So reist die Generation Z
Die Generation Z ist die erste Altersgruppe, die vollständig in einer digitalisierten Welt aufgewachsen ist. Das hat auch einen Einfluss auf das Reiseverhalten.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Gen Z reist öfter, kürzer und alleine, inspiriert von Social Media.
- Um die Zielgruppe zu erreichen passen sich auch die Schweizer Reiseveranstalter an.
Öfter, kürzer, günstiger und häufig alleine: So reist die Generation Z, also jene mit den Jahrgängen 1995 bis 2010, gemäss der Travel-Trends-Studie der Strategieberatung Simon-Kucher.
So verreist die Gen Z im Sommer zwar häufiger als die Baby Boomer, hat mit 6,5 Tagen aber die kürzeste durchschnittliche Reisezeit. Zum Vergleich: Bei den Millennials sind es 7,7 Tage, bei der Gen X 8,8 und bei den Baby Boomern 9,5.

Geht es um die Reiseplanung, holt sich rund die Hälfte der Gen Z laut einer Studie von Holiday Check Inspiration aus dem sozialen Umfeld. Doch als erste Generation, die vollständig in einer digitalisierten Welt aufgewachsen ist, dienen auch soziale Medien wie Instagram, Youtube und TikTok als Quelle.
Kundengewinnung mit Social Media
Kein Wunder also setzen auch die Schweizer Reiseveranstalter bei der Kundengewinnung innerhalb der Gen Z auf Social Media.
«Bei Kuoni sind wir seit einiger Zeit insbesondere auf TikTok und Instagram aktiv. Bei Helvetic Tours und Lastminute.ch verfolgen wir eine noch dynamischere Strategie: Neben einer starken Präsenz auf Social Media bedienen wir gezielt aktuelle Trends innerhalb dieser Kanäle. Unsere Werbekampagnen transportieren Werte wie Spontanität, Flexibilität und Authentizität – alles Aspekte, die für die Generation Z besonders relevant sind», sagt Oliver Howald, Head of Sales Dertour Suisse, zu der die genannten Marken gehören.
Auch der Sprachreisenspezialist Linguista wirbt auf Instagram, Tiktok, ebenso wie an bestimmten Bildungsmessen oder direkt an den Schulen.
Exotische Ziele im Trend
Während bei Dertour Suisse und auch beim Asien-Spezialisten Tourasia der Anteil Gen Z-Kunden eine Minderheit ausmacht, ist sie bei Linguista die klare Mehrheit, sodass bereits neue, auf die Generation ausgerichtete Produkte in Planung sind. «Die Mitglieder der Gen Z sind jetzt oftmals in der Lebensphase, in der sie Zeit für einen längeren Auslandaufenthalt haben», sagt Claudio Cesarano, CEO Media Touristik AG, zu der die Marke Linguista Sprachaufenthalte gehört.
Hoch im Kurs stehen dabei Reisen für Englisch (Grossbritannien, Australien, Kanada oder USA) oder Französisch (Frankreich), da dies die meistgefragten Sprachen für die berufliche und akademische Zukunft sind. Aber auch exotischere Destinationen wie Korea und Japan liegen im Trend. «Bei diesen Sprachreisen können sie in eine in ihrer Generation beliebte Kultur eintauchen und gleichzeitig das Land bereisen.
Für Spanisch wollen die meisten nach Costa Rica und kombinieren dort ihre Sprachreise mit einem Trip durchs Land. Kulturelle Authentizität ist dieser Generation sehr wichtig», so Cesarano.

Ein steigendes Interesse an Ferien in Japan und Südkorea erkennt auch Farrah Mettler, Head of Marketing Tourasia, während Dertour Suisse feststellt, dass im Vergleich zu älteren Generationen der Anspruch an Unterhaltung am Reiseziel höher, der Anteil kulturell geprägter Reisen, Kreuzfahrten oder geführter Rundreisen hingegen tiefer ist.
Gut gebucht sind hier unter anderem die Balearen, europäische Städte mit guter Bahnanbindung ab der Schweiz, Fernstreckendestinationen wie Australien oder Lateinamerika, wo oft Sprachaufenthalte mit Entdeckungsreisen kombiniert werden, Asien mit Thailand und Bali oder die Dominikanische Republik.
Nachhaltigkeit ja, aber …
Uneinigkeit herrscht innerhalb der Gen Z bei den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Gemäss der Studie von Holiday Check legen nur gerade 50 Prozent bei der Reiseplanung Wert darauf.
Das nehmen auch die Veranstalter so wahr. «Obschon Nachhaltigkeit gerade bei den jungen Generationen ein grosses Thema zu sein scheint, ist es bei der Reisenachfrage weniger der Fall. Die Gen Z legt den Fokus eher auf einzigartige und authentische Erlebnisse», sagt Farrah Mettler von Tourasia. «Einerseits reden viele über das Thema Nachhaltigkeit und wie wichtig ihnen dies ist.

Andererseits ist dann nur ein kleiner Teil dazu bereit, CO2-Kompensationszahlungen für einen Flug zu leisten oder den längeren Weg mit dem Zug auf sich zu nehmen – obwohl wir diese Alternative explizit anbieten», so Cesarano von Linguista.
Bei Dertour Suisse heisst es, dass bei vielen Gästen der Gen Z ein besonderes Bewusstsein für nachhaltiges Reisen vorhanden sei, was sich beispielsweise in einem hohen Anteil Bahnreisen widerspiegele.
Emotionen schaffen
Den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Massenzielen versuchen auch die zukünftigen Tourismusprofis, die derzeit an der Höheren Fachschule für Tourismus (IST) in Zürich studieren, zu schaffen. «Wichtig sind der Gen Z Diversität, Nachhaltigkeit, viel Flexibilität und Individualisierung. Es ist eine komplexe Zeit. Die Studierenden möchten zur positiven Weiterentwicklung beitragen und gegen den Massentourismus mit überlaufenen wirken. Aber andererseits lässt man sich natürlich trotzdem jeden Tag berieseln und von Social Media inspirieren», sagt Xoana Janner, Gesamtschulleiterin IST Zürich und Lausanne.

Carla Riss, ehemalige IST-Studentin und Co-Founderin von Meraki Travel Zürich, das weltweite Gruppen- und Individualreisen für «Junge und Junggebliebene» anbietet, ergänzt: «Die Generation ist ganz klar erlebnisorientiert und möchte weg von der Masse. Doch auf Social Media gibt so viele Anreize und Trends, dass sie diese Orte auch besuchen wollen.»
Das wiederum stellt die Reisebranche vor neue Herausforderungen. Denn: «Chatten mit der Reiseberaterin oder dem Reiseberater und sich austauschen sind das A und O. Da Social Media ständig Emotionen liefert, genügt eine 0815-Reiseofferte nicht mehr.»