Griff in Steckdose: Kinder verunglücken oft zuhause

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Deutschland,

Baden, grillen und der Besuch auf dem Spielplatz: Im Sommer gibt es viele Gefahrenquellen für Kinder. Eltern sollten die Augen offen halten, mahnen Experten zum Tag der Kindersicherheit.

Sicherungen verhindern, dass kleine Kinder in Steckdosen greifen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Sicherungen verhindern, dass kleine Kinder in Steckdosen greifen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Eltern sind für einige Augenblicke abgelenkt und schon passiert es: Das Kleinkind klettert auf den Fensterrahmen und stürzt nach draussen in die Tiefe.

Etwa ein bis zwei Fenster- oder Balkonstürze pro Woche passieren in Deutschland nach Schätzungen und Medienauswertungen der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) «Mehr Sicherheit für Kinder». Zum Tag der Kindersicherheit (10.6.) macht sie Eltern und Angehörige auf Unfallrisiken für Kinder aufmerksam.

«Die meisten Eltern und Erziehungsberechtigten gehen dagegen davon aus, dass die meisten Unfälle im Strassenverkehr passieren. Das ist aber nicht so», sagte Andreas Kalbitz, Geschäftsführer der BAG «Mehr Sicherheit für Kinder». Gerade bei jüngeren Kindern passierten die meisten Unfälle in den eigenen vier Wänden. Bei den Ein- bis Zweijährigen liege der Anteil bei knapp 85 Prozent, bei den Drei- bis Sechsjährigen bei rund 60 Prozent.

Kleinkinder fielen etwa vom Wickeltisch, aus dem Bett der Eltern oder von der Couch. Weitere Risiken seien Stürze beim Laufen oder Rennen, Schnittwunden, Verbrennungen, Verbrühungen oder Unfälle rund ums Wasser.

Wie oft Kinder einen Unfall haben, der ärztlich behandelt werden musste, hat die zweite Welle der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert Koch-Instituts durch Befragungen von Eltern untersucht. Demnach musste jedes sechste Kind innerhalb von zwölf Monaten nach einem Unfall zum Arzt.

Der Anteil lag bei Jungen mit 18,6 Prozent etwas höher als bei Mädchen (14,3 Prozent). Eine Ursache für die Ungleichheit könnten laut Kalbitz Unterschiede in der Erziehung sein. «Dem gängigen Rollenbild der Jungen entspricht es immer noch eher, dass man tobt, wild ist, etwas rangelt und einfach mal eine Schramme mehr dazugehört.»

In der Corona-Pandemie könnte die Unfallwahrscheinlichkeit für Kinder insgesamt höher sein, vermutet Kalbitz. «Zunächst ist es so, dass Eltern einer Doppelt- und Dreifachbelastung ausgesetzt sind. Viele Dinge lenken von Unfallrisiken ab, die man sonst im Blick hat.» Ausserdem könnte sich laut Kalbitz niederschlagen, dass Kinder insgesamt mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen. Das statistische Risiko sei daher höher. Zumindest bei den Fenster- und Balkonstürzen habe die Arbeitsgemeinschaft im April und Mai etwas mehr Fälle festgestellt. Daran könne aber auch das gute Wetter einen Anteil haben.

Um die eigenen Kinder oder Enkel zu schützen, empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft Erwachsenen einen Perspektivenwechsel. Sich auf Höhe von Kinderaugen zu begeben und die eigene Wohnung etwa nach Steckdosen oder harten Kanten abzusuchen, könne helfen. «Wenn die Kinder älter werden, ist es aber auch wichtig, sie zu risikokompetenten Persönlichkeiten zu erziehen, also Gefahrensituationen zu erläutern», sagte Kalbitz.

Dabei sollten Eltern auf das Alter ihres Nachwuchses achten. Erst ab fünf bis sechs Jahren würden Kinder bemerken, dass eine Situation gefährlich ist. Vorbeugend handeln könnten sie in dem Alter aber noch nicht. «Sie merken erst auf dem Baum, dass er hoch ist und es gefährlich werden könnte», so Kalbitz. Das vorbeugende Gefahrenbewusstsein entwickelten Kinder erst mit acht bis zehn Jahren.

Daher sei es wichtig, bestimmte Tabus zu formulieren. Etwa kleinen Kindern zu vermitteln, dass der Wasserkocher gefährlich sei. An andere Gefahrenquellen beispielsweise in der Küche könne man Kinder schrittweise heranführen. «Während man selbst Obst schnippelt, können kleine Kinder mit einem Plastikmesser Plastikobst schneiden», sagt Kalbitz. Später könnten sie unter Aufsicht mithelfen.

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