Krankenkasse soll neu auch Psychotherapie bezahlen

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Bern,

    Einfacher und schneller zur Therapie: Künftig soll auch die Psychotherapie durch einen Psychologen von der Krankenkasse übernommen werden.

    00:00 / 00:00

    Interview mit Gesundheitsminister Alain Berset zum Systemwechsel bei der Psychotherapie, bei der neu auch Psychologen via Krankenkassen abrechnen können. - Nau

    Das Wichtigste in Kürze

    • Auch Psychologen sollen künftig von der obligatorischen Krankenkasse vergütet werden.
    • Der Bundesrat will so den Zugang zur Psychotherapie vereinfachen.
    • Die Mehrkosten sollen sich auf rund 100 Millionen Franken belaufen.

    Insbesondere Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene in Krisensituationen sollen nach dem Willen des Bundesrats schneller und einfacher eine Psychotherapie erhalten. Er schlägt deshalb einen Systemwechsel vor.

    Bislang können Psychologen nur unter Aufsicht eines Arztes oder bei vorgängiger Konsultation bei einem Psychiater via obligatorische Krankenkasse abrechnen.

    «Die Idee ist, dass Psychologen jetzt selbstständig arbeiten können mit Anordnung eines Arztes», erklärt Gesundheitsminister Alain Berset. «Es gibt allen, die eine Grundversicherung haben, einen einfachen Zugang zu Psychologen.»

    Die erhöhten Kosten sind für Berset kein Problem: «Wir sprechen hier von 100 Millionen Franken. Das hört sich nach sehr viel an. Aber gegen die 30 Milliarden Franken des Gesamtsystems der obligatorischen Versicherung ist es nicht so viel. Es ist tragbar, vor allem weil es einen besseren Zugang erlaubt.»

    Psychotherapie neu wie Physiotherapie

    Es brauche eine angemessene Versorgung und einen einfacheren Zugang zu psychotherapeutischen Leistungen, findet nun der Bundesrat. Deshalb soll, analog zur Physiotherapie, künftig auch der Hausarzt einfach eine Psychotherapie anordnen können. So sollen Engpässe bei den oben erwähnten Patientengruppen, den psychisch Kranken, vermieden werden.

    Das bisherige Modell sei nämlich als Übergangslösung gedacht gewesen. Doch seit 2013 habe man gesetzlich eine national harmonisierte Aus- und Weiterbildung der Psychologen geregelt. Damit sei ein Systemwechsel gerechtfertigt, den psychische Störungen seien sehr häufig und sehr einschränkend. Bis zu einem Drittel der Bevölkerung sei davon betroffen und sei psychisch Krank.

    Couch Sigmund Freud Psychotherapie
    Die legendäre Couch des Urvaters der Psychotherapie, Sigmund Freud, - Wikipedia/Robert Huffstutter

    Mehrkosten für Krankenkasse von 100 Millionen Franken

    Für die obligatorische Krankenkasse entstehen mit dieser Änderung laut Berechnungen des Bundes Mehrkosten von ungefähr 100 Millionen Franken pro Jahr.

    Verschiedene Faktoren Faktoren beeinflussen diese Prognose. So verlagert sich ein Teil der Kosten schlicht von den Zusatzversicherungen zur obligatorischen Versicherung.

    Es könne auch sein, dass rund 20 Prozent der Patienten die Psychotherapie nicht bei der Krankenkasse melden. Dies betreffe vornehmlich psychisch Kranke mit genügend Geld, die nicht wollten, dass die Krankenkasse über ihre psychische Erkrankung Bescheid wisse.

    Kosteneinsparungen werden auch erwartet, weil chronische Erkrankungen vermieden und medikamentöse Therapien vermindert werden können.

    Kommentare

    Weiterlesen

    Gesundheitsmonitor Medikamente Apotheke
    9 Interaktionen
    Trotz Preissenkungen
    Barbara Gysi
    96 Interaktionen
    «Frauen-Strafe»
    Migräne
    8 Interaktionen
    Auswertung zeigt
    Rente
    16 Interaktionen
    Vorsorge

    MEHR AUS STADT BERN

    115 Interaktionen
    Bern
    SCL Tigers
    2 Interaktionen
    SCB unterliegt Ajoie
    YB Frauen
    4 Interaktionen
    Cup-Derby
    Kanton Bern
    Kanton Bern