SMI fällt im Zollstrudel auf neues Jahrestief
Die Finanzmärkte erlebten zum Wochenschluss einen massiven Ausverkauf. Beobachter sprachen von einem «schwarzen Freitag».

Der Ausverkauf an den Finanzmärkten hat zum Wochenschluss ein neues Ausmass angenommen. Marktbeobachter sprachen von einem «schwarzen Freitag an den Märkten». Nach dem «Liberation Day» von US-Präsident Donald Trump sei es nun zu einem «Liquidation Day» gekommen, hielt ein Marktteilnehmer fest.
Grund dafür war nach den am Mittwoch angekündigten neuen Zöllen der US-Regierung die erste Retourkutsche aus China. Die Volksrepublik kündigte auf den 10. April Gegenzölle auf US-Importe in Höhe von 34 Prozent an. Daneben setzte Peking elf amerikanische Unternehmen auf eine schwarze Liste, welche es den betroffenen Firmen de facto unmöglich macht, weiter Handel in China zu betreiben.
SMI büsste zum Handelsschluss 5,1 Prozent ein
Entsprechend kam es im Laufe des Tages zu einer eigentlichen Verkaufswelle an den internationalen Aktienmärkten. Im Umfang wie zuletzt am Anfang der Coronapandemie. Der hiesige Leitindex SMI fiel dabei phasenweise gar leicht unter den Vorjahresschluss zurück.
Experten warnten vor einer Gefährdung der internationalen Arbeitsteilung und einer globalen Wirtschaftskrise wie in den 1930er-Jahren. Anleger flüchteten daher aus Risikopapieren und suchten ihr Heil in sicheren Häfen wie Gold, Cash oder Obligationen.
Der Leitindex SMI büsste zum Handelsschluss 5,1 Prozent ein auf 11'648,83 Punkte. Wobei er im Handelsverlauf auf ein neues Jahrestief von 11'543 Punkten gesunken war. Die Panik an den Märkten zeigte sich auch am Volatilitätsindex VSMI, der allein am Freitag um fast 23 Prozent zulegte.
Globale Börsen unter Druck: Massive Verluste in Europa und USA
Im Wochenverlauf verlor der SMI damit 9,3 Prozent. Seit dem Jahreshoch bei knapp 13'200 Punkten Anfang März hat der hiesige Leitindex gar rund zwölf Prozent oder 1600 Punkte eingebüsst. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verlor am Freitag 5,1 Prozent auf 1866,22 und der breite SPI um 5,0 Prozent auf 15'547,81 Zähler. Alle 30 Blue Chips schlossen im Minus.
Damit war die Schweiz allerdings nicht alleine. Der deutsche Dax Index, der französische CAC 40 oder der britische FTSE verloren alle im Bereich von fünf Prozent. Die US-Indizes sackten ebenfalls weiter ab.
Der Dow Jones Industrial notierte beim hiesigen Börsenschluss 3,5 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq um 4,3 Prozent tiefer. Die Erschütterungen zeigten sich auch bei den Währungen, wo der Franken zum US-Dollar und zum Euro in den letzten zwei Tagen stark zugelegt hat.
Finanzwerte führen Verluste an
Unter dem angeheizten Handelskonflikt litten im Schweizer Aktienmarkt alle Branchen. An vorderster Front setzten die Finanzwerte ihre Abwärtsbewegung vom Vortag fort. Julius Bär büssten am Freitag 8,2 Prozent ein, während Partners Group (-7,7 %), die UBS (-5,3 %) und im breiten Markt Vontobel (-10,4 %) ebenfalls massiv verkauft wurden.
Die seit Einführung der Strafzölle gefallenen Zinsen könnten für geringere Erträge aus dem Zinsdifferenzgeschäft sorgen, hiess es. Aber vor allem dürften die sinkenden Börsen deutliche Mindereinnahmen zur Folge haben.
Richemont und Swatch stark von Zöllen betroffen
Daneben büssten die Versicherer Swiss Re (-7,5 %), Zurich (-7,0 %) und Swiss Life (-5,6 %) massiv ein, nachdem sie sich bisher relativ stabil gezeigt hatten. Hier dürften einerseits Gewinnmitnahmen der Grund für die starken Abgaben sein. Andererseits werden die sinkenden Börsen auch das Finanzergebnis der Versicherer negativ beeinflussen.
Aber auch die Titel des Luxusgüterkonzerns Richemont (-6,0 %) und jene des Branchenkollegen Swatch (-4,8 %) gaben deutlich nach. Diese sind besonders stark von den neuen Zöllen betroffen.
Technologiewerte unter Druck: Trumps Zölle treffen die Branche
Ebenfalls tiefer schlossen Gesundheitswerte auf breiter Front. So verloren Sandoz (-7,2 %), Alcon (-7,1 %), Roche (-6,0 %), Straumann (-5,2 %), Lonza (-4,8 %), Novartis (-5,4 %) und Sonova (-2,6 %). Hier verwiesen Händler auf Berichte, wonach Trump nun doch über Zölle auf Pharmazeutika nachdenkt.
Auch Technologiewerte blieben von Trumps Zollwahn nicht verschont, wie sich an Logitech (-4,8 %) und im breiten Markt Comet (-7,2 %) zeigte. Schliesslich setzten mit Adecco (-5,8 %) und Kühne+Nagel (-2,7 %) auch Werte ihre Abwärtsbewegung fort, die generell als Indikatoren für die Gesundheit der Wirtschaft gelten.