Leipziger Buchmesse: Neue Literatur aus Norwegen
Norwegen ist Gastland der Leipziger Buchmesse 2025 und präsentiert sich unter dem Motto «Traum im Frühling» mit rund 50 Autorinnen und Autoren.

Die Riege des Messeauftritts wird vor allem von Literaturstars angeführt. Eine Auswahl.
KARL OVE KNAUSGÅRD
Noch immer ist Knausgård, seit seiner sechsteiligen Romanreihe «Min Kamp» («Mein Kampf») einer der einflussreichsten und umstrittensten Vertreter radikaler Introspektion und Autofiktion, einer der erfolgreichsten Autoren seines Landes. Pünktlich zum Beginn der Leipziger Buchmesse erscheint die deutsche Übersetzung seines 2023 im Original erschienenen Romans «Die Schule der Nacht». Es ist die Fortsetzung seiner Morgenstern-Serie, in der ein neuer Himmelskörper unheimliche Kräfte freisetzt und die Natur wie die Menschen durcheinanderbringt. Erneut konfrontiert es mit den grossen Themen Tod und Leben, dem Ringen des einsamen Künstlers um Wahrheit, Erkenntnis und Ausdruck.
(Karl Ove Knausgård: «Die Schule der Nacht». Roman. Luchterhand, 670 Seiten.)
MAJA LUNDE
Mit ihrer «Geschichte der Bienen» landete Lunde 2015 einen in 40 Ländern publizierten Welterfolg. Auch in ihren nächsten Romanen machte sie anhand persönlicher Schicksale auf Umweltthemen und Klimawandel aufmerksam. Nach ihrem «Klimaquartett», das sie 2023 mit «Der Traum von einem Baum» abgeschlossen hat, lässt die 49-Jährige in ihrem im Januar auf Deutsch erschienenen Roman «Für immer» die Natur quasi zurückschlagen: Die Zeit kommt zum Stillstand, niemand altert oder stirbt mehr. Die Reaktion von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zeichnet Lunde in Anlehnung an die Corona-Pandemie.
(Maja Lunde: «Für immer». Roman. btb, 320 Seiten.)
LARS ELLING
Teil der norwegischen Delegation ist der 1966 geborene Künstler Lars Elling, dessen Werke auch im norwegischen Nationalmuseum hängen und schon in Berlin und New York ausgestellt wurden. Ein Ausschnitt eines seiner Gemälde ziert das Cover seines Debütromans «Die Prinzen vom Birkensee». Es geht um die komplexe, noch zwei Generationen später nachwirkende Beziehung der beiden Brüder Arnstein und Truls – und um die unendliche Weite der norwegischen Wälder.
(Lars Elling: «Die Prinzen vom Birkensee». Roman. Penguin Verlag, 336 Seiten.)
TOMAS ESPEDAL
«Eine wilde Flucht vor dem Parfüm» nannte Espeda 1988 seinen ersten Roman. Nicht weniger blumig heisst sein neues Buch, das er in Leipzig vorstellt: «Lust. Früchte einer Arbeit. Lesefrüchte» verbindet Autobiografie und Bildungsroman und blickt auf fast vierzig Jahre des Lebens, Lesens und Schreibens zurück – unter Aspekten, wie der Bedeutung des Ortes und der Zeit für das Schreiben bis zu Freundschaften und Einkommen. Nach einer Reihe preisgekrönter Romane gilt der 1961 in Bergen geborene Knausgård-Freund Espedal heute als einer der wichtigsten Schriftsteller Norwegens.
(Tomas Espedal: «Lust. Früchte einer Arbeit. Lesefrüchte». Matthes & Seitz, 320 Seiten)
TORE RENBERG
Ideal passt der Roman «Die Lungenschwimmprobe» von Tore Renberg nach Leipzig. Der 52-Jährige, der auch als Musiker in verschiedenen Bands spielt, ist einer von Norwegens populärsten und erfolgreichsten Autoren. Seinen ersten historischen Roman lässt er im Leipzig des Jahres 1681 spielen. Die 15-jährige Anna Voigt ist angeklagt, ihr neugeborenes Baby getötet zu haben. Bei Schuldspruch droht ihr die Todesstrafe. Doch ein neues wissenschaftliches Verfahren soll nachweisen, dass es, wie die Angeklagte hartnäckig beteuert, tatsächlich eine Totgeburt war.
(Tore Renberg: «Die Lungenschwimmprobe». Roman. Luchterhand, 704 Seiten)