Weitere Ehre für ehemaligen Schweizer Diplomaten Carl Lutz
Der Schweizer Diplomat Carl Lutz soll posthum mit der Goldmedaille des US-Kongresses geehrt werden. Er hatte Zehntausende Juden vor dem KZ gerettet.

Das Wichtigste in Kürze
- Lutz sei für Auszeichnung mit weiteren Holocaust-Rettern nominiert worden, teilte die Carl-Lutz-Gesellschaft am Dienstag mit.
Der aus dem Appenzellerland stammende Diplomat Lutz war von 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Schweizer Vizekonsul in Budapest. Dort leitete er die Abteilung für fremde Interessen und vertrat damit auch die Interessen von zahlreichen Ländern, die mit Ungarn im Krieg standen, darunter etwa der USA und Grossbritanniens.
Der aus einem gläubigen Methodistenmilieu stammende Schweizer verschaffte zehntausenden Jüdinnen und Juden Schutzpässe und Schutzbriefe, um nach Palästina auszuwandern. Dies bewahrte sie vor der Deportation. Von den Nazis konnte Lutz ein Kontingent von 8000 solcher Schutzbriefe einhandeln.
Während Lutz' Wirken im Ausland gewürdigt wurde, hielt sich die Schweiz lange Zeit zurück. Anstatt Lob gab es für den nach dem Krieg in die Schweiz zurückgekehrten Diplomaten zunächst einmal eine Rüge wegen Kompetenzüberschreitung. Lutz war enttäuscht und verbittert von der Haltung der offiziellen Schweiz. Er starb 1975 und wurde auf dem Berner Bremgartenfriedhof bestattet.
1963 verlieh ihm sein Geburtsort das Ehrenbürgerrecht. Erst Mitte der 1990-er Jahre entsann sich die offizielle Schweiz, wohl auch vor dem Hintergrund des Streits um nachrichtenlose Vermögen, der couragierten Männer und Frauen, die sich selbstlos für die Rettung von Juden eingesetzt hatten. 1995 wurde Lutz posthum rehabilitiert.
Im April 2018 wurde das grösste Sitzungszimmer im Bundeshaus nach Carl Lutz benannt.