Grossbritannien wählt und die Labour-Partei steht kurz vor einem historischen Triumph.
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Keir Starmer führt seine Labour-Partei wohl zu einem deutlichen Wahlsieg gegen Rishi Sunaks Tories. - keystone

In Grossbritannien läuft die Parlamentswahl. Die Wahllokale haben um 7.00 Uhr (Ortszeit, 8.00 Uhr MESZ) geöffnet. Meinungsforscher erwarten einen haushohen Sieg der Labour-Partei, die bisher in der Opposition war.

Deren Chef Keir Starmer dürfte damit den bisherigen Premierminister Rishi Sunak in der Downing Street ablösen. Sunaks Konservative lagen zuletzt in Umfragen rund 20 Punkte hinter den Sozialdemokraten.

Wahlberechtigt sind mehr als 46 Millionen Menschen, die jeweils eine Stimme haben. Alle Sitze im Unterhaus werden per Direktmandat vergeben. Dabei gewinnt stets die Kandidatin oder der Kandidat mit den meisten Stimmen in einem der 650 Wahlkreise.

Historischer Machtwechsel erwartet

Die absolute Mehrheit im Unterhaus (House of Commons) beträgt 326 Sitze. Projektionen sagen Labour weit mehr als 400 Mandate voraus. Damit liegt die Partei auf Kurs, die grösste Mehrheit im Unterhaus seit rund 190 Jahren zu erzielen. Experten betonten, die Konservativen seien nur noch auf Schadensbegrenzung aus.

In stündlichen Posts warnte Sunak vor einer «Super-Mehrheit» für Labour, ohne weitreichende Kontrolle. Eine solche «Super-Mehrheit» gibt es im britischen Parlamentssystem nicht. Es ist für die Gesetzgebung egal, ob eine Partei 20 oder 200 Sitze mehr hält als die anderen Kräfte zusammen.

In stündlichen Posts behauptete Sunak zudem, die Sozialdemokraten planten Steuererhöhungen auf breiter Fläche. Das stimmt nach Einschätzung von Kommentatoren nicht, Labour-Chef Starmer weist den Vorwurf zurück. Der 61-Jährige kündigte ein «neues Zeitalter der Hoffnung und Chancen» an.

Starmer verspricht neues Zeitalter

«Dies ist eine grossartige Nation mit grenzenlosem Potenzial», sagte Starmer am Vorabend der Wahl. «Die Briten verdienen eine Regierung, die ihren Ambitionen entspricht. Heute haben wir die Chance, gemeinsam mit Labour mit dem Wiederaufbau Grossbritanniens zu beginnen.»

Gründe für den Niedergang der Konservativen gibt es viele. Vor allem haben zahlreiche Skandale und Affären, vor allem unter dem ehemaligen Premierminister Boris Johnson, das Vertrauen der Menschen in die Tory-Partei zerstört, die seit 14 Jahren regiert. Mit Spannung wird auch das Abschneiden der Liberaldemokraten erwartet, die manchen Berechnungen zufolge sogar Chancen haben, die Konservativen als grösste Oppositionsfraktion abzulösen.

Die rechtspopulistische Partei Reform UK von Nigel Farage, der einst den Brexit massgeblich vorantrieb, dürfte erstmals ins Unterhaus einziehen. Experten rechnen damit, dass die ehemalige Brexit-Partei die Konservativen viele Stimmen am rechten Rand kostet.

Mit Schliessung der Wahllokale um 23.00 Uhr (MESZ) wird eine Prognose erwartet. Die einzelnen Wahlkreise werden noch bis zum Freitagmorgen ausgezählt. König Charles III. beauftragt den neuen Premierminister am Freitag offiziell mit der Regierungsbildung.

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