Aufgeladen: Die Debatte Verbrenner vs. Elektro polarisiert

Daniel Huber
Daniel Huber

Bern,

Die Debatte um Verbrenner- und Elektroautos wird in der Schweiz hochemotional geführt. Was sind die Gründe? Welche Interessen stecken dahinter?

Verbrenner vs. Elektro
In der Debatte um die Mobiliätswende wird mit harten Bandagen gekämpft. - AI.Huber

Die Debatte um Verbrenner- und Elektroautos wird in der Schweiz hochemotional geführt. Während die einen die Elektromobilität als Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Zukunft preisen, sehen die anderen darin eine teure und unpraktische Alternative zum bewährten Verbrennungsmotor.

Was sind die Gründe für diese Polarisierung? Welche Interessen stecken dahinter? Und welche Auswirkungen hat die Debatte auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz?

Aktuelle Nachrichten und Berichte

Aktuelle Berichte zeigen, dass die Verkaufszahlen von Elektroautos in der Schweiz zuletzt rückläufig waren. Dies steht im Kontrast zu den ambitionierten Zielen der Schweizer Regierung, die bis 2025 einen Anteil von 50 Prozent Steckerfahrzeugen (Elektroautos und Plug-in-Hybride) an den Neuzulassungen anstrebt.

Citroen_C5_Aircross
Citroen C5 Aircross: Gib es als Verbrenner, Mild- und Plug-In Hybrid. - Citroen

Experten sehen verschiedene Gründe für diese Entwicklung. Dazu zählen die hohen Anschaffungskosten von Elektroautos, die fehlende Ladeinfrastruktur und die Unsicherheit in der Bevölkerung über die Zukunft der Elektromobilität.

Ein weiterer Faktor, der den Automarkt aktuell hemmt, ist der sogenannte «Osborne-Effekt». Viele Kunden zögern mit dem Kauf eines neuen Autos, da sie wissen, dass bald neue und bessere Elektroauto-Modelle auf den Markt kommen werden.

Argumente für Verbrenner Fans

Befürworter von Verbrennungsmotoren argumentieren oft mit folgenden Punkten:

Bewährte Technologie: Verbrennungsmotoren sind eine ausgereifte und zuverlässige Technologie.

Günstige Anschaffung: Verbrenner sind in der Anschaffung oft günstiger als Elektroautos.

Bertone GB110 Heck
Verbrenner der sportlichen Art: Im Heck des GB110 arbeitet ein V12-Motor mit vier Turboladern. - Bertone

Grosse Reichweite: Verbrenner haben in der Regel eine grössere Reichweite als Elektroautos.

Schnelles Tanken: Das Tanken eines Verbrenners dauert nur wenige Minuten.

Bestehendes Tankstellennetz: Tankstellen für Benzin und Diesel sind flächendeckend vorhanden.

Argumente gegen Verbrenner

Gegner von Verbrennungsmotoren führen folgende Argumente an:

Klimaschädliche Emissionen: Verbrenner stossen klimaschädliche Abgase aus und tragen massgeblich zum Klimawandel bei.

Smog über der Stadt
Smog entsteht, wenn Schadstoffe wie Autoabgase und Industrieemissionen mit Feuchtigkeit und anderen chemischen Verbindungen in der Atmosphäre reagieren. (Symbolbild) - Pexels

Luftverschmutzung: Verbrenner tragen zur Luftverschmutzung in Städten bei.

Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen: Verbrenner sind abhängig von fossilen Brennstoffen, deren Preise stark schwanken können.

Lärm: Verbrennungsmotoren verursachen Lärm.

Argumente für Elektroautos

Befürworter von Elektroautos betonen folgende Vorteile:

Umweltfreundlich: Elektroautos stossen im Betrieb keine Abgase aus und tragen somit zum Klimaschutz bei. Besonders umweltfreundlich sind Elektroautos, wenn sie mit Strom aus erneuerbaren Energien geladen werden.

Leise: Elektroautos sind im Betrieb sehr leise.

Günstige Betriebskosten: Die Betriebskosten von Elektroautos sind in der Regel niedriger als die von Verbrennern.

Mercedes Benz EQS
Mercedes hat mit dem EQS erstmals die 1.000 km Reichweite erreicht. - Mercedes Benz

Steuervergünstigungen: In vielen Kantonen gibt es Steuervergünstigungen für Elektroautos.

Innovation: Die Elektromobilität ist ein innovativer Bereich mit grossem Entwicklungspotenzial.

Finanzielle und ökologische Vorteile mit Solarenergie: Anbieter wie Clyde bieten Hausbesitzern mit Photovoltaikanlagen spezielle Tarife für das Laden ihrer Elektroautos an, wodurch sie ihren Solarstrom rentabler nutzen und gleichzeitig ihren CO2-Fussabdruck reduzieren können.

Herstellergarantien auf Batterien: Um Bedenken hinsichtlich der Lebensdauer von Batterien auszuräumen, gewähren viele Hersteller Garantien auf die Batterien ihrer Elektroautos. Tesla beispielsweise bietet für das Model 3 eine Garantie von 8 Jahren oder 160'000 bis 192'000 Kilometern, je nach Ausführung.

Schaubild ADAC e.V.
Die Lebensdauer von Elektroauto-Batterien ist länger als oft angenommen. Untersuchungen zeigen, dass sie nach dem Einsatz im Auto noch Jahre in anderen Anwendungen genutzt werden können. - ADAC e.V. (Screenshot)

Geringeres Gewicht der Antriebseinheit: Obwohl Elektroautos aufgrund der Batterie schwerer sein können, ist ihre Antriebseinheit deutlich leichter als ein Verbrennungsmotor. Ein VW ID.4 beispielsweise hat eine Antriebseinheit von nur 90 Kilogramm.

Argumente gegen Elektroautos

Gegner von Elektroautos nennen folgende Nachteile:

Hohe Anschaffungskosten: Elektroautos sind in der Anschaffung oft teurer als Verbrenner.

Geringe Reichweite: Elektroautos haben in der Regel eine geringere Reichweite als Verbrenner.

Lange Ladezeiten: Das Laden eines Elektroautos dauert länger als das Tanken eines Verbrenners.

Opel Manta GSe ElektroMOD
Opel Manta GSe ElektroMOD: Ein Klassiker mit E-Motor aufgepeppt. - Opel

Fehlende Ladeinfrastruktur: Die Ladeinfrastruktur für Elektroautos ist noch nicht flächendeckend ausgebaut.

Umweltbelastung durch Batterieproduktion: Die Produktion von Batterien für Elektroautos ist energieintensiv und kann die Umwelt belasten. Insbesondere der Abbau der Rohstoffe für die Batterien ist umweltschädlich.

«Total Cost of Ownership» Vergleich

Studien, wie die von ALD Automotive und Leaseplan, zeigen, dass Elektroautos bei den Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership) oft günstiger sind als Verbrenner. Die höheren Anschaffungskosten werden durch niedrigere Energie- und Wartungskosten kompensiert.

Eine Studie des TCS kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, weist aber darauf hin, dass die Fahrzeuge in der Studie nach 10 Jahren keinen Restwert mehr haben. Diese Annahme kann die langfristige Kostenrechnung beeinflussen.

Politische Positionen

Die politischen Parteien in der Schweiz haben unterschiedliche Positionen zur Elektromobilität. Während die Grünen die Elektromobilität als wichtigen Beitrag zum Klimaschutz fördern, stehen die bürgerlichen Parteien dem Thema eher skeptisch gegenüber.

BMW iX5 HYDROGEN
Nicht neu, aber eine aktuelle Alternative: Auch bei extremen Minustemperaturen ist der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb genauso alltagstauglich wie ein herkömmlicher Verbrennungsmotor. - BMW

Die SVP beispielsweise setzt sich für Technologieoffenheit ein und will keine Verbote von Verbrennungsmotoren. Die FDP hingegen will die Elektromobilität fördern, lehnt aber Subventionen für Elektroautos ab.

Nationale Subventionsprogramme für Elektrofahrzeuge

Die Schweiz hat bisher kein nationales Förderprogramm für Elektrofahrzeuge eingeführt. Die Förderung von Elektroautos ist in der Schweiz kantonal und teilweise kommunal geregelt.

Einige Kantone bieten Subventionen beim Autokauf, andere gewähren Steuervorteile oder unterstützen beim Bau von Ladestationen.

Politische Massnahmen können die Akzeptanz verschiedener Fahrzeugtypen beeinflussen. In Basel-Stadt wurde beispielsweise eine Motion verabschiedet, die eine höhere Besteuerung von SUVs fordert.

Wirtschaftliche Interessen

Die Automobilindustrie in der Schweiz steht vor grossen Herausforderungen. Der Wandel zur Elektromobilität erfordert hohe Investitionen in neue Technologien und Produktionsanlagen.

CO2 - Emissionen des Verkehrs
CO2 - Emissionen des Verkehrs in Millionen Tonnen: Blaue Line -> ohne internationale Luftfahrt, Orange Linie -> Internationale Luftfahrt. - BAFU - Emissionsinformationsystem der Schweiz (EMIS)

Gleichzeitig ist die Branche stark von der Entwicklung der europäischen Automobilindustrie abhängig. Der Verband Schweizerischer Autoimporteure (Auto Schweiz) setzt sich für bestmögliche Rahmenbedingungen für die Branche ein und fordert unter anderem den Abbau von Regulierungen und die Sicherstellung der Stromversorgung.

Die Debatte um Verbrenner- und Elektroautos hat Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft. Der Wandel zur Elektromobilität erfordert hohe Investitionen und stellt die Automobilindustrie vor grosse Herausforderungen.

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Kommentare

User #5557 (nicht angemeldet)

Wenn man hier die Kommentare liest, habe ich das Gefühl das ab 2045 keiner mehr Auto fährt. Weil Batterie Auto schlecht ;)

User #7933 (nicht angemeldet)

▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱ Wir freuen uns sehr dass der Ladestrom für die Batterieguetzlis immer teurer wird, das habt ihr jetzt davon mit eurer doofen Hinterwäldler-Retrotechnik! Unsere tollen Autos laden den Strom ja selbstständig immer dann wenn wir fahren, wir sind ja nicht von gestern, ganz laut lach 😂😆🤣▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱▰▱

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