Datenschützer: Forderung der Polizei ist ein «Blankoscheck»

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Bern,

Datenschützer Ueli Buri hat den von der Polizei geforderten interkantonalen Informationsaustausch kritisiert.

Datenschützer Ueli Buri stellte in Frage, ob die Polizei bei einer Verkehrskontrolle wissen muss, dass die Person einen Schokoladenriegel in einem anderen Kanton geklaut hat. (Archivbild)
Datenschützer Ueli Buri stellte in Frage, ob die Polizei bei einer Verkehrskontrolle wissen muss, dass die Person einen Schokoladenriegel in einem anderen Kanton geklaut hat. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Polizei will eine nationale Datenbank zur Bekämpfung der seriellen Kriminalität.
  • Laut dem Datenschützer wäre dies ein «Blankoscheck» für die Polizeikorps.
  • Sie seien nicht der Garant für das Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Privatsphäre.

Die Forderung sei nach einem interkantonalem Informationsaustausch sei ein «Blankoscheck» für die Polizeikorps, sagte der Präsident der Konferenz der schweizerischen Datenschutzbeauftragten (Privatim) Ueli Buri.

Die Polizei sei nicht der Garant für das Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Privatsphäre, sagte Buri in einem am Montag publizierten Interview mit der «Berner Zeitung». Es sei an der Politik, über dieses Gleichgewicht zu entscheiden. «Die Steuerbehörden bestimmen ja auch nicht die Höhe der Steuersätze», sagte der Privatim-Präsident.

Nationale Datenbank für die Polizei - ist das ein Problem?

Er kritisierte zudem, dass die Polizeien Daten auf Vorrat und ohne Verdacht sammeln würden. Bei der staatlichen Datenerfassung habe die Bevölkerung – im Gegensatz zu Profilen auf sozialen Medien – keine Wahl. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sei aber ein von der Verfassung garantiertes Grundrecht, sagte Buri.

Nationale Datenbank zur Bekämpfung serieller Kriminalität gefordert

Die Konferenz der kantonalen Polizeikommandantinnen und -Kommandanten (KKPKS) hatte eine nationale Datenbank zur Bekämpfung der seriellen Kriminalität gefordert. Der fehlende Datenaustausch zwischen den kantonalen und kommunalen Polizeikorps erschwert es laut der KKPKS, Serien rechtzeitig zu erkennen.

Gehe es nach dem aktuellen Entwurf für einen Informationsaustausch zwischen den Kantonen, würden künftig auch die Daten der Gewerbepolizei automatisch ausgetauscht, sagte Buri. «Ein Vergewaltiger oder Mörder soll bei einer Verkehrskontrolle hängen bleiben, das leuchtet jedem ein», sagte er. Bei Bagatellen gebe es aber ein Recht auf Vergessen.

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Im Fall um den getöteten Schweizer arbeiten die deutsche und Schweizer Polizei zusammen. (Symbolbild) - keystone

Buri stellte auch die Notwendigkeit in Frage. Bei Diebstählen beispielsweise gebe es den nationalen Polizeiindex, sagte Buri. Mit seiner Kritik blies er ins gleiche Horn wie der eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB). Den kantonalen Polizei-Korps stehe bereits heute ein «gemeinsamer Polizeidatenraum» vom Bundesamt für Polizei (Fedpol) und vom Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) online zur Verfügung, teilte der EDÖB Anfang März mit.

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Kommentare

User #2203 (nicht angemeldet)

Wer Datenschutz kleinredet versteht nichts von der Thematik. Es geht um Freiheit und Sicherheit vor der Tyrannei eines Staats, nicht nur um sich vor online monopolen usw. zu schützen. Dabei ist nur Prävention effektiv, also der Schutz der Rechte von Bürgern im vorraus. Sobald ihr eure Rechte verliert und ein tyrannischer Staat an der Macht ist bekommt ihr sie nie wieder. Tldr: Gebt ihr eure Privatsphäre und Anonymität jetzt auf verliert ihr eure Freiheit sollte sich der Staat immer näher richtung Diktatur wandern.

User #7566 (nicht angemeldet)

Man will Probleme nicht lösen!

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