DEZA-Chefin Danzi: US-Hilfsstopp ist «ein wahres Erdbeben»
Die USA haben ihre humanitäre Hilfe ausgesetzt. Die DEZA prüft derzeit, welche Projekte weitergeführt werden können.

Der Entscheid der USA, ihre humanitäre Hilfe für 90 Tage auszusetzen, hat weitreichende Folgen. «Das ist ein wahres Erdbeben», sagte Patricia Danzi von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in einem Interview mit mehreren Westschweizer Zeitungen.
Der plötzliche Stopp der US-Gelder werde die humanitäre Hilfe, die Entwicklungszusammenarbeit und den Multilateralismus nachhaltig verändern, so Danzi. Die DEZA sei bereits von zahlreichen Partnern angefragt worden, ob sie zusätzliche Mittel bereitstellen könne, um den Rückzug der USA zumindest teilweise auszugleichen.
«Wir stehen aber selbst unter erheblichem Budgetdruck, sodass eine Erhöhung der Schweizer Hilfe kaum realistisch ist», sagte sie.
Aufgeblähtes Loch im globalen Hilfsbudget
Die US-Entwicklungsbehörde USAID stellt mit einem Budget von 42,8 Milliarden Dollar rund 42 Prozent der globalen Mittel bereit. «Die Summen sind enorm. Weder die Schweiz noch andere Akteure können die ausfallenden Gelder vollständig kompensieren», betonte Danzi.
Die DEZA prüft derzeit, welche Projekte weitergeführt werden können. «Wir kommen von Tag zu Tag voran, aber es ist möglich, dass einige Programme eingestellt werden müssen», sagte Danzi.
Noch herrscht grosse Unsicherheit, da vieles in den USA offen ist, doch die Reform der humanitären Hilfe wird tiefgreifend sein. Dies betrifft nicht nur die Uno-Ziele für nachhaltige Entwicklung, sondern auch langfristige Entwicklungsprojekte, das internationale Genf sowie Schweizer NGOs.
Lebensgefahr durch fehlende US-Hilfe
Ein abruptes Ende der US-Hilfe könne laut Danzi Menschenleben kosten. «Wenn Nahrungsmittelverteilungen ausfallen, Medikamente nicht geliefert oder medizinische Behandlungen in Krisenzeiten nicht durchgeführt werden können, führt das unweigerlich zu Todesfällen.» In einigen Ländern seien bis zu 60 Prozent der humanitären Programme von US-Geldern abhängig.