Experte: Gen-Z-Buben erwartet Leben voller Misserfolge
Ein Psychologe sieht eine düstere Zukunft für die junge Generation. Besonders die mentale Gesundheit der Jungen werde drastisch abnehmen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Gen-Z ist so depressiv und ängstlich wie noch keine Generation vorher.
- Psychologe Jonathan Haidt sieht die Gründe in den Smartphones und sozialen Medien.
- Dabei leiden besonders Männer darunter: «Sie erwartet ein Leben voller Misserfolge.»
Die jungen Menschen mit Jahrgang 1997 bis 2012 sprechen offener als vorherige Generationen über ihre mentale Gesundheit. Das offenbart die traurige Realität der Gen-Z: So viele depressive und ängstliche junge Menschen gab es noch nie.
Woran das liegen könnte, weiss der Amerikaner Jonathan Haidt. Der angesehene Psychologe und Jugendforscher schiebt die Schuld auf die Smartphones.
«Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen starkem Konsum sozialer Medien und psychischen Erkrankungen», so Haidt. Im Grunde gebe es keine andere Erklärung für dieses internationale Phänomen, sagt er im «Tagesanzeiger».
Männer vergnügen sich mit Videospielen und Pornos
Dabei seien es gerade die Männer, die besonders mit negativen Auswirkungen zu kämpfen haben. Junge Mädchen würden zwar häufiger unter psychischen Erkrankungen leiden, während gleichaltrige Jungs sich mit unterhaltsamen Videospielen und mit Pornografie vergnügen. «Aber so wie es aussieht, erwartet sie ein Leben voller Misserfolge», so der Gen-Z-Experte.
Denn auf lange Sicht würden die Mädchen die Jungs auf allen Stufen verdrängen – gerade in den Schulen. Die Reaktion der Jungs: «Sie ziehen sich derweil aus der realen Welt zurück», meint Haidt. Dadurch werde es in Zukunft mehr arbeitslose junge Männer geben. Das führe zu einem «starken Rückgang bei Heiraten und Geburten», ist sich der Amerikaner sicher.
Die Reaktion der Männer auf die vermeintlich aussichtslose Situation sei besorgniserregend: «Sie neigen bei einem finanziellen oder familiären Rückschlag eher dazu, sich das Leben zu nehmen.»
Es könnte also sein, dass die Gen Z weniger kompetente Männer hervorbringen werde, deren Chancen im Jobmarkt schlechter stehen. Als Folge befürchtet der Experte eine erhöhte Suizidrate.
«Smartphone blockiert fast alles»
Diese negativen Entwicklungen hätten ihre Wurzeln schon in der Kindheit. Der Psychologe meint: «Es ist der Wechsel von der sogenannt spielzentrierten Kindheit zur smartphonebasierten Kindheit.» Das heisst: Die Kinder verbringen eher Zeit an dem Smartphone, anstatt die Welt zu entdecken und im Freien zu spielen.
Und das sei problematisch, da Kinder den Nervenkitzel beim Spielen für ihre Entwicklung dringend bräuchten: «Sie sollten sich jeden Tag Ängsten stellen, Neues ausprobieren, scheitern und lernen.» Nur durch viel Übung lerne das Kind, etwas meistern zu können. «Für die Gen-Z gilt das nicht mehr», betont Haidt gegenüber der Zeitung.
Der Experte warnt: «An dem Tag, an dem Sie Ihrem Kind ein Smartphone schenken, rückt es in den Mittelpunkt seines Lebens.» Das Handy blockiere ab diesem Zeitpunkt fast alles.
Zusätzlich würden die Kinder im Internet mit Inhalten konfrontiert, die nicht für sie gedacht seien: «insbesondere mit Sex, Gewalt und Sucht». Kinder müsse man davor schützen. Deswegen fordert Haidt das Mindestalter 16 für die sozialen Medien.