Wichtige Fragen und Antworten zum Versuchsreaktor Iter
Mit dem Versuchs-Kernfusionsreaktor namens Iter soll eine neue Art der Energiegewinnung erforscht werden. Hier die wichtigen Fragen und Antworten.

In Südfrankreich bauen 33 Staaten einen Versuchs-Kernfusionsreaktor namens Iter. Mit dem wissenschaftlichen Projekt soll eine neue Art der Energiegewinnung erforscht werden. Die Schweiz wird sich voraussichtlich ab dem 1. Januar 2026 wieder an der Forschungskooperation beteiligen können. Wichtige Fragen und Antworten zu Iter:
WAS IST ITER?
Die Abkürzung Iter steht auf Englisch für International Thermonuclear Experimental Reactor (Internationaler Thermonuklearer Versuchsreaktor). Es ist ein internationales Forschungsprojekt, welches die Fusion von Atomkernen – auch Kernfusion genannt – bewirken soll. Eine solche Kernreaktion geschehe in der Sonne und den Sternen, ist auf der Webseite von Iter zu lesen.
WAS IST DAS ZIEL VON ITER?
Das Ziel ist, die Kernfusion zu beherrschen und aus dieser Reaktion Energie zu gewinnen. Diese wäre nachhaltig und würde keine Treibhausgase ausstossen. Gemäss Angaben des Projekts soll der Reaktor die zugeführte Energie verzehnfachen. Weil es sich aber um eine Versuchsmaschine handelt, werde die Energie nicht in Elektrizität umgewandelt. Dieser Schritt werde von einer allfälligen Nachfolgemaschine durchgeführt.
WO WIRD ITER GEBAUT?
Der Versuchsreaktor entsteht in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur. Gebaut wird seit dem Jahr 2010. Die Idee ist aber 25 Jahre älter und wurde in Genf vorgeschlagen. Im November 1985 – noch im Kalten Krieg – schlug der sowjetische Machthaber Michail Gorbatschow dem US-amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan vor, eine internationale Zusammenarbeit im Bereich der Kernfusion zu starten, wie weiter auf der Webseite zu lesen ist.
WANN SOLL ITER FERTIGGESTELLT SEIN?
Das Projekt verzögerte sich zuletzt. Vergangenen Sommer kündigte Iter-Generaldirektor Pietro Barabaschi eine Verspätung um mindestens acht Jahre an. Das ursprünglich für 2025 geplante Datum der ersten Produktion des für die Fusion unerlässlichen Plasmas wird auf frühestens 2033 verschoben.
WELCHE STAATEN BETEILIGEN SICH AM PROJEKT?
Am Bau des Kraftwerks beteiligen sich die 27 EU-Staaten sowie die USA, China, Japan, Indien, Südkorea und Russland. Es gilt als eine der letzten, übriggebliebenen wissenschaftlichen Kooperationen zwischen Russland und dem Westen.
UND DIE SCHWEIZ?
Die Schweiz war nie direkt Mitglied der Iter-Organisation, wie das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) auf seiner Webseite schreibt. Sie war aber indirekt als Mitglied des gemeinsamen europäischen Unternehmens Fusion for Energy beteiligt. Aufgrund der Differenzen mit der EU zur Regelung der institutionellen Fragen und dem Abbruch der damaligen Verhandlungen wurde die Schweiz ab 2021 vom Projekt ausgeschlossen. Mit dem Abschluss der wiederaufgenommenen Verhandlungen im Dezember 2024, die unter anderem die institutionellen Fragen klären sollen, kann sich die Schweiz ab 2026 erneut an Fusion for Energy beteiligen.
WAS BRINGT DIE TEILNAHME DER SCHWEIZ?
Mit der Assoziierung können sich Schweizer Unternehmen und Hochschulen auf Aufträge von Iter bewerben. So verfügt beispielsweise die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) über einen Auftrag. Die Schweiz muss im Gegenzug einen finanziellen Beitrag leisten. Dieser betrug für die Jahre zwischen 2007 und 2020 laut dem SBFI 274,5 Millionen Franken.