Eltern sind bei Jugendschutz im Netz oft überfordert
Das Deutsche Kinderhilfswerk warnt, dass Eltern im Netz mit dem Jugendschutz oft überfordert seien. Trotz der Überforderung sind die Eltern bemüht.

Das Wichtigste in Kürze
- Risiken für Kinder im Internet stehen überforderte Eltern oftmals machtlos gegenüber.
- Das deutsche Kinderhilfswerk plädiert deshalb für eine Unterstützung der Eltern.
Eltern stehen bei wachsender Nutzung digitaler Medien in der Familie nach Einschätzung des Deutschen Kinderhilfswerks den Risiken oftmals hilflos gegenüber. Es sei deshalb wichtig, sie nicht mit ihrer Verantwortung bei der Medienerziehung allein zu lassen, sagte Thomas Krüger, Präsident des gemeinnützigen Vereins heute Dienstag zur Vorstellung einer Studie zu dem Thema. Es habe sich gezeigt, dass Eltern zwar bemüht seien, ihren Kindern einen sicheren Zugang zu Medien zu bieten. Die Erwachsenen seien aber oft selbst überfordert, wenn es etwa um die Nutzung von sozialen Netzwerken geht.
Die Mitbestimmungsrechte der Kinder würden etwa auf Facebook, WhatsApp oder Snapchat zudem vielfach von den Eltern selbst nicht ausreichend beachtet. So habe sich zum Beispiel herausgestellt, dass eine Mehrheit der Eltern Facebook als «öffentlich» und WhatsApp als «privat» einstufe. In der Folge würden teils bedenkenlos Daten über WhatsApp geteilt.
Unterstützung von Schule und Kita
«Die Rechte von Kindern sind auch im digitalen Raum nicht verhandelbar», sagte Krüger. Eltern und Kinder müssten bei der kompetenten und kindgerechten Nutzung von Medien deshalb mehr unterstützt werden. Der Verein plädiert für einen modernen und ganzheitlichen Jugendmedienschutz, der ausdrücklich an der UN-Kinderrechtskonvention ausgerichtet ist. Es müsse verständliche und umsetzbare gesetzliche Vorgaben für die Erhebung, Verbreitung und Verarbeitung digitaler Daten geben.
Die Studie habe gezeigt, dass Eltern ihre Kinder zwar auch im digitalen Alltag schützen, sie wollten ihnen aber auch zunehmend Freiräume und Autonomie ermöglichen. «Dieser Spagat gelingt nicht immer im besten Sinne der Kinder», sagte Nadia Kutscher, Professorin an der Universität Köln. Kindertageseinrichtungen oder Schulen könnten hier eine unterstützende Rolle übernehmen. Kinder müssten zudem «viel stärker in Entscheidungen einbezogen werden», die etwa ihre Rechte an ihren Daten und am eigenen Bild betreffen.