Putin, Patriarch und Propaganda: Ostergottesdienst in Russland
Wladimir Putin nutzte Ostern für einen symbolträchtigen Auftritt. Gemeinsam mit Patriarch Kyrill inszenierte die Kirche als Bühne für politische Botschaften.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat öffentlichkeitswirksam an der Ostermesse in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale teilgenommen. In der Hand hielt er dabei eine brennende rote Kerze, wie der MDR berichtet.
Patriarch Kyrill I. leitete den Gottesdienst und rief unter anderem zu Gebeten für Russlands Armee auf. Die Messe wurde im russischen Staatsfernsehen übertragen, wie «Vatican News» berichtet.

Putin habe mit deutlichem Abstand zu den Gläubigen neben Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin gestanden. Am Ende hätten der Präsident und Kyrill I. Ostergeschenke ausgetauscht.
Gott und die Grenzen
Beobachtern zufolge handele es sich bei Putins Auftritt um keinen Ausdruck von Religiosität, sondern Teil einer gezielten Inszenierung. Vielmehr gehe es darum, religiöse Symbolik für politische Zwecke zu nutzen, wie der MDR unter Berufung auf Experten berichtet.
So sprach Patriarch Kyrill I. in seiner Predigt unter anderem von „schicksalhaften Prüfungen“ für Russland. Zugleich bat er um göttlichen Schutz für Russlands Grenzen und rief zu Gebeten für die Armee auf, wie «kath.ch» berichtet.
Putin selbst lobte in seinen Ostergrüssen die „selbstlose Arbeit“ der Kirche. Zudem betonte deren Rolle für das kulturelle Erbe Russlands, wie «Kirche und Leben» berichtet.
Putin und die Orthodoxe Kirche
Der orthodoxe Glaube ist in Russland weit verbreitet und prägt das gesellschaftliche Leben. Rund 70 Prozent der russischen Bevölkerung bekennen sich zur Russisch-Orthodoxen Kirche, so auch Wladimir Putin.

Patriarch Kyrill I. ist seit 2009 Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche und gilt als enger Verbündeter von Putin. Die Predigten des einstigen KGB-Agenten unterstützen den Kurs des Kremls, wie der MDR berichtet.
Mehrere Länder haben Sanktionen gegen Kyrill I. verhängt. Die Nähe zwischen Kirche und Staat wird von Experten als problematisch bewertet.