Mehr als 150 Demonstranten am Wahltag in Russland festgenommen
Bei landesweiten Protesten sind laut Beobachtern über 150 Menschen festgenommen worden. Sie hatten gegen eine umstrittene Rentenreform protestiert.
Das Wichtigste in Kürze
- In Russland finden heute Sonntag Wahlen statt.
- Über 150 Demonstranten wurden festgenommen.
Bei den landesweiten Protesten zu den Regionalwahlen in Russland sind Beobachtern zufolge am Sonntag mehr als 150 Menschen festgenommen worden. In der sibirischen Grossstadt Omsk seien am Nachmittag mehrere Dutzend Menschen in Gewahrsam genommen worden.
Dies meldete das Bürgerrechtsportal OVD-Info. In Jekaterinburg soll Medienberichten zufolge auch der kremlkritische Ex-Bürgermeister Jewgeni Roisman festgesetzt worden sein. Er soll sich dem Protest in der Millionenmetropole am Ural angeschlossen haben.
In 18 weiteren Städten sei es ebenfalls zu Festnahmen gekommen. In Moskau startete der Protest, der sich vor allem gegen eine umstrittene Rentenreform richtet, erst am frühen Nachmittag. Die Polizei sprach von rund 2000 Teilnehmern, Beobachter gehen jedoch von weit mehr aus. Der Kremlkritiker Alexej Nawalny hatte zu dem Protest aufgerufen. Er selbst sitzt zur Zeit wegen einer anderen Protestaktion in Arrest.
Geringe Wahlbeteiligung erwartet
In vielen Regionen Russland sollen am Sonntag die Gouverneure und lokalen Parlamente gewählt werden. Interessant ist die Abstimmung vor allem in der Hauptstadt. Rund 7,2 Millionen Moskauer können bis 22.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MESZ) über den wichtigsten Posten in der Metropole entscheiden.
Die Wiederwahl des kremltreuen Amtsinhabers Sergej Sobjanin gilt aber als sicher. Seine vier Konkurrenten haben keine realistischen Aussichten auf Erfolg. Präsident Wladimir Putin lobte die Arbeit seines Statthalters Sobjanin. «Ich gehe davon aus, dass der jetzige Führungsstil auch in Zukunft erhalten bleibt», sagte der Kremlchef bei seiner Stimmabgabe in Moskau.
Meinungsforscher gehen landesweit von einer geringen Wahlbeteiligung aus. Bis Mittag lag die Beteiligung in der Hauptstadt bei lediglich 8,2 Prozent. Viele Bürger wollen aus Protest gegen die Rentenreform zu Hause bleiben, sagen Experten.
Erste Wahlprognosen werden am späten Abend erwartet. Auch in vielen weiteren Regionen des Riesenreichs wird über Gouverneursposten und lokale Parlamente abgestimmt.