Viele haben Angst vor kleinen Löchern – das steckt dahinter
Schauder, Ekel, Übelkeit – ja sogar Angst kann es auslösen, wenn ein Trypophobie-Geplagter schon nur einen Duschkopf anschaut. Zwei Betroffene erzählen.
Das Wichtigste in Kürze
- Viele schaudert es vor unregelmässig aneinander gereihten Löchern.
- Das Phänomen nennt sich Trypophobie.
- Einige erinnern die Löcher an Hautkrankheiten – darum die Ekel-Reaktion.
Trypophobie? Das ist ein Phänomen, das die Angst oder den Ekel vor kleinen, unregelmässig aneinandergereihten Löchern bezeichnet. Sehen Betroffene ein Muster wie beispielsweise Lotus-Samen-Köpfe, lässt es sie gleich aus der Haut fahren.
Auch Stefanie N.* kennt dieses Gefühl: «Sehe ich Löcher in einem unregelmässigen Muster, schaudert's mich enorm.» Sie könne kaum hinschauen und es überkomme sie ein Gefühl der Übelkeit: «Ich kann in diesem Moment auch nichts mehr essen, weil mir der ganze Appetit vergeht.» Weiter sagt sie: «Ich finde es selber komisch, aber es passiert einfach.»
Doch Stefanie ist nicht alleine, auch Rita F.* kennt solche Symptome. Erste Anzeichen habe sie im Jugendalter erlebt, als noch Trockenblumengestecke im Trend waren: «Ich konnte es nie genau einordnen, aber es hat mich immer ‹getschudert› wenn ich dies gesehen habe.»
Richtig bewusst sei es ihr erst geworden mit den Foto-Montagen: «Dabei hat man Lotusblumen-Muster auf Körperteile oder andere Gegenstände retuschiert.»
Weiter meint sie: «Wenn ich solche Montagen sehe oder nur schon daran denke, bekomme ich sofort Hühnerhaut. Vor allem an den Armen, im Nacken und im Gesicht.» Nebst dem erhalte sie ein unwohles Gefühl im Magen.
Traumatherapie kann helfen
Es gibt inzwischen Studien, die die physiologischen Reaktionen auf Trigger untersuchen und die Angst vor Löchern von anderen Angststörungen unterscheiden. Dies erklärt die Psychotherapeutin Barbara Menn auf Anfrage von Nau.ch.
«Die Trigger sind meistens Muster mit unregelmässig geformten Löchern. Die Reaktionen können heftig sein, Unwohlsein, Ekel, Angst», führt Menn aus. Es gebe Hinweise, dass diese «Muster» an Erkrankungen erinnern, die sich zum Beispiel im Hautbild zeigen. Auch hierzu gebe es Studien, sagt die Psychotherapeutin mit Praxis in Zürich.
Eine klassifizierte Diagnose gemäss ICD-System (Internationale Klassifikation der Krankheiten) gebe es nicht. Trotzdem: Eine phobische Reaktion sei auf jeden Fall behandlungsbedürftig.
Man würde dazu zuerst versuchen, mit dem Patienten oder der Patientin herauszufinden, womit er oder sie die Löcher assoziiert. «Danach könnte man allenfalls traumatherapeutisch damit arbeiten.»
Bei einer Traumatherapie handelt es sich um eine spezielle Behandlungsform für Menschen, die unter einem konkreten Erlebnis leiden.