Wallis: Neuer Missbrauchsfall der Ordensgemeinschaft der Spiritaner
Im Zusammenhang mit der römisch-katholischen Ordensgemeinschaft der Spiritaner im Wallis wurde ein neuer Missbrauchsfall aufgedeckt.

Im Wallis ist ein neuer Missbrauchsfall aufgedeckt worden: Betroffen ist die römisch-katholische Ordensgemeinschaft der Spiritaner in Saint-Gingolph. Zunächst handelte es sich um einen Einzelfall. Inzwischen haben sich jedoch fünf weitere Betroffene beim Unterstützungsverein für Missbrauchsbetroffene gemeldet.
Die Staatsanwältin Beatrice Pilloud sagte am Samstag auf Anfrage, sie wolle sich alle anhören. «Ich bin überzeugt, dass sich jetzt, da andere Zeugnis abgelegt haben, weitere ehemalige Schüler melden werden», sagte Gabriella Looser Friedli vom Unterstützungsverein Sapec.
Der erste Missbrauchsfall wurde am 21. März durch den Regionalfernsehsender Canal 9 öffentlich gemacht. Der Fernsehsender veröffentlichte das Zeugnis eines ehemaligen Schülers der Missionsschule St-Gingolph, der nach eigenen Angaben im Jahr 1982 als 12-jähriger von einem Spiritaner-Priester missbraucht wurde.
Ordensleute baten um Vergebung
Die Tageszeitung «Le Nouvelliste» berichtete in der Samstagsausgabe über fünf weitere Opfer, die sich bei Sapec gemeldet haben. Nach Angaben der Spiritaner ist der beschuldigte Priester mittlerweile verstorben. In einem Schreiben baten die Ordensleute um Vergebung.
Sie seien sich der Schwere der von diesen Mitbrüdern begangenen Taten und des Leids, das die Opfer und ihre Familien ertragen müssten, bewusst, hielten sie fest. «Wir erkennen an, dass unsere Reaktion auf die Opfer dieser Missbräuche unzureichend und fehlerhaft war und dass dies die Würde des Menschen nicht respektiert», schreiben sie.
Schule schloss 1982 ihre Türen
Die Missionsschule schloss im Jahr 1982 ihre Türen. Die sogenannte Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist unter dem Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens (kurz: Spiritaner) wurde 1703 gegründet. Nach eigenen Angaben arbeiten heute rund 2600 Spiritaner weltweit in 57 Ländern.