Ex-Fifa-Präsident Blatter als Zeuge im «Sommermärchen»-Prozess
Joseph Blatter, der frühere Fifa-Präsident, äusserte sich als Zeuge im «Sommermärchen»-Prozess wenig zu den Geldflüssen der WM 2006.

Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter hat als Zeuge im sogenannten Sommermärchen-Prozess vor dem Frankfurter Landgericht wenig über die ominösen Geldflüsse rund um die Fussball-WM 2006 in Deutschland verraten. Sein häufigster Satz war: «Wir haben nur Bank gespielt.»
Der 88-jährige Walliser Blatter, von 1998 bis 2016 Präsident des Weltfussballverbandes Fifa, meinte damit die 10 Millionen Franken beziehungsweise 6,7 Millionen Euro, die im Zentrum der Affäre stehen. Im April 2005 überwies der Deutsche Fussball-Bund (DFB) den Betrag an die Fifa, die das Geld einen Tag später auf ein Konto des französischen Unternehmers Robert Louis-Dreyfus weiterleitete.
Blatter bezeichnete den Vorgang als «Dienstleistung» und erklärte: «Wir haben ein Bankgeschäft gemacht und nicht gefragt, warum.» Deklariert war die Überweisung als Beitrag zu einer geplanten WM-Gala, die Anfang 2006 aus Kostengründen aber abgesagt wurde – so sah es auch Blatter.
Louis-Dreyfus hatte im Jahr 2002 ein Darlehen in Höhe von zehn Millionen Franken auf ein Konto des WM-OK-Chefs Franz Beckenbauer überwiesen. Diese Summe war am Ende auf einem Firmenkonto des damaligen Fifa-Vizepräsidenten, Mohamed bin Hammam, in Katar gelandet. Warum, ist immer noch unklar.
Radmann nährt Affären-Version
Vergangene Woche hatte der langjährige Beckenbauer-Vertraute Fedor Radmann eine Version aus den Anfangstagen der Affäre genährt: Demnach sei eine Überweisung von zehn Millionen Franken auf ein Firmenkonto von Bin Hammam als Sicherheit für einen späteren 250-Millionen-Franken-Zuschuss der Fifa für die WM in Deutschland gedacht gewesen.
Nach bisherigen Zeugenaussagen hatte Beckenbauer in einem Vieraugengespräch mit Blatter den WM-Zuschuss rausgeholt. Blatter selbst sprach von einem «Kredit», konnte sich aber an das Einzelgespräch mit Beckenbauer «wirklich nicht erinnern».
Der DFB verbuchte die 6,7 Millionen Euro im Jahr 2006 als Betriebsausgabe. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war dies unzulässig. Der Verband habe dadurch Steuern in Höhe von mehr als 13 Millionen Euro hinterzogen. Diesen Vorwurf weist der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger als einzig verbliebener Beschuldigter in dem Verfahren strikt zurück.