Die Post will Reklame mit Gratis-Rivella schmackhaft machen
Die Post will, dass die Anzahl von «Bitte keine Werbung»-Kleber nicht weiter steigt. Richten sollen das ein Rivella und Gratis-Guetzli. Ein Experte kritisiert.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Post lockt mit Gratis-Warenmustern auf einen «Bitte keine Werbung»-Verzicht.
- Kritiker bemängeln die Werbemuster-Aktion der Post als verzweifelten Versuch.
- Die Post betrachtet die Aktion als Erfolg.
Mit einem Gratis-Rivella und Gratis-Guetzli will die Post Schweizerinnen und Schweizern Briefkasten-Reklame schmackhaft machen.
In einem Schreiben kündigt der gelbe Riese an, dass bald «attraktive Warenmuster» ins Haus flattern. «Allerdings verteilen wir Warenmuster nur in Briefkästen, die nicht mit einem ‹Bitte keine Werbung›-Vermerk gekennzeichnet sind.»
Der Vermerk soll entfernt oder zumindest umgedreht werden. «Noch einfacher gehts, wenn Sie einen bestehenden Aufkleber mit einem beiliegenden Aufkleber überkleben.»
Die Post weibelt: «Werbung macht Spass»
Diese Alternativ-Kleberli der Post tragen folgende Botschaften: «Werbung willkommen», «Keine Angst vor Werbung» oder «Hallo Werbung».
Die Post verspricht: «Werbung macht Spass und erfreut Zunge und Gaumen – erleben Sie es selbst!»
Die Aktion ist nicht neu. Die Post verteilt seit 2014 Warenmuster im Auftrag verschiedener Hersteller. Ziel ist es, die Anzahl von «Stopp Werbung»-Klebern zu reduzieren.
Und laut der Post zeigen die Aktionen Erfolge.
«Dank unserer Massnahmen ist es gelungen, die Zuwachsraten der ‹Stopp Werbung›-Kleber in den letzten paar Jahren zu stabilisieren. Gegenüber 2023 hat der Anteil zum Beispiel nur um einen Prozentpunkt zugenommen», sagt Sprecher Stefan Dauner zu Nau.ch.
Und die Gratis-Produkte kämen bei den Empfängerinnen und Empfänger «grundsätzlich gut» an.
Doch Werbekritische sind eine deutliche Mehrheit. Im letzten Jahr war auf rund 63 Prozent der Briefkästen ein entsprechender Kleber zu finden.
Experte: «Post versucht, totes Geschäftsmodell künstlich am Leben zu halten»
«Einen Mist», findet die Werbemuster-Aktion hingegen Konsumpsychologe Christian Fichter.
«Ich habe noch nie auch nur an einem einzigen Briefkasten einen ‹Werbung willkommen›-Kleber gesehen», sagt er Nau.ch. Und das habe einen guten Grund.

«Kaum jemand will heutzutage noch gedruckte Werbung im Briefkasten haben», sagt Fichter. «Die Post versucht hier verzweifelt, ein totes Geschäftsmodell künstlich am Leben zu halten.»
Heutzutage habe man sich schliesslich daran gewöhnt, seine Werbung online zu konsumieren. Oder gar nicht.
Zwar gebe es eine kleine Gruppe von Menschen, die sich regelmässig durch Werbeprospekte wühlt. «Aber das rechtfertigt nicht, dass tonnenweise Altpapier produziert wird, das direkt im Müll landet.»
Fichters vernichtendes Urteil: «Die Strategie, Werbung mit kleinen Geschenken schmackhaft zu machen, ist alt und wirkt fast schon hilflos.» Jene, die sich die Kampagne ausgedacht haben, würden ihm leidtun.
«Das ist wie eine Werbeagentur, die noch Fax-Werbung verkaufen will», sagt Fichter. «Liebe Post, lasst es einfach bleiben und macht etwas Nützliches.»

Beim Konsumentenforum teilt man die Kritik an der Post nicht. Präsidentin Babette Sigg sagt zu Nau.ch: «Als liberale Konsumentenorganisation wollen wir der Post und auch sonst niemanden vorschreiben, wie und wo man werben will.»
«Stopp Werbung»-Kleber werden respektiert
Die Aktion der Post zeige, dass die Kleber respektiert werden. «Das Anbringen eines Stopp-Werbung-Klebers verhindert die Werbeflut schon beträchtlich. Es gibt allerdings Resistente, die trotz Kleber ihre Werbung einwerfen», sagt Sigg.
Allerdings nicht von der Post. Sprecher Stefan Dauner beteuert nämlich: «Die Post respektiert den Wunsch werbekritischer Empfängerinnen und Empfänger, keine unadressierten Werbesendungen zu empfangen.»
Wer nicht nur keine Werbung erhalten will, sondern auch aus dem Werbeverzeichnis gelöscht werden will, hat das Konsumentenforum eine Lösung parat. Nämlich der sogenannte «Refusée»-Kleber.

Babette Sigg erklärt: «Auf unerwünschte Briefsendungen und Bettelbriefe geklebt und in den nächsten Briefkasten geworfen, wird die Adresse von den Absendern aus der Kartei gestrichen.»
Und: «Diese ‹Refusée›-Kleber erfreuen sich grosser Beliebtheit.»
Werbesendungen bei der Post nehmen ab – Trend hält an
Spannend: Wie viele Haushalte statt einem «Stopp Werbung»-Kleber einen «Werbung OK»-Kleber haben, ist unbekannt. Die Post führt darüber keine Statistik.
Generell haben unadressierte Sendungen bei der Post in den letzten Jahren abgenommen. Das liegt in der Entscheidung der werbetreibenden Unternehmen.
Waren es 2018 noch 1,6 Milliarden Sendungen, waren es 2024 nur noch 1,1 Milliarden. «Die Post geht davon aus, dass dieser Trend so weiter geht», sagt Stefan Dauner.