7400 Unterschriften: Luzerner Zahlung an Vatikan kommt vors Volk
Das Referendumskomitee von Politikern aller Parteien reichte am 30. März 2022 7400 Unterschriften dem Kanton ein um damit eine Urnenabstimmung zu erreichen.

7400 beglaubigte Unterschriften übergab das Referendumskomitee gegen den Luzerner Staatsbeitrag an den Kasernenbau im Vatikan am 30. März 2022 der Vertreterin des Kantons. Nötig gewesen wären 3000 Unterschriften. Gesammelt wurden die Unterschriften in nur 30 Tagen.
Für Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz, die das Referendum initiiertt hatte, ist klar, dass die Luzerner Stimmberechtigten den Fehlentscheid des Kantonsrats korrigieren und der Subventionierung des Kirchenstaates eine Abfuhr ertielen.
Die Freidenker sprangen ein, nachdem keine Partei von sich aus das Referendum ergriffen hatte. Sie luden Politikerinnen und Politiker aus allen Parteien ein, ein gemeinsames Komitee zu bilden. Zwölf Vertreterinnen und Vertreter von Juso, SP, Jungen Grünen, Grünen, JGLP, GLP, FDP und JSVP aus dem ganzen Kanton einigten sich rasch auf ein gemeinsames Vorgehen.
Zweieinhalbfache Unterschriftenzahl in halber Sammelzeit
Die Unterschriftensammlung startete am 1. März 2022, 30 Tage nach Beginn der Referendumsfrist. In der halben Fristdauer sammelten die Freidenker und beteiligte Parteien somit deutlich mehr als die doppelte Zahl der benötigten Unterschriften.
Für Samuel Kneubüler von der Freidenker-Regionalgruppe Zentralschweiz ist klar, dass die Abstimmung Signalwirkung haben wird. Die Tatsache, dass Passanten die Bögen regelrecht aus den Händen rissen, zeigt, dass die Bevölkerung weitaus säkularer gestimmt ist als das Parlament.
Zeichen für mehr Trennung von Staat und Kirche
Die Freidenker sind zuversichtlich, dass die Vorlage abgelehnt wird und die Luzerner so ein wichtiges Zeichen für mehr Trennung von Staat und Kirche setzen werden.
GLP-Fraktionspräsidentin Claudia Huser doppelt nach. Sie haben das Referendum unterstützt, weil sie für eine klare Trennung von Staat und Kirche sind. Die Anzahl der Unterschriften in so kurzer Zeit zeigt, dass dieses Anliegen auch die Bevölkerung bewegt.
SP-Kantonsrat David Roth kritisiert den Entscheid zudem finanzpolitisch. Zuerst streicht der Kanton Geld bei Menschen die auf Stipendien und Prämienverbilligung angewiesen sind und jetzt will er es dem schwerreichen Vatikan schenken. Das ist absurd. Und auch für Gian Waldvogel, Kantonsrat der Grünen, ist klar, dass die ungewöhnlich vielen Unterschriften zeigen, dass die Luzernerinnen kein Steuergeld für die Vatikan-Kaserne spenden wollen.
Dank an Parteien und Verwaltungen
Andreas Kyriacou freut sich nicht nur über den Sammelerfolg und darüber, dass die Freidenker zeigen konnten, dass sie referendumsfähig sind, sondern auch über die lagerübergreifende Zusammenarbeit. Sie zeige, so Kyriaocu, dass säkulare Anliegen eine breite Unterstützung erhielten.
Einen besonderen Dank spricht Kyriacou dem SP-Sekretär Sebastian Dissler aus, der drei Wochen lang die tägliche Flut von Unterschriftenkarten zählte und nach Gemeinden sortierte, und an die Gemeindeverwaltungen, die Unterschriften äusserst speditiv beglaubigten.