SLM-Politiker Fischer: «Gemeindeversammlung ist Auslaufmodell»

Andreas Fischer gehört dem Leitungsteam der Partei SLM an. Er wünscht sich ein Ausländer-Stimm- und -Wahlrecht und ein Gemeindeparlament.

SLM Andreas Fischer
SLM-Leitungsmitglied Andreas Fischer ist zudem Präsident der Volkshochschule und engagiert sich im Generationenhaus. - Nau.ch

Nau.ch: Was genau ist SLM?

Andreas Fischer: Schwarzenburg links der Mitte ist eine politische Partei, die es so nur in Schwarzenburg gibt. 2008 gegründet, wollten wir eine politische Plattform für interessierte Leute links der Mitte bieten, die aber nicht gleich voll in eine Partei einsteigen wollen oder können. So gibt es bei uns weder eine Hierarchie noch ein Präsidium, sondern einfach ein sechsköpfiges Leitungsteam.

Unsere Mitglieder können sich im Gemeinderat, den Kommissionen oder anderen Projekten engagieren und jederzeit Hilfe in der Partei anfragen.

Nau.ch: Was hat sich seit der Gründung verändert?

Andreas Fischer: Am Anfang hatten wir einen sehr starken Aufschwung. Schon bei den ersten Wahlen konnten wir zusammen mit der SP drei Gemeinderäte, darunter auch den Gemeindepräsidenten stellen. Da sah man, dass eine Partei wie SLM hier gefehlt hatte.

Ruedi Flückiger stellte sich bei der vergangenen Wahl aber nicht mehr auf, wodurch wir nun wieder einen bürgerlichen Präsidenten haben. Das war natürlich ein herber Verlust.

Ein positiver Wandel ist aber, dass mehr Frauen im Gemeinderat sind. Meiner Erfahrung nach ist es nicht einfach, Frauen für ein Amt zu gewinnen. Sie arbeiten lieber im Hintergrund. Mittlerweile haben wir bereits drei engagierte Frauen im Gemeinderat.

Ich war selbst schon in verschiedenen Kommissionen. Dort wird sehr konstruktiv gearbeitet. Beispielsweise in der Bildungskommission hat man die politischen Fronten fast gar nicht gemerkt. Das wäre aber vermutlich etwa bei einer Tiefbaukommission anders, wo es zum Beispiel um Strassenbau geht.

Nau.ch: Was sind politisch aktuelle Themen in Schwarzenburg?

Andreas Fischer: Der Verkehr: Gerade auf den viel befahrenen Strasse fehlen Velowege, dafür ist aber teilweise auch der Kanton zuständig. Gut finde ich, dass wir in allen Quartieren Tempolimit 30 haben. Das zu erreichen, war nicht ganz einfach.

Wir würden uns aber noch eine 30ger-Zone vom Coop bis zum Bahnhof wünschen. Weil das eine Hauptstrasse ist, kommt die Idee nicht überall gut an. Das Beispiel Köniz zeigt aber, dass es geht.

Weiter bin ich persönlich der Meinung, dass die Gemeindeversammlung ein Auslaufmodell ist. Nicht alle Stimmbürger können jeweils an den zwei Abenden im Jahr zu den Versammlungen kommen, um ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen.

Auch das öffentliche – also nicht anonyme – Abstimmen finde ich nicht zeitgerecht. Bei umstrittenen Abstimmungen könnten sich einzelne Wähler so enormen Druck ausgesetzt sehen. Natürlich verstehe ich auch die Gegenargumente: Solche Versammlungen fördern den politischen Austausch und gute Argumente können noch etwas bewirken.

Und ich würde mir ein Ausländer-Stimm- und Wahlrecht auf Gemeindeebene wünschen. Das sind Menschen, die hier wohnen und Steuern zahlen.

Nau.ch: Waren Sie schon immer politisch interessiert?

Andreas Fischer: Eigentlich schon seit meiner Jugend. Ich bin in Luzern aufgewachsen und war dort in der IG Velo und dem VCS aktiv. Auch, als ich vor über 20 Jahren hierher nach Schwarzenburg gezogen bin, kam ich über den Verkehr in die Politik.

Damals wurde im Zentrum eine Begegnungszone geplant und die Bevölkerung durfte sich beteiligen. Es ist noch immer nicht perfekt, gerade die Parkplatzsituation. Und das noch nicht neu bebaute Lindenareal blockiert die weitere Planung des Platzes. Aber sonst haben wir dort ein sehr schönes Zentrum.

Nau.ch: Gibt es eine spezielle Schwarzenburger Tradition?

Andreas Fischer: Der Altjahresesel am Silvesterabend: Eine Gruppe Verkleideter zieht durch die Dorfbeizen und auf dem Dorfplatz. Sie nehmen dann Politiker und andere Leute auf die Schippe. Manchmal auch recht grenzwertig. Da kommen immer viele Leute und schauen zu.

Generell ist die Gemeinde Schwarzenburg sehr lebendig. Es gibt viele Vereine, die aber nicht etwa in Konkurrenz stehen, sondern häufig sogar an gemeinsamen Projekten arbeiten. Ich bin beispielsweise der Präsident der Volkshochschule und engagiere mich im Generationenhaus.

Dabei arbeiten wir mit Organisationen wie dem Verein Schloss Schwarzenburg oder dem Naturpark Gantrisch zusammen. Und gerade im Generationenhaus geht es vorwiegend um das Zusammenbringen unterschiedlicher Menschen und Interessen.

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