Nazi-Kunst auch in Schweizer Museen denkbar

    Philipp Kobel
    Philipp Kobel

    Zürich,

    Ein holländisches Design-Museum erntet Kritik für eine Nazi-Ausstellung. Die Zürcher Kollegen finden es legitim. Schocktherapie sei aber fehl am Platz.

    nazi-ausstellung museum holland
    Mitarbeiter des Design Museums in Den Bosch (NL) bei der Errichtung der Ausstellung «Design im Dritten Reich». - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein holländisches Museum wird für eine Ausstellung zu Nazi-Design kritisiert.
    • Das Zürcher Museum für Gestaltung findet eine solche Ausstellung legitim.
    • Schocktherapie im Sinne von «dem Schrecken ins Maul schauen» sei aber nicht sinnvoll.

    Das Design Museum in holländischen Den Bosch steht harsch in der Kritik. Bis im Januar zeigt das Haus unter dem Titel «Design im Dritten Reich» 270 Exponate aus der Nazi-Zeit. Wandteppiche mit Reichsadler und Hakenkreuz oder Propaganda-Plakate, gefeiert als Design-Objekte.

    Auch in der Schweizer Kunstszene hat man davon Wind gekriegt. So Roman Aebersold, Vizedirektor des Zürcher Museums für Gestaltung. «Wie üblich im Metier haben die Verantwortlichen mit anderen Design-Museen im Vorfeld über ihre Pläne gesprochen. Auch mit uns – wenn auch nur informell.»

    Legitim unter bestimmten Voraussetzungen

    Das führende Schweizer Museum für Design hat noch nie eine Ausstellung zu Nazi-Design durchgeführt. Aebersold findet das Projekt in Holland dennoch legitim. «Vorausgesetzt, die Design-Aktivitäten des Nazi-Regimes werden differenziert dargestellt und jederzeit in den Kontext gestellt.»

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    Das Museum für Gestaltung in Zürich. - Keystone

    Museen seien ein Ort des Lernens, der Aufklärung und der Meinungsbildung. «Im Fall der Design-Museen geht es darum, Design zu erklären und die Wirkung zu erläutern. Man kann das an politisch nicht-heiklen Beispielen oder anhand eines kontroversen Themas machen.»

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    Die Exponate werden für die Ausstellung parat gemacht. - Keystone

    Das holländische Museum wählte bewusst den zweiten Weg. Dann brauche es zwingend begleitende Massnahmen, findet der Leiter Sammlungsbetrieb aus Zürich. «Man muss den Besuchenden die Hintergründe, Motive und Folgen der Nazi-Designstrategie aufzeigen.» Dass das Museum darauf verzichtet, sei «sehr heikel».

    Allgemein lässt sich in der jüngeren Vergangenheit in der Schweiz keine grosse Ausstellung mit Nazi-Kunst finden. Für hitzige Diskussionen sorgte hingegen Raubkunst aus Zeiten des Nationalsozialismus. Besonders durch den verstorbenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt, dessen Sammlung höchst umstritten ist.

    Keine Schocktherapie

    Der Direktor des holländischen Museums begründete, man müsse dem Schrecken direkt ins Maul schauen. Erst dann könne man es verstehen.

    Diese Aussage kann Roman Aebersold nicht unterstützen. «Natürlich sollen die Besuchenden der Ausstellungen herausgefordert oder mindestens eingeladen werden, sich Gedanken zu machen. ‹Schocktherapie› scheint mir bei diesem sensiblen Thema kein geeignetes Mittel zu sein.»

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    Auch so geht Nazi-Kunst: Die «Art Cologne»-Kunstmesse in Köln mit der Installation «Nazi Hunter's Room» (2007) von Boaz Arad. - Keystone

    Aebersold vergleicht die Arbeit der Museen mit dem Geschichtsunterricht. «Wir müssen über dieses dunkle Kapitel der Geschichte reden und die nachfolgenden Generationen informieren. Dabei müssen wir aber immer die schrecklichen Folgen darlegen. Nur so können wir aus der Geschichte lernen.»

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