Coronavirus

    Coronavirus: Umwelt-Experten hoffen auf nachhaltigen Klima-Effekt

    Chiara Schlenz
    Chiara Schlenz

    Zürich,

    Das Coronavirus dämmt die Reise- und Bewegungsfreiheit der Menschheit. Das Klima profitiert. Doch wie lange hält der positive Umwelt-Effekt an?

    Flugzeug Coronavirus
    Eine Edelweiss-Maschine. Die Passagiere aus Tromsø wurden umgehend zurückgeschickt. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Das Coronavirus hat Wirtschaft und Gesellschaft fest im Griff.
    • Auch auf den Klimawandel hat das Virus einen Einfluss.
    • Experten hoffen auf eine nachhaltige Veränderung in der Gesellschaft.

    Das Coronavirus beeinflusst die Wirtschaft, die Kultur und die sozialen Kontakte. Ein jeder Aspekt des eigenen Lebens schien sich in den letzten Wochen drastisch geändert zu haben. Doch in der Krise sehen viele auch Chancen.

    So etwa punkto Klima. Durch die Flugverbote nimmt der CO2-Ausstoss ab. Die Kanäle in Venedig sind zum ersten Mal seit langem wieder klar – Italien oder China messen gar bessere Luftqualität. Doch hält der positive Klima-Effekt an?

    Der bekannteste Klimatologe der Schweiz, Reto Knutti, ist skeptisch.

    Menschheit muss die Chance nutzen

    «Wie eine Bevölkerung langfristig auf eine solche Krise reagieren wird, ist kaum zu beantworten. Wir Menschen sind nicht sehr rational», schätzt Knutti die Lage ein. «Es kann kurzfristig, wenn alles vorbei ist, zu einem Reboundeffekt kommen. Ein ‹Endlich kann ich wieder in die Ferien›-Fieber.»

    Möglich hält er hingegen auch ein Umdenken, «indem wir realisieren, was ohne Reisen alles möglich ist».

    Reto Knutti
    Der Klimatologe Reto Knutti sagt, Heizpilze seien «energetisch ein Schwachsinn». - Keystone

    Entscheidend sei für Knutti vor allen Dingen etwas: Ein Umdenken, und dass die richtigen Lehren aus dieser Krise gezogen werden. «Die Krise trifft uns hart, aber jede Krise ist auch eine Chance neue Wege zu entdecken. Um Grenzen auszuloten, die man bisher für unverrückbar gehalten hat.»

    Greenpeace
    Die Organisation Greenpeace setzt sich gegen den Klimawandel ein und lancierte kürzlich eine Petition im Zusammenhang mit dem Coronavirus. - Keystone

    Auch Yves Zenger, Mediensprecher von Greenpeace, hofft auf eine Besserung. «Diese Krise lehrt uns, wie verletzlich wir alle sind und dass wir Teil sind einer verletzlichen Welt. Sie lehrt uns auch, wie kostbar die Gesundheit und der Kontakt mit den Mitmenschen und der Natur ist.»

    Coronavirus als Gedankenstütze

    Ob die Corona-Krise eine nachhaltige Veränderung in der Gesellschaft auslöst, steht auch für Zenger in den Sternen. Es sei aufgrund der ernsten Lage schwierig zu beurteilen, wie reflektiert die Leute auf Geschehenes blicken werden.

    Flugzeug Coronavirus
    Wegen des Coronavirus wurde der Flugverkehr beinahe komplett eingestellt. - Keystone

    Und auch Klimatologe Knutti sieht besonders wirtschaftlich keine grosse Veränderungen auf die Schweiz zukommen. «Der Effekt der sauberen Luft wird leider nicht lange andauern. So bald Industrie und Verkehr wieder rollen ist auch die Luftverschmutzung wieder da», glaubt er.

    Der ETH-Professor appelliert, die Meinungen der Experten ernst zu nehmen. Egal, ob es sich hierbei um das Coronavirus oder den Klimawandel handle. «Und dass in solchen Fragen Markt und Eigenverantwortung allein nicht reichen. Sondern dass es klare Regeln und Rahmenbedingungen braucht, die für alle gelten.»

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