaum. Und es war natürlich auch stressig, es ging wirklich von 0 auf 100», sagt Lars Leuenberger.

Wir gehen in dieser Saison All-In, um unsere Ziele zu erreichen Wir haben Jungs, die sich verabschieden mit Ryan Gunderson und Raphael Diaz. Man schmeisst keine Saison einfach so weg.

SLAPSHOT: Ist die Mannschaft nicht zu alt?

Leuenberger: Diesen Eindruck habe ich nicht. Unsere routinierteren Spieler stehen alle voll im Saft: Berra, Diaz, Gunderson, Sprunger. Da sehe ich kein Problem.

SLAPSHOT: Sie sprachen es an: Sie nahmen die Stelle im Wissen an, nur bis zum Saisonende Cheftrainer zu bleiben – für 2025/26 hatten Sie ja bereits in der Rolle des Assistenten von Roger Rönnberg unterschrieben. War das schwierig, eine Rolle in der zweiten Reihe zu akzeptieren?

Leuenberger: Überhaupt nicht. Ich habe nie gesagt, dass ich mich exklusiv als Headcoach sehe. Gottéron ist mit diesem sehr spannenden Projekt an mich herangetreten, und ich fand das sofort reizvoll.

Darum geht es ja immer: dass ein Abenteuer einen gewissen Reiz hat. Das kann auch in der Swiss League sein. Oder eben als Assistenztrainer. Man muss schon sehen, dass sich die Rolle des Assistenten in den letzten 20 Jahren stark verändert hat.

Straubing Tigers SLAPSHOT
Auch DEL-Club Straubing Tigers konnten am Spengler Cup überzeugen und standen als Aussenseiter im Finale. - IMAGO/justpictures.ch

Es geht schon darüber hinaus, Hütchen herumzuschieben. Ich werde die Stürmer unter mir haben, da hat man viel Verantwortung. Ich hatte das Glück, früh in meiner Karriere mit sehr interessanten Trainern arbeiten zu dürfen: Larry Huras, Antti Törmänen, Guy Boucher.

Das ist bereichernd, man nimmt immer etwas mit. Die Zusammenarbeit mit Rönnberg wird mir helfen, ein besserer Coach zu werden. Es ist eine grosse Chance, mit jenem Mann arbeiten zu können, der aus Frölunda einen der renommiertesten Klubs Europas gemacht hat.

SLAPSHOT: Ehe Sie das Angebot annahmen, besuchten Sie Rönnberg in Schweden.

Leuenberger: Richtig. Wir verbrachten vier Tage zusammen und stellten rasch fest, dass wir uns auf der gleichen Wellenlänge bewegen.

Ich habe seine Trainings besucht, war bei den Meetings dabei und am Abend haben wir bei gemeinsamen Essen über das Hockey philosophiert.

SLAPSHOT: Sie waren für diese Position der Wunschkandidat des Sportchefs Gerd Zenhäusern. Bei Gottéron waren sie einst Teamkollegen. Spielte das eine Rolle?

Leuenberger: Das müssten Sie ihn fragen, ich glaube aber nicht. Im Lauf einer Profikarriere kreuzt man die Wege vieler Menschen.

Wir schätzten uns und haben auch später hin und wieder telefoniert. Aber es ist nicht so, dass wir zusammen in die Ferien gefahren sind.

SLAPSHOT: Sie stürmten von 2000 bis 2002 für Gottéron. Ist der Klub im Vergleich mit damals noch wiederzuerkennen?

Leuenberger: Jeder Verein in dieser Liga hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert. Es ist alles professioneller geworden, die Infrastruktur besser. Aber die Leidenschaft des Publikums, des Umfelds ist gleich geblieben.

Das Stadion ist immer ausverkauft. Auch in diesem Winter, wo es lange nicht nach Wunsch lief. Das ist ein starker Treiber für alle in der Organisation, ein wichtiger Motivationsfaktor.

SLAPSHOT: Was ist Ihnen aus der Zeit als Spieler geblieben? Es heisst, in der Garderobe der alten Trutzburg St. Léonard habe es hie und da Team-Fondues gegeben…

Leuenberger: Ich glaube, das war vor meiner Zeit. Es soll auch einmal einen Zapfhahn in der Kabine gegeben haben. Aber auch das kenne ich nur vom Hörensagen.

Spengler Cup
Nur im Startspiel gegen Pardubice gab es eine Niederlage nach Penaltyschiessen für Fribourg-Gottéron. Am Ende stand der Cup-Gewinn. - keystone

Für mich waren es zwei schöne Jahre, persönlich lief es mir sehr gut, Serge Pelletier hat mir viel Vertrauen geschenkt. Wir waren kein Titelkandidat, hatten aber einen guten Mix im Team: Montandon, Howald, Bezina.

SLAPSHOT: Sie wurden 2016 als Trainer auf Zeit Meister mit dem SCB, jetzt haben Sie Gottéron den ersten Titel der Klubgeschichte beschert. Ist das schon ein Muster?

Leuenberger: Kaum. Das gehört zum Trainerdasein einfach dazu: verschiedene Konstellationen. Jeder wäre am liebsten 10, 20 Jahre beim gleichen Klub. Aber wem gelingt das schon?

Wir hatten in unserer Liga Arno Del Curto in Davos, Chris McSorley in Genf und jetzt Luca Cereda in Ambrì. Aber sonst? Türen gehen auf, andere schliessen sich. So ist das halt.

SLAPSHOT: Hat es Sie gekränkt, dass Sie als Schweizer Meistertrainer kein besseres Standing hatten?

Leuenberger: Natürlich hat mich das nicht gefreut. Ich habe gezeigt, was ich kann, musste aber trotzdem auf meine nächste Chance warten.

Spengler Cup
Für favorisierte Teams wie den HC Davos, gab es nichts zu holen. Die Davoser gewannen letztmals 2011 den Spengler Cup. - keystone

Im Moment war das sicher schwierig, aber rückblickend sehe ich das gelassener. Ich war bei mehreren Klubs nahe dran. Es ist schon okay, wie alles gelaufen ist.

SLAPSHOT: Ihr letzter Job vor Gottéron war Olten, wo Sie im dritten Jahr ein bisschen abgekämpft wirkten. War das so, oder täuschen wir uns?

Leuenberger: Ich möchte eigentlich nicht mehr gross über Olten reden. Nur so viel: Wir haben zwei Mal den Playoff-Final und einmal den Cup-Final erreicht. Das ist nicht so eine schlechte Bilanz.

Am Ende habe ich einige Fehler gemacht und wurde entlassen. Das Ende war nicht schön, aber insgesamt war das eine gute, spannende Zeit.

SLAPSHOT: Es war die erste Entlassung Ihrer Karriere. Wie haben Sie die verarbeitet?

Leuenberger: Das stimmt. In Bern und Biel wurde mein Vertrag nicht verlängert, das ist nicht das Gleiche.

Es ist kein schönes Gefühl. Gehört aber zum Job. Wichtig ist, dass man schnell nach vorne schauen kann.

SLAPSHOT: Sie könnten es sich punkto Jobsicherheit doch einfacher machen und Sportchef werden, wie Ihr Bruder Sven.

Leuenberger: Sag niemals nie. Aber momentan stehe ich zu gerne auf dem Eis und bin um die Jungs herum, das ist meine Leidenschaft. Das macht mir mehr Spass als im Büro zu sitzen.

SLAPSHOT: Mussten Sie sich schon mal ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigen, umsatteln zu müssen? Wenn das Telefon länger still steht und kein Angebot reinkommt?

Leuenberger: Klar, man setzt sich immer eine Deadline. Aber so weit war ich nie. Ich bin Trainer aus Leidenschaft.

Spengler Cup
Christoph Bertschy posiert nach dem Sieg am Spengler Cup mit der Trophäe. - keystone

Denn die schönen Seiten in diesem Job überwiegen, gar keine Frage. Ich hätte auch kein Problem damit, eine Stelle im Nachwuchs zu übernehmen, so eitel bin ich nicht.

«Die Leidenschaft des Publikums, des Umfelds ist gleich geblieben. Das Stadion ist immer ausverkauft. Auch in diesem Winter, wo es lange nicht nach Wunsch lief. Das ist ein starker Treiber für alle in der Organisation, ein wichtiger Motivationsfaktor», sagt Lars Leuenberger.

Aber bisher hat sich immer wieder etwas ergeben. Und dafür bin ich dankbar. Ich will unbedingt im Hockey bleiben, das ist meine Passion.

SLAPSHOT: Gibt es familienintern den Wunsch, irgendwann nochmal zusammen zu arbeiten? Sven als Sportchef und Sie als Trainer?

Leuenberger: Darüber haben wir schon lange nicht mehr gesprochen. Ich fände es reizvoll und bin mir sicher, dass es funktionieren würde. Vertrauen ist absolut essenziell. Vertrauen, Respekt sowie auch Unnachgiebigkeit in der Sache.

Spengler Cup
Für Goalie Reto Berra ist es nicht der erste Triumph am Spengler Cup. - keystone

Wir waren in Bern oft anderer Meinung und haben die Dinge ausdiskutieren können. Das hat gut geklappt, die Resultate stimmten. Aber ich befürchte, dass es schnell heissen würde: Der hat den Job nur, weil er der Bruder ist. Schade, eigentlich, aber so ist es nun mal.

Über Lars Leuenberger

Geboren: 29. März 1975. Grösse: 172 cm. Gewicht: 72 kg. Familienstand: Verheiratet, 2 Kinder. Bisherige Vereine als Trainer: HC Fribourg-Gottéron, EHC Olten, EHC Biel-Bienne, SC Bern.

Grösste Erfolge als Cheftrainer: 2016 Meister mit dem SC Bern, 2024 Spengler Cup-Sieger mit Fribourg-Gottéron. Vereine als Spieler: HC Ambrì-Piotta, EHC Basel, SC Bern, HC Fribourg-Gottéron, EHC Uzwil.

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