CS-Urgestein fordert: Chefs sollen «Geld zurückgeben»
Ein Urgestein der Credit Suisse fordert die Rückgabe der Boni. Diese hätten die Chefs trotz roter Zahlen erhalten.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein CS-Urgestein ärgert sich über die Boni, die trotz Verlusten flossen.
- Er fordert, dass sie zurückbezahlt werden.
- Viele seiner Chefs mag er nicht, Oswald Grübel aber lobt er.
53 Jahre arbeitete Richard Chandler für die Credit Suisse und die Vorgängerin SKA. In einem bald erscheinenden Dokumentarfilm über den Untergang der Grossbank rechnet er mit ihr ab. Dies berichtet Tamedia.
1971 begann er die Lehre bei der Bank und arbeitet bis zu seiner Pensionierung Anfang 2024 dort. Er erlebte viele Skandale und viele Chefs, die trotz hoher Verluste «ihre verdammten Boni» bekommen hätten. Dies sagt er im Trailer der Doku.
Gegenüber Tamedia äussert er eine klare Forderung: «Sie sollen ihr Geld zurückgeben, ihre Boni und alles.» Denn die Chefs hätten «fahrlässig gehandelt und gegen jegliche Richtlinien verstossen». Das mache ihn «granatenverrückt».
Chandlers Erfahrungen mit Skandalen begann in Chiasso im Jahr 1977: Zusammen mit zwei seiner Chefs wurde er zur Kontrolle der Filiale im Tessin geschickt. Der Filialleiter empfing die Männer mit Chauffeur, Champagner, feinem Essen, Zigarren und Schnaps, jedoch nicht mit Zeit für eine Inspektion. Chandler gibt zu, davon geblendet worden zu sein – «ich war begeistert, solche Leute kennenzulernen».
Urgestein: Rainer E. Gut leitete Niedergang ein
Nach dem Chiasso-Skandal und dem hohen Verlust der damaligen SKA übernahm Rainer E. Gut, den Chandler nicht ausstehen konnte: Er beschreibt ihn als selbstherrlich, «er trat auf, als wäre er unsterblich». Und Guts Griff nach dem Investmentbanking war laut Chandler der Anfang des Niedergangs.

Die Investmentbanker hätten eine «völlig andere Kultur» gebracht. Ihr Ziel sei schnelles Geld gewesen – «und dann wieder weg».
Auf Gut folgte Robert Jeker, dann Josef Ackermann, Lukas Mühlemann und Thomas Wellauer. Unter den letzten beiden seien die Boni ausser Kontrolle geraten, sagt Urgestein Richard Chandler. «Hohe Verluste in der Investmentbank – aber die Boni flossen weiter!»
CS-Urgestein begann nach Archegos und Greensill zu zweifeln
Anschliessend übernahm Oswald Grübel, einer der wenigen CEOs der CS, die Chandler mochte. Denn der Deutsche habe nach den roten Zahlen von Mühlemann und Wellauer aufgeräumt. «Grübel hat das Bankgeschäft verstanden.»
Chandler blieb all die Jahre trotz zahlreicher Skandale optimistisch. 2021 begann er aber wegen der Milliardenverluste mit Archegos und Greensill zu zweifeln. Als er am TV erfuhr, dass die Grossbank gerettet werden muss, war er dennoch überrascht.
Am nächsten Tag ging er ganz normal zur Arbeit. Im August 2023 reichte er dann seine Pensionierung ein.