Mögliche Verstaatlichung des Stahlherstellers British Steel
Die europäische Stahlindustrie steht unter Druck – mit massiven Jobverlusten und möglichen Verstaatlichungen.

Hohe Energiekosten, Zölle und die asiatische Konkurrenz setzen die Stahlindustrie in Europa unter Druck. Tata Steel in den Niederlanden will 1600 Jobs streichen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. In Grossbritannien wird über die Verstaatlichung des kriselnden Herstellers British Steel nachgedacht.
Tata Steel Netherlands will die Produktion eigenen Angaben zufolge effizienter gestalten und seine Kosten senken. Ziel sei es, Prozesse verstärkt zu automatisieren und Doppelarbeit zu verhindern. Grund für die aktuelle Lage und den Stellenabbau sind laut Unternehmen «schwierige Nachfragebedingungen in Europa».
Bis zu 2700 Stellen in Gefahr
Diese wiederum seien durch geopolitische Entwicklungen und durch Unterbrechungen der Handels- und Lieferketten entstanden. Die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle auf Stahl und Aluminium in Höhe von 25 Prozent seit Mitte März erschweren die Lage auch in anderen Ländern.
Hinzu kommen Billigimporte aus Asien, die die Wettbewerbsfähigkeit seit einiger Zeit belasten. Der Stahlhersteller British Steel hatte Ende des vergangenen Monats angekündigt, die Schliessung von Hochöfen und andere Teile seiner Produktion vorzubereiten. Bis zu 2700 Stellen könnten verloren gehen, hiess es damals.
Verstaatlichung als mögliche Lösung?
Nun erwägt die britische Regierung offenbar eine Verstaatlichung des Unternehmens, das seit 2020 zum chinesischen Jingye-Konzern gehört. Wie die britische Tageszeitung «The Guardian» unter Bezug auf Regierungsquellen berichtete, sind Premierminister Keir Starmer und Finanzministerin Rachel Reeves der Ansicht, dass die Stahlindustrie von «enormer strategischer Bedeutung» sei.
Demnach liegen «alle Optionen auf dem Tisch, einschliesslich der Verstaatlichung». Auch die «Financial Times» berichtete darüber. Reeves sei bereit, «British Steel in staatliches Eigentum zu überführen». Die Zeitung verwies dabei auf kürzliche Gespräche der Ministerin mit Gewerkschaftsvertretern.