Stinkendes Ohrenschmalz? Das steckt dahinter
Sie steigen aus der Dusche, greifen trotz besseren Wissens nach einem Wattestäbchen und bemerken ... Ihr Ohrenschmalz riecht. Ist das etwa normal?

Sie haben einen unangenehmen Geruch in Ihrem Ohr bemerkt und fragen sich, was los ist? Keine Sorge, wir klären Sie auf!
Der mysteriöse Duft des Ohrenschmalzes
Um zu verstehen, warum unser Ohrenschmalz einen Geruch hat, müssen wir uns den Zweck von diesem näher anschauen. «Niemand weiss wirklich genau, warum wir überhaupt Ohrenschmalz haben», erklärt HNO-Ärztin Dr. Bhattacharyya.
Eine Theorie ist jedoch, dass er dazu dient, unsere Gehörgänge natürlich zu reinigen. Unsere Haut erneuert sich ständig – auch im Ohrkanal. Die abgestorbenen Hautpartikel sammeln sich dort jedoch, ohne einen Ausweg zu finden.

Hier kommt das klebrige Sekret ins Spiel, welches von speziellen Drüsen in unserem Ohr produziert wird: Unser Ohrenschmalz fängt diese Partikel auf und transportiert sie aus dem Körper hinaus.
Warum manch einer mehr duftet als andere
Die Mischung aus Schweiss, Bakterien sowie Enzymen resultiert in einem individuellen Geruch, welcher von Person zu Person variieren kann. Beeinflusst wird dieser von Faktoren wie der Menge an produziertem Ohrenschmalz und Schweiss.
Ein normaler Geruch des Ohrenschmalzes ist meist mild, doch bestimmte Dinge können einen auffälligeren Duft verursachen. Wenn Ihr Ohrenschmalz wirklich schlecht riecht – denken Sie an verdorbene Milch oder «stinkende Turnschuhe» – haben Sie wahrscheinlich eine Ohrinfektion.
Ohrinfektionen können durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden und treten häufig auf, nachdem man erkältet war oder Halsschmerzen hatte. Die Art der Ohrinfektion, welche am ehesten stinkenden Ohrenschmalz verursacht, ist eine äussere Ohrinfektion.
Nicht nur Wasser im Ohr: Schwimmerohr als Ursache
Schwimmen Sie gerne? Dann kennen Sie du vielleicht das «Schwimmerohr». Es entsteht durch Feuchtigkeit im Ohr nach dem Baden oder Duschen.

Die feuchte Umgebung im Gehörgang begünstigt das Wachstum von Bakterien, was zu Entzündungen und Infektionen führen kann. Typische Symptome sind Juckreiz, Schmerzen und ein Gefühl der Verstopfung im Ohr.
Um einem Schwimmerohr vorzubeugen, sollten Sie Ihre Ohren nach dem Schwimmen gründlich trocknen. Spezielle Ohrentropfen oder eine Lösung aus Alkohol und Essig können ebenfalls helfen, die Feuchtigkeit zu reduzieren.
Zu viel des Guten: Übermässiges Ohrenschmalz
Ohrenschmalz ist normal und sogar gesundheitsfördernd. Aber manche Menschen produzieren genetisch bedingt mehr, als sie eigentlich benötigen, was zu einer Ansammlung und Geruch führen kann.
Auch häufiges Tragen von Hörgeräten oder In-Ear-Kopfhörern kann die Ohrenschmalzproduktion anregen. Diese Gegenstände schieben das Cerumen tiefer in den Gehörgang.

Ironischerweise kann auch eine zu häufige Reinigung zu einer Überproduktion führen. Das Ohr reagiert auf die Reizung mit verstärkter Ohrenschmalzbildung.
Die selteneren Ursachen für stinkendes Ohrenschmalz
In seltenen Fällen kann ein Loch im Trommelfell, auch Trommelfellperforation genannt, zu übel riechendem Ausfluss führen. Dies kann durch eine Mittelohrentzündung oder äussere Gewalteinwirkung verursacht werden.
Symptome einer Trommelfellperforation sind plötzliche Schmerzen, akuter Hörverlust und möglicherweise Ausfluss aus dem Ohr. Bei einer Perforation durch Mittelohrentzündung können die Schmerzen nachlassen.
Auch Pilzinfektionen im Ohr, sogenannte Otomykosen, können unangenehme Gerüche verursachen. Sie werden durch gründliche Reinigung und Trocknung des Gehörgangs sowie antimykotische Medikamente behandelt.
Was tun bei übel riechendem Ohrenschmalz?
Ob Sie nun mit einer Infektion oder übermässigem Schmalz zu kämpfen haben: Das Beste ist immer, einen Arzt aufzusuchen, welcher die genaue Ursache feststellen und Ihnen die passende Behandlung empfehlen kann.

Der HNO-Arzt kann beispielsweise eine Ohrspülung mit einer speziellen Lösung durchführen oder das Ohrenschmalz mit einem dünnen Röhrchen absaugen.
Bei Entzündungszeichen erhalten Sie in der Regel antibiotische oder kortikoidhaltige Ohrentropfen.
Vorbeugen ist am besten
Damit es gar nicht erst zu vermehrtem und übel riechendem Schmalz kommt, sollten Sie bei der Reinigung und Pflege ein paar Dinge beachten:
1. Verzichten Sie auf Wattestäbchen zur Reinigung. Reinigen Sie die äussere Ohrmuschel vorsichtig mit einem feuchten, weichen Lappen oder Kosmetiktuch.
2. Verwenden Sie spezielle Ohrentropfen oder -sprays (Cerumenolytika), die das Ohrenschmalz aufweichen und sein Abfliessen erleichtern.

3. Träufle einige Tropfen erwärmtes Öl ins Ohr und lasse es kurz einwirken. Das Öl löst das Ohrenschmalz und macht es weicher.
4. Halten Sie Ihr Ohr über den Dampf von zwei Litern heissem Wasser mit einem Esslöffel Kamille für mindestens zehn Minuten. Dies löst trockenes Ohrenschmalz und wirkt antibakteriell.