Anwälte von Frankreichs Ex-Premier Fillon wollen Prozess neu aufrollen
Eigentlich soll am Montag das Urteil im Prozess gegen den früheren französischen Regierungschef François Fillon fallen - doch nun könnte das Verfahren neu aufgerollt werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Chefermittlerin berichtete von «Druck» auf Justiz im Wahlkampf 2017.
Das zumindest haben die Anwälte von Fillon und seiner Frau Penelope am Dienstagabend beantragt. Zuvor hatte eine Chefermittlerin Zweifel an der Unabhängigkeit der Justiz in der Affäre gesät, die Fillon womöglich den Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2017 kostete.
Das Gericht kann dem Antrag der Fillon-Anwälte theoretisch nachgeben oder das Urteil aufschieben, bis die neuen Vorwürfe geklärt sind. Die frühere Chefin der Pariser Finanzstaatsanwaltschaft, Eliane Houlette, hatte zuletzt vor Abgeordneten über grossen «Druck» in den Ermittlungen geklagt. Ziel sei gewesen, ein schnelles Verfahren gegen Fillon zu erwirken, sagte Houlette. Präsident Macron forderte daraufhin eine Untersuchung der Justizbehörden.
Der Fall Fillon hatte vor gut drei Jahren für ein politisches Erdbeben in Frankreich gesorgt und den Weg für den Überraschungssieg von Emmanuel Macron geebnet. Mitten im Wahlkampf kam heraus, dass der Kandidat des bürgerlichen Lagers seine Frau und seine Kinder jahrelang zum Schein im Parlament beschäftigt haben soll. Die Staatsanwaltschaft fordert zwei Jahre Gefängnis und eine Geldbusse für Fillon, der von 2007 bis 2012 Premierminister war. Seiner Frau droht eine Bewährungsstrafe.