Corona: Zürichsee-Arzt verschreibt Entwurmungsmittel - verurteilt
Ein Arzt verschrieb während der Corona-Pandemie Tausende Tabletten eines Entwurmungsmittels – nun wurde er in mehreren Anklagepunkten schuldig gesprochen.
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Das Wichtigste in Kürze
- Ein Arzt verschrieb Patienten während der Pandemie offenbar mit Entwurmungsmitteln.
- Bei einer Verhandlung vor zwei Wochen konnte er auf Strychler-Unterstützung zählen.
- Das nutzte schliesslich aber nichts: Er wurde nun vom Bezirksgericht verurteilt.
Anfang Februar stand ein Arzt aus Wilen bei Wollerau ZH vor dem Bezirksgericht Höfe in Freienbach. Der Mann hatte während der Coronapandemie Tausende Tabletten eines Entwurmungsmittels aus Indien importiert und an Patienten weitergegeben.
Die Anklage warf ihm zudem den Besitz weiterer verbotener Medikamente sowie Widerstand gegen die Polizei bei einer Hausdurchsuchung vor.
Der Gerichtstag löste nicht nur wegen des Arztes einige Schlagzeilen aus, sondern auch wegen seinen Unterstützern. Zum Gerichtstermin erschienen nämlich unter anderem Freiheitstrychler, die vor dem Gerichtsgebäude gegen «das derzeitige ungerechte Medizinsystem» demonstrierten.
Sie standen dem Angeklagten während der Verhandlung draussen mit Glocken, Plakaten und Bannern bei.
Arzt muss Busse von 3600 Franken zahlen
Die Unterstützung vor Ort scheint dem Arzt vom Zürichsee aber nicht sonderlich viel genützt zu haben. Er wurde nämlich am gestrigen Mittwoch – also knapp zwei Wochen nach der Verhandlung – in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Darüber berichtet das «Höfner Volksblatt».
Demnach verurteilt ihn das Bezirksgericht aufgrund der mehrfachen vorsätzlichen Widerhandlungen gegen das Heilmittelgesetz und der Hinderung einer Amtshandlung.
Bei einer Hausdurchsuchung im Februar 2022 stellten die Behörden die verbotenen Tabletten sicher. Dabei soll der Arzt den Beamten den Zutritt zu seiner Privatwohnung verweigert haben. Es wird sogar erwähnt, dass er sich mit körperlichem Widerstand gegen die Durchsuchung gewehrt haben soll.
Die Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 180 Franken wird zur Bewährung ausgesetzt und bleibt für zwei Jahre aufgeschoben. Bezahlen muss der Arzt aus Höfe eine Busse von 3600 Franken. Die beschlagnahmten Medikamente werden von den Behörden vernichtet.
«Off-Label-Use» spielte im Corona-Prozess eine zentrale Rolle
Die Urteilsbegründung liegt dem «Höfner Volksblatt» nicht vor. Fest steht jedoch, dass der sogenannte «Off-Label-Use» eine zentrale Rolle im Verfahren spielte.
Während der Corona-Pandemie durften Ärzte unter bestimmten Bedingungen Medikamente verschreiben, die nicht explizit für die Behandlung von Covid-19 zugelassen waren.
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Laut dem zuständigen Richter sei dies jedoch nur in Ausnahmefällen gestattet gewesen. Gegenüber der Zeitung bezeichnete der Richter den Begriff als «anspruchsvoll und kompliziert».
Der Fund von Tausenden Tabletten deutet darauf hin, dass er Ivermectin nicht nur vereinzelt, sondern wiederholt verschrieben hat. Das Urteil des Bezirksgerichts ist noch nicht rechtskräftig und kann angefochten werden.