Magic-Pass-Direktor: «Wir wissen nicht, wo das Limit liegt»
Der Magic Pass wächst weiter. Mit Gstaad und Meiringen-Hasliberg kommen grosse Berner Gebiete dazu. Das schnelle Wachstum weckt auch Bedenken.

Das Wichtigste in Kürze
- Für die kommende Saison steht beim Magic Pass die bisher grösste Erweiterung an.
- Insbesondere die neue Expansion in die Deutschschweiz sorgt dabei für Aufsehen.
- Der Direktor erklärt, wie es dazu kam und wie weit die Reise noch gehen könnte.
Lange gibt es den Magic Pass noch nicht. Für die Saison 2017/18 wurde das Skiabonnement ins Leben gerufen. Seither wächst er rasant.
Zu Beginn waren es noch 25 Skigebiete, vorwiegend aus der Romandie, die Teil des Angebots waren. Für die kommende Saison 2025/26 ist diese Zahl auf fast 100 gestiegen. Auffällig ist insbesondere die Expansion in die Deutschschweiz.
Für ein Jahr kostet der Magic Pass im Vorverkauf 419 Franken.
Denn mit Gstaad und Meiringen-Hasliberg kommen gleich zwei grosse Berner Gebiete dazu. Und nicht nur: Unter anderem mit dem luzernischen Sörenberg vermeldet der Magic Pass auch in der Innerschweiz bedeutende Neuzugänge.
Skifahrer äussern Bedenken wegen «historischer» Erweiterung
Man könnte sagen, dass die Magic-Pass-Verantwortlichen in diesem Jahr den sprichwörtlichen Zauberstab hervorgenommen haben. In einer Medienmitteilung von Mitte März kündigten sie die Expansion als «historisch» an. Es handelt sich demnach um die grösste Erweiterung seit der Gründung 2017.
Nicht alle teilen diese Euphorie jedoch. Wie mehrere Leser gegenüber Nau.ch erzählen, befürchten sie, dass der Magic Pass zu schnell und in die falschen Regionen wächst.
Unter anderem gibt es gerade unter Stammgästen von Walliser Skigebieten die Sorge, dass nun deutlich mehr Berner das Abo holen.
Die Befürchtung: Diese würden fürs Skifahren dann öfters in den Raclette-Kanton reisen. Das könnte zu längeren Wartezeiten oder Stau auf den Walliser Pisten führen.
Zahl der Berner Kunden steigt
Magic-Pass-Direktor Sébastien Travelletti bestätigt gegenüber Nau.ch zunächst, dass die neue Erweiterung Wirkung zeigt: «Wir haben viele neue Kunden aus Bern und Luzern, aber auch aus anderen Deutschschweizer Kantonen.»
Die Zahl der Berner Magic-Pass-Besitzer sei in den letzten Jahren stark gestiegen. Vor fünf Jahren, als man erstmals nach Bern expandierte, waren es rund 5000 bis 6000 Gäste. Letzte Saison waren es bereits rund 25'000 von den insgesamt fast 200'000 Kunden.
«Wir haben in der Region grosses Potenzial, weshalb wir unter anderem Gstaad jetzt auch aufgenommen haben», sagt Travelletti.
Magic-Pass-Chef: Sorgen der Skifahrer unbegründet
Die Sorge, dass die «magischen» Skigebiete deswegen überlaufen werden, teilt Travelletti aber nicht.
Von den 200'000 Magic-Pass-Kunden seien letztes Jahr maximal 55'000 am selben Tag Ski fahren gegangen. Dieser Peak sei zwischen Weihnachten und Neujahr zu beobachten gewesen.
Dass es dort mal zu Wartezeiten kommt, sei normal und habe nichts mit dem Abonnement zu tun. «In dieser Zeit sind allgemein viele Leute auf den Ski unterwegs – unabhängig vom Magic Pass», sagt Travelletti.

Es gibt im Verbund auch eine Art Selbstregulierung. Denn die Gebiete müssen letztlich dafür sorgen, dass ihre Infrastruktur den Massen standhält. Jeder Kunde sei frei, das Gebiet zu wählen. «Wenn die Qualität nicht stimmt, wechselt er halt in eine andere Destination.»
Heisst: Wenn es tatsächlich einen Ansturm auf ein bestimmtes Gebiet gibt und es zu Wartezeiten kommt, gefällt das den Kunden nicht. So gehen sie das nächste Mal anderswo auf die Piste und die Leute verteilen sich wieder.
Leukerbad befürchtet keinen Ansturm der Tagesgäste
Auch in den Walliser Gebieten selbst teilt man diese Angst nicht, beispielsweise in Leukerbad.
Sprecher Maximilian Schenner sagt zur neusten Erweiterung mit Gstaad und Co.: «Wir betrachten die Entwicklung positiv, da durch die Erweiterung des Passes neue Märkte erschlossen werden.»

Das habe auch mit den Charakteristiken des Gebiets Leukerbad zu tun, erklärt Schenner. «Leukerbad an sich ist eine Residenzdestination, hat also vor allem Übernachtungsgäste und weniger Tagesgäste.» Die Bettenkapazität regle deswegen bereits grundsätzlich den Gästefluss.
Heisst: Für spontane Berner Tagesskifahrer dürfte Leukerbad kaum die erste Adresse sein.
Dazu argumentiert Leukerbad auch mit den zeitlich unterschiedlich geplanten Sportferien. «Im Kanton Bern liegen die Ferien beispielsweise anders als in den Westschweizer Kantonen», so Schenner.
Man befürchte deswegen «keine negativen Folgen in Bezug auf Kapazitäten oder Wartezeiten».
Lauchernalp: «Ohne Gäste keine Skigebiete»
Ähnlich klingt es auf der Lauchernalp. Mathias Fleischmann, CEO der dortigen Bergbahnen, sagt: «Wir sehen das Wachstum des Magic Pass in der Deutschschweiz positiv.»
Man fürchte sich als Bergbahn nicht vor Gästen, da diese die Grundlage für ihre Tätigkeit seien. «Ohne Gäste keine Skigebiete», ist für Fleischmann klar. Die Wartezeiten seien bei ihnen ohnehin gering oder kaum vorhanden.
Das dürfte sich auch mit der Erweiterung nicht ändern: «Wir rechnen nicht mit einer signifikanten Änderung der Situation, da sich die steigende Anzahl Magic-Pass-Inhaber auch auf mehr Skigebiete verteilt.»
Andere möglicherweise betroffene Walliser Gebiete halten sich bedeckt. Saas-Fee verweist beispielsweise auf die zentrale Medienstelle des Magic Pass. Weitere Destinationen reagierten nicht auf eine entsprechende Anfrage.
Kommt irgendwann auch Graubünden dazu?
Bleibt die Frage, wo denn eigentlich die Grenze des Magic-Pass-Wachstums liegt. Die Verantwortlichen sind dann trotz des Abo-Namens doch keine Harry Potter, die den Verbund beliebig grösser zaubern können.
«Wir wissen aktuell nicht, wo das Limit liegt», sagt Direktor Travelletti. Man orientiere sich wie in Bern immer an den Daten und schaue, wo es das grösste Potenzial für neue Kunden gibt.

Die namhafteste Schweizer Region, die noch nicht vertreten ist, ist Graubünden. Ein wichtiger Aspekt sei jedoch, dass der Verbund möglichst zusammenhängend sein sollte, sagt Travelletti.
«Wir können derzeit kein Gebiet aus Graubünden aufnehmen, weil die Lücke zu den anderen Gebieten zu gross wäre.»
Langfristig sei die Expansion in den Osten aber kein Tabu, betont der Direktor. «Wenn wir in der Innerschweiz noch grösser werden und uns Graubünden nähern, wäre das sicher möglich.»