Buckten BL: Ein Werk von «postpubertärer Hobbyrevolutionäre»?
In Buckten BL war am Wochenende ein Brandanschlag auf die Fabrik eines Erdogan-Freundes geplant. Der Sicherheitsexperte Thomas Kessler findet harsche Worte.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Fleischfabrik wurde das Ziel eines geplanten Brandanschlags.
- Die Brandsätze gegen einen Erdogan-Freund wurden jedoch nicht gezündet.
- Sicherheitsexperte Thomas Kessler nennt die anonymen Täter «Hobbyrevolutionäre».
Am Sonntag kam es Baselbieter Buckten zu einem versuchten Brandanschlag, der glimpflich ausging. Ziel war es, eine Halal-Fleischfabrik zu beschädigen.
Doch die Brandsätze wurden nicht gezündet. Die Frage nach dem Warum ist Gegenstand der Ermittlungen. Als Motivation für das Legen der Brandsätze nennen die anonymen Täter die Erdogan-Nähe des vermeintlichen Besitzers.
Integrations- und Sicherheitsexperte Thomas Kessler findet klare Worte.«Es handelt sich wahrscheinlich um das Werk postpubertärer Hobbyrevoluzzer», so der Fachmann für Extremismus. Es sei vermutlich das Werk von Schweizer Wohlstands-Kindern, die für sich ein «persönliches Mahnmal» errichten wollten.

Solche Vorkommnisse seien zu bedauern, gerade weil es um das Projekt Rojava gehe. In dem anonymen Bekennerschreiben verwiesen die Autoren auf das autonome Gebiet.
Rojava hat Vorbildcharakter
FDP-Mitglied Kessler: «Die Föderation ist der einzige Ort in Syrien, wo beispielsweise die UNO-Prinzipien und Menschenrechtskonventionen eingehalten werden.» Rojava würde durch solche Handlungen verunglimpft.
Dass es wegen der globalen Situation zu mehr solcher Angriffen in der Schweiz kommt, glaubt Kessler nicht – anders also noch früher. «Die Kurden und Türken in der Schweiz wissen, um was es geht», sagt Kessler. Nach den turbulenteren 80er und 90er Jahren habe man einen Konsens gefunden und heute führe man solche Diskussionen in der Öffentlichkeit.

Zu diesem Schluss kommt auch der jüngste Sicherheitsbericht des Nachrichtendienst des Bundes: «(...) Insbesondere in der Schweiz zeigte sich die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in den letzten Jahren mehrheitlich gewaltlos.»
Dass in der Schweiz Ideologien bewusst nicht verboten würden, eine Ausnahme ist etwa der IS, sondern lediglich Handlungen, sei eine Stärkung. «So wird das Gespräch und der Austausch gefördert», führt Kessler aus.
Motivation der Täter ist Erdogan-Nähe
Als Motivation für den geplanten Brandanschlag nennen die anonymen Täter das Engagement von Murat Sahin für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Denn: Sahin soll der Besitzer sein.

Doch wie «Telebasel» schreibt, ist Sahin seit April 2018 nicht mehr im Betrieb angestellt. Zudem soll er gar nie der Besitzer gewesen sei. Laut dem Leiter des Betriebs, Adrian Lüscher, wurde Sahin wegen seines politischen Engagements entlassen.

Sahin ist Präsident der Union Türkischer Demokraten (UTD) und immer wieder in den Medien. Während Erdogans Besuch in Genf wurde Sahin etwa zum Abendessen mit dem türkischen Präsidenten eingeladen – als Dank für sein Pro-Erdogan-Engagement.

Über Sahin und die UTD möchte sich Kessler kein Urteil erlauben. Dazu brauche es zum Einzelfall präzise und aktuelle Informationen von und über die Betroffenen sowie von Kritikern. Aber: «Wichtig ist, dass eine öffentliche und sachliche Diskussion mit den Betroffenen stattfindet.» Man solle nicht auf anonymen Taten hören, die nur auf Effekthascherei abzielten.