Frauen bieten Muttermilch auf Facebook an – Expertinnen warnen
In einer Facebook-Gruppe wird der Tausch von Muttermilch angeboten. Expertinnen warnen vor der Nutzung von fremder Milch – Babys könnten sogar daran sterben.

Das Wichtigste in Kürze
- In einer Facebook-Gruppe wird Muttermilch angeboten oder danach gesucht.
- Expertinnen warnen vor den Risiken für das Baby, die mit fremder Muttermilch einhergehen.
- Spenderinnenmilch sollte nur im professionellen Umfeld eingesetzt werden.
In einer Facebook-Gruppe finden sich Beiträge wie: «Lilian hat Muttermilch zu spenden in Aarau» oder «Nir and Yossi are looking for #milk2share in the Lausanne area».
Diese Posts sind Teil der Gruppe «Human Milk 4 Human Babies – Switzerland». Dort wird Muttermilch von Fremden – für Fremde in der Schweiz angeboten. 1700 Mitglieder hat die Seite bereits.

Die Gründe für die Teilnahme in der Gruppe sind unterschiedlich. Manche Mütter können ihr Kind selbst nicht stillen und suchen daher nach Alternativen.
Andere wiederum produzieren mehr Milch als ihr Baby benötigt, und möchten diese nicht verschwenden.
Expertin warnt: «Kind kann daran versterben»
Carina Treibig von der Stillberatung des Kinderspitals in St. Gallen warnt vor den Gefahren des Online-Tauschs von Muttermilch.
Sie betont gegenüber dem «Tagblatt», dass beispielsweise Geschlechtskrankheiten oder Hepatitis über die Milch auf das Baby übertragen werden könnten.
«Das kann fürs Kind gefährlich sein, weil man nicht weiss, was für einen Lebensstil die Spenderin hat», sagt Treibig.
Darüber hinaus besteht Unsicherheit darüber, unter welchen Bedingungen die Milch abgepumpt wurde und ob sie Keime enthält.
Treibig warnt: «Im schlimmsten Fall bekommt das Kind eine Infektion und kann daran versterben.»
Keine Empfehlung für die Verwendung von ungeprüfter Milch
Auch Nicole Staub von der Fachstelle Mütter- und Väterberatung rät davon ab: «Unsere Haltung dazu ist klar. Wir empfehlen keine ungeprüfte Milch von anderen Frauen zu verwenden.»
Stattdessen unterstützen sie Mütter dabei, ihre Bindung zum Kind auch ohne das Stillen zu stärken.
Für Fälle, in denen eine Mutter nicht stillen kann oder darf, gibt es in der Schweiz Frauenmilchbanken.
Am Ostschweizer Kinderspital wird ausschliesslich getestete und pasteurisierte Frauenmilch verwendet. Diese Milch muss strengen Richtlinien entsprechen und wird sorgfältig kontrolliert.
Anja Zeidler bekam Muttermilch von Freundin
Auch das Luzerner Model und Influencerin Anja Zeidler beschäftigt sich mit dem umstrittenen Thema Spenderinnenmilch.
Vor einiger Zeit hat sie die Facebook-Gruppe ihren 250'000 Followern empfohlen. Sie teilte ihre eigene Erfahrung mit dem Empfang von gespendeter Muttermilch für ihr Kind. Sie habe die Milch aber damals von einer Freundin erhalten, schreibt sie in ihrem Post.
Zeidler möchte mit ihrem Post anderen Müttern helfen, eine Spenderin zu finden.
Das bringt Muttermilch einem Baby
Frühgeborene oder auch kranke Neugeborene erhalten nach ärztlicher Verordnung Spenderinnenmilch. Dies als Überbrückung und, bis die Mutter den Bedarf an Muttermilch abdecken kann.
«Muttermilch ist unkopierbar», sagt Treibig dem «Tagblatt». Sie enthält alle Nährstoffe, die das Kind für seine Entwicklung benötigt. Sie unterstützt unter anderem das Immunsystem des Babys sowie die Reifung der Organe.