Alnatura: Nach Migros-Aus ist komplette Schliessung möglich
Aus für die Filialen-Kooperation der Migros mit Alnatura. Was das für die deutsche Bio-Kette bedeutet, darüber spricht der Schweiz-Chef in einem Interview.

Das Wichtigste in Kürze
- Migros beendet die Kooperation mit Alnatura und zieht sich aus dem Filialbetrieb zurück.
- Alnatura sucht einen neuen Partner, um die 25 Filialen in der Schweiz weiterzuführen.
- Ohne eine Lösung droht laut dem Chef im schlimmsten Fall die Schliessung aller Filialen.
Ende Juli 2024 Jahr sagte Alnatura-Schweiz-Chef Boris Pesek, dass er das Potenzial für 30 Filialen in der Schweiz sehe. Damals gab es hierzulande 22 Bio-Supermärkte aus Deutschland – heute sind es bereits 25 Geschäfte.
Die Vision von Pesek nimmt also Gestalt an. Doch es gibt ein grosses Problem auf dem Weg zu der 30: Die Migros, die für den Betrieb des Filialnetzes in der Schweiz als Partnerin zuständig ist, will nicht mehr.
Am Dienstag gab der orange Riese das Ende der Kooperation mit den Alnatura-Filialen bekannt.
Nun muss Pesek, der sein Amt seit 2021 innehält, eine Nachfolgelösung finden. Sonst drohe im Worst-Case-Szenario gar eine komplette Schliessung, wie er in einem Interview gegenüber «CH Media» verrät. Doch alles auf Anfang.
«Wir sind enttäuscht, verstehen aber den Entscheid»
Auf das Ende der Migros-Filialpartnerschaft angesprochen, gibt Boris Pesek zu: «Klar sind wir enttäuscht.» Doch der Schweiz-Chef von Alnatura betont, dass sie den Strategieentscheid verstehen und akzeptieren würden.
Auch überrascht sei er nicht gewesen. Die Gespräche hätten schliesslich vor längerer Zeit begonnen. «Nachdem die neue Migros-Führung ihre neue Strategie festgelegt hatte», so Pesek. Man sei zu einer einvernehmlichen Lösung gekommen.
Und der Alnatura-Schweiz-Chef erinnert daran, dass man ein wichtiger Migros-Partner bleibe. Denn die Supermärkte würden auch künftig mit den beliebtesten Produkten von Alnatura beliefert werden. «Die Migros trennt sich einzig vom Betrieb der 25 eigenständigen Filialen.»
Wer kommt als Partner für Alnatura infrage?
Wie geht es jetzt weiter? Wer kommt infrage als Partner für den Filialbetrieb? Hier hat Boris Pesek eine kurze und bündige Antwort parat: «Alle – wir sprechen mit allen Interessenten.» Es brauche einen Partner, der über eine Frischelogisitik verfüge, über ein Personalwesen und ein Expansionsteam verfüge.
«Es braucht Skalierungseffekte, das ist klar – wir können die Filialen deshalb nicht im Alleingang weiterbetreiben.» Pesek wird darauf angesprochen, dass daher wohl ein anderer grosser Schweizer Detailhändler einspringen müsse. Doch von denen gibt es bekanntlich nicht allzu viele.

Er sagt: «Das ist eine Möglichkeit. Es gibt aber auch sehr viele kleinere, mögliche Partner. KMUs oder andere Bio-Händler.» Man müsse nun aber erstmal in diese Gespräche gehen und die Sache dann prüfen.
Was passiert, wenn keine Lösung gefunden wird?
Alnatura hat angekündigt, bis im Sommer eine Lösung präsentieren zu wollen. Was passiert, wenn man nicht fündig wird? Die deutsche Bio-Kette hat in den 25 Filialen in der Schweiz 300 Angestellte – müssen diese zittern?
Boris Pesek spricht Klartext und meint, dass im «Worst-Case-Szenario», die Gefahr bestehe, dass manche Filialen oder sogar alle schliessen müssten. Der Alnatura-Schweiz-Chef betont aber sogleich, dass in diesem Falle alle Filialmitarbeitenden von der Migros ein alternatives Angebot erhalten würden.
An dieses Szenario will Pesek aber jetzt nicht denken und gibt sich zuversichtlich, eine Lösung zu finden. «Alnatura ist in der Schweiz fest verankert, mit einer treuen Kundschaft, die unsere Sortiments- und Beratungskompetenz schätzt.»