Smog, Schaum & Fäkalien: Neu-Delhi versinkt im Dreck
Seit einigen Wochen kämpft Neu-Delhi mit extremem Smog. Nun ist auch noch der Fluss Yamuna mit Schaum bedeckt. Die Stadt scheint dreckiger denn je.
Das Wichtigste in Kürze
- Indien kämpft seit Wochen mit dem heftigsten Smog seit drei Jahren.
- Jetzt kommt auch noch die Bildung von Schaum auf dem heiligen Fluss Yamuna hinzu.
- Die Bewohner Neu-Delhis scheints nicht zu stören. Sie baden weiter darin.
Es sieht fast aus wie Schnee, der auf dem verunreinigten Fluss Yamuna in Neu-Delhi schwimmt. Doch es handelt sich dabei nicht um die bei uns so beliebte weisse Pracht, sondern um Schaum. Dieser türmt sich im heiligen Fluss Yamuna in Indien. Und dutzende Menschen baden tagtäglich darin.
Der Schaum an sich stelle kein gesundheitliches Risiko dar und sei nicht giftig, erklärt ETH-Professor Bernhard Wehrli: «Der Schaum schaut spektakulär aus, ist aber vermutlich aus Seifen-artigen Substanzen.» Er entstehe ähnlich wie bei einem Haarshampoo unter der Dusche.
«Wenn solche Substanzen nicht gut abbaubar sind und über Stromschnellen mit Luft vermischt werden, entsteht haltbarer Schaum», so der Chemiker.
Kann tödlich enden
Gesund ist das Baden im heiligen Yamuna allerdings überhaupt nicht. Verunreinigtes Abwasser macht den grössten Teil der Verschmutzung aus. «Die Fäkalien können Infektionskrankheiten übertragen, was eine massive Gefahr darstellt. Durchfall-Erkrankungen sind die häufigste Folge und für Kleinkinder gar tödlich.»
Die Bewohner von Neu-Delhi scheinen allerdings keine grosse Wahl zu haben. Trinkwasser und Abwassersysteme sind Mangelware, weshalb im Yamuna nicht nur gebadet, sondern auch gekocht und gewaschen wird. Der Fluss gilt als wichtigste Trinkwasserquelle der Stadt.
Smog macht Alltag unüberwindbar
Nebst dem Fluss ist auch der momentane Smog ein riesiges Problem in der indischen Hauptstadt. Die Bewohner in Neu-Delhi leiden zurzeit unter der schlimmsten Luftverschmutzung der letzten drei Jahre.
Wegen der katastrophal schlechten Messwerte haben die Behörden den Gesundheitsnotstand ausgerufen und Notfallmassnahmen gegen den Dreck in der Luft veranlasst. Bis auf Weiteres darf nur die Hälfte der Autos auf die Strasse – gerade und ungerade Kennzeichen wechseln sich ab.
Keine Besserung in Sicht
Unwahrscheinlich, dass sich in nächster Zeit an der prekären Situation etwas ändern wird. Laut Bernhard Wehrli sollte zumindest der Schaum wieder von alleine verschwinden.