SVP: Politiker bezeichnet Sven Epineys Antrag als «widerlich»
Das Wichtigste in Kürze
- Dass Sven Epiney seinem Freund im TV einen Antrag machte, ist für den Ombudsmann okay.
- Ein Zürcher SVP-Kantonsrat hingegen kommentiert dies auf Facebook abfällig.
- Seine Abneigung erklären will der Politiker anschliessend nicht.
Was für ein Theater. In der ersten Hauptrolle: Sven Epiney, schwuler TV- und Radiomoderator. In der zweiten Hauptrolle: Roger Blum, SRF-Ombudsmann, der Beschwerden über SRF-Sendungen beurteilt. In der Nebenrolle: Claudio Schmid, Zürcher SVP-Kantonsrat aus Bülach.
Nach der Tanzshow «Darf ich bitten?» gingen bei Blum Beschwerden ein. Stein des Anstosses: Der Kniefall von Epiney vor seinem langjährigen Freund. Tanzwettkämpfer Epiney hielt in der Live-Sendung um die Hand seines Tanzpartners an.
Das sei in Ordnung, urteilte Ombudsmann Blum. Im Fernsehen habe es Platz für Privates und auch Überraschendes gehöre dazu. Der Antrag sei von SRF nicht geplant gewesen.
Hier tritt Claudio Schmid auf die Bühne. «Widerlich», kommentiert der 1971 Geborene den entsprechenden Nau-Post auf Facebook. Er bezeichnet sich als Unternehmer, wurde bei den Zürcher Wahlen als Sechster und Letzter auf seiner Liste knapp wiedergewählt.
Was Schmid mit seinem Kommentar meinte, will er auf Anfrage nicht ausführen. Was ist «widerlich»?
Dass ein Mann einem Mann einen Heiratsantrag macht? Oder dass Roger Blum die Aktion goutiert? Oder dass Nau den Artikel dazu auf Facebook postete?
Verwirrend auch: Schmid reagiert zuerst auf die entsprechende Nachfrage eines Users. «Sowas gehört nicht in ein staatliches TV welches wir durch Zwangssteuern zu bezahlen haben», erklärt er.
SVP-Kantonsrat löscht Kommentar und postet ihn erneut
Doch dann überlegt es sich Schmid anders. Er löscht seine Kommentare wieder. Nur um kurz darauf sein «widerlich» erneut zu posten. Offenbar ist der Kommentar nur gerade so provokativ, dass er andere empört, aber ihn nicht angreifbar macht.
Wer Claudio Schmid auf anderen Plattformen wie Twitter folgt, weiss: Schmid ist ein begnadeter Provokateur vor dem Herrn. Als «wenig zimperlicher Publizist auf diversen Social-Media-Kanälen» betitelte ihn einst die NZZ.
Dafür hat Schmid auf Twitter gar zwei praktisch identische Kanäle. Aber genug von Nebendarsteller Schmid.
Noch gibt es gar keine Homo-Ehe
Sven Epiney hat seinem Schatz eigentlich gar keinen Heiratsantrag gemacht. Sondern einen Antrag zur «eingetragenen Partnerschaft». Denn Homosexuelle haben gegenwärtig nur diese Möglichkeit.
Im Parlament ist eine Initiative der GLP hängig, die eine Heirat von Gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglichen soll. Die Rechtskommission des Nationalrat hat ihr bereits grünes Licht gegeben.