Bundesrat

Gentech-Kritiker werfen Bundesrat Rösti «Irreführung» vor

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Der Bundesrat präsentiert ein neues Gesetz, das Gentech-Pflanzen teilweise zulassen würde. Doch «Gentechnik» kommt nicht einmal im Titel vor.

Gentechnik
Ein Schild, das vor Organismen warnt, die mit Gentechnik verändert wurden. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundesrat will «Pflanzen aus neuen Züchtungstechnologien» zulassen.
  • Dabei handelt es sich um neue Methoden der Gentechnologie.
  • Gentech-Kritiker werfen Umweltminister Alber Rösti vor, die Konsumenten würden getäuscht.

«Die Konsumentinnen und Konsumenten werden getäuscht, wenn nicht ‹Gentechnik› draufsteht, wo Gentechnik drin ist», sagt Claudia Vaderna. Sie ist Geschäftsleiterin der Schweizer Allianz Gentechfrei und Mit-Initiantin der Lebensmittelschutz-Initiative. Denn der heute von Umweltminister Albert Rösti vorgestellte Gesetzesvorschlag heisst: «Bundesgesetz über Pflanzen aus neuen Züchtungstechnologien.»

Regeln soll das heute vorgestellte Gesetz den differenzierten Umgang mit den unterschiedlichen gentechnischen Methoden. So sollen Pflanzen aus neuen Technologien, die nicht das Erbgut verschiedener Spezies vermischen, zugelassen werden können.

«Irreführende Bezeichnung»

«Das Gesetz ist aus unserer Sicht lückenhaft und ungenügend», hält Claudia Vaderna fest. Das beginne aber insbesondere schon beim Titel, in dem eben nicht einmal «Gentechnik» drinstehe. «Das neue Gesetz beschönigt und verschleiert die Gentechnik in unseren Lebensmitteln mit einer sehr irreführenden Bezeichnung

Claudia Vaderna Allianz Gentechfrei
Claudia Vaderna ist Geschäftsleiterin der Schweizer Allianz Gentechfrei. - zvg

Bundesrat Rösti argumentierte in der Medienkonferenz damit, dass man so wirklich unterscheiden könne zwischen den klassischen und den neuen Technologien. Das helfe dann auch den Konsumentinnen und Konsumenten.

Eben gerade nicht, wenn das Wort «Gentechnik» tunlichst vermieden wird, findet Vaderna. Auch auf Lebensmitteln soll die Bezeichnung nicht «Gentechnik» lauten. Für sie ist deshalb klar: «Der Bundesrat ist gegenüber der Gentech-Lobby eingeknickt. Die Wahlfreiheit ist mit diesem Entwurf nicht gewährleistet.»

Auch Bundesamt für Justiz mit Vorbehalten

Bei der «Allianz Gentechfrei» sieht man noch diverse weitere Defizite im Gesetzesvorschlag. Nicht nur bezüglich Umgangs mit der Gentechnik, sondern auch auf rein juristischer Ebene.

gentechnisch veränderte Pflanzen Agroscope
Ernte der Ähren in einem Feld der Forschungsanstalt Agroscope in Reckenholz-Tänikon, aufgenommen im Juli 2014. Dort fanden Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen statt. - keystone

«Gentechnik gehört ins Gentechnikgesetz. Ein neues Spezialgesetz generiert irrtümlicherweise die Annahme, dass es sich dabei nicht um Gentechnik handelt», erläutert Vaderna. «Das Bundesamt für Justiz kritisiert dies zudem als Rechtsdopplung.»

«Der Gesetzesentwurf ignoriere auch zentrale Patentfragen. «Er liefert Schweizer Züchter und Bäuerinnen der wachsenden Abhängigkeit von Agrarmultis aus.»

Risikoprüfung mit Risiken

Die letzten September lancierte Lebensmittelschutz-Initiative gehe weiter als das Gesetz. Das sehe man insbesondere auch bei der Risikoprüfung.

Der Bundesrat will nur Pflanzen zulassen, bei denen eine ganze Liste von Riskiken ausgeschlossen werden können: Vermischung mit anderen Pflanzen, unkontrollierte Vermehrung, und so weiter. Ist das denn nicht gut genug?

Wie stehst du zu Gentechnik?

«Nein», sagt Claudia Vaderna. «Es ist eine Risikoprüfung mit einer weit offenen Hintertüre.» Sie kritisiert etwa, dass die Risikoprüfung umgangen werden können soll, wenn eine ähnliche Pflanze bereits zugelassen ist. «So fallen potenziell Risiken durch die Maschen.» Denn nicht nur der Apfel im Regal, sondern auch die Technik, die zur Herstellung verwendet wurde, müsse auf Risiken geprüft werden.

Kommentare

User #9739 (nicht angemeldet)

Lobbyismus sollte im Parlament verboten werden! Bauern sollten mal Permakultur erlernen. Ginge so auch ohne diese ganzen Gifte,der Chemie!

User #4494 (nicht angemeldet)

für frische lebensmittel, müsste der prozentuele wert von den Mikroorganismen gehalt der Böden beinhalten auf dem die Lebensmitel gewachsen sind, nur so kann man sicher gehen das man auch ein Lebenspendendes Produkt ist. Nebst der deklarationion von Chemikalien die benutz worden sind

Weiterlesen

Gentech-Methoden Albert Rösti
76 Interaktionen
Gentech-Pflanzen
EU Gentechnik
23 Interaktionen
Gentechnik
Betreutes Wohnen
Betreutes Wohnen

MEHR BUNDESRAT

Donald Trump Karin Keller-Sutter
54 Interaktionen
Sucht Lösungen
Martin Pfister
8 Interaktionen
Mit SP-Frau
Swissmem
Forderung
Müller FDP
1 Interaktionen
Gegen US-Zölle

MEHR AUS STADT BERN

Katze Dach Casino Bern
Rätsel gelöst
Kantonspolizei Bern
1 Interaktionen
Bern
Kreislaufwirtschaft
1 Interaktionen
Kanton