«Einfacher, Deutschen nach Bern zu bringen als Zürcher»
Laut einer Headhunterin zügeln Schweizer kaum in andere Kantone wegen eines Jobs. Für Ausländer ist die Anziehungskraft gross.
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Das Wichtigste in Kürze
- Schweizer sind laut einer Headhunterin ihrer Region sehr verbunden.
- Es sei einfacher, einen Norddeutschen nach Bern zu holen, als einen Zürcher.
- Wegen des Wohlstands und des Fachkräftemangels können es sich Schweizer besser einrichten.
Für den Job in eine andere Stadt, in einen anderen Kanton umziehen – würdest du das machen? Laut Headhunterin Silvia Coiro tun dies sehr wenige Schweizerinnen und Schweizer, es gebe eine relativ geringe Mobilität.
Im Interview mit «Tamedia» erklärt sie, dass die Schweiz ein sehr kleinteiliges Land sei. «Menschen fühlen sich oft einer Region stark zugehörig.» Ein Innerschweizer bleibe in der Innerschweiz, weil er es könne. Weil er vielleicht ein Haus und im Ort verwurzelte Kinder habe.
Wenn sie auf der Suche nach vermittelbaren Führungskräften sei, nutze sie ihr Netzwerk, erklärt Coiro. Sie frage dann speziell nach Personen mit Heimweh nach einer gewissen Region, nach «Heimweh-Bernern» beispielsweise.
Sie erzählt von Fällen, bei denen Personen rund 10 Minuten vom Arbeitsort entfernt wohnen. Diese könnten über Mittag nach Hause und mit der Familie Zmittag essen. «Wieso soll dieser Mann anderthalb Stunden hin und zurück pendeln?»
Die Schweiz als «Insel der Glückseligen»
Es liege auch am Schweizer Wohlstand, man könne es sich so einrichten, wie man wolle. «Hier müssen die wenigsten mit Sack und Pack 300 Kilometer umziehen.» Sie witzle deshalb manchmal: «Es ist viel einfacher, einen Norddeutschen nach Bern zu bringen, als einen Zürcher.»
Zum Wohlstand kommt auch der Fachkräftemangel, in der Schweiz herrsche «plus/minus Vollbeschäftigung». Die Menschen suchten sich den Job deshalb nicht bloss aufgrund des Gehalts und der Karrierechancen aus. Wichtig seien auch die Aufgabenstellung, der Chef, das Umfeld, die Firmenkultur.
Viele Branchen «leben» vom ausländischen Personal. Auf Ebene Geschäftsleitung sind 63 Prozent der Neuberufenen keine Schweizer. Coiro begründet dies zum einen damit, dass viele Firmen global aufgestellt sind. Zum anderen liege es an der Anziehungskraft der Schweiz, die «in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten zunimmt».
Die Nachbarländer prosperierten nicht mehr so stark, die Schweizer Wirtschaft hingegen laufe, es gebe Wachstum. Sie erhalte deshalb wieder viel mehr Lebensläufe aus dem Ausland. «Die Schweiz ist halt immer noch eine Insel der Glückseligen.»