Forscherin will präziser vor Gleitschneelawinen warnen können
Forscher haben erstmals die Mechanismen von Gleitschneelawinen entschlüsselt. Sie wollen herausfinden, was es braucht, damit sich eine solche Lawine löst.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Prozesse bei Gleitschneelawinen sind noch nicht weit erforscht worden.
- Untersuchungen der SLF-Forscher sollen helfen, um besser vor Gleitschneelawinen zu warnen.
- Boden und Schnee in Lawinenhängen müssten kontinuierlich mit Sensoren überwacht werden.
Ein Forschungsteam hat erstmals direkt unter einer Gleitschneelawine Daten erhoben. Damit wollen sie laut dem Eidgenössischen Lawinenforschungsinstitut herausfinden, was es braucht, damit sich eine solche Lawine löst. Dies, um künftig besser davor warnen zu können.
Das sei bislang kaum möglich, denn im Gegensatz zu anderen Lawinenarten seien die Prozesse bei Gleitschneelawinen noch nicht weit erforscht. Das teilte das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos am Mittwoch mit.
Sensorik revolutioniert Vorhersagen
Für ihre Untersuchungen hat die SLF-Forscherin Amelie Fees am Seewer Berg in Davos 44 Sensoren in einen Hang gesteckt. An dem geht dieser Lawinentyp im Winter regelmässig ab. Damit hat sie im Fünfzehn-Minuten-Takt gemessen, welche Temperatur der Boden hat und wie viel Wasser er enthält.
Bei einer Gleitschneelawine löst sich die gesamte Schneedecke am Boden spontan. Dazu muss sich zwischen Schnee und Boden ein Wasserfilm bilden, auf dem die gesamte Schneedecke talwärts gleitet.
Dieser Wasserfilm kann laut der Forscherin durch drei Effekte entstehen: Durch einen warmen Boden, der die unterste Schneeschicht auftaut. Durch Wasser, das vom Boden aufsteigt und durch Schmelz- und Regenwasser, das von oben durch die Schneedecke dringt.
Erkenntnisse für zukünftige Lawinenwarnungen
Das wichtigste Ergebnis der Untersuchung ist laut dem SLF: Es hilft, den Boden und Schnee in Lawinenhängen kontinuierlich mit Sensoren zu überwachen, statt nur auf Wetterdaten zu setzen.
«Damit können wir genauere Vorhersagen erstellen», erklärte Fees in der Mitteilung des SLF. Noch sei allerdings einiges an Forschung zu leisten, um ein zuverlässiges System zu entwickeln.
Sie will herausfinden, wie viel Wasser es braucht und wie gross die Fläche sein muss, damit sich eine Lawine löst.