Nach Umbau: Migros verliert fast 39'000 Genossenschafter
Die Migros muss einen Rückgang von fast 39'000 Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftlern hinnehmen. Das ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Jubiläums.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Migros präsentiert einen Gewinn von 419 Millionen Franken im letzten Jahr.
- Das Unternehmen verliert aber fast 39'000 Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftler.
- Die Migros bleibt trotzdem eine der beliebtesten Marken in der Schweiz.
Migros-CEO Mario Irminger strahlte bei der Präsentation eines Gewinns von 419 Millionen Franken Selbstvertrauen aus und verkündete stolz: «Die Migros lebt, sie ist kerngesund!»
Doch hinter dieser positiven Fassade verbirgt sich eine weniger rosige Realität für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Hunderte haben ihren Job verloren
Der Konzern wurde radikal umgebaut. Hunderte haben im letzten Jahr ihren Arbeitsplatz verloren oder wurden versetzt oder ausgegliedert. Irminger erwähnte diese Entwicklungen aber nur am Rande.
Ausserdem ist die Anzahl Genossenschaftsmitglieder 2024 im Vergleich zum Vorjahr um fast 39'000 gesunken, wie die «NZZ» berichtet. Eine Premiere in der Geschichte der Detailhändlerin. Durchschnittlich gewann die Migros in den letzten zwanzig Jahren jährlich 19'000 neue Mitglieder.
Seit Gottlieb Duttweiler das Unternehmen 1941 zur Genossenschaft machte, war das Wachstum, bis auf eine Ausnahme im Jahr 1996, stets positiv. Die schlechte Nachricht kommt ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Migros-Jubiläums.
Die Migros erklärt gegenüber der Zeitung jedoch, der Rückgang sei auf weniger Neueintritte zurückzuführen. Nicht auf vermehrte Austritte – diese seien nur «minimal» gestiegen.
Neben den «Änderungen im Anmeldeprozess» stecke hinter dieser Entwicklung wohl auch der demografische Wandel: «Jüngere Kundinnen und Kunden setzen sich weniger mit dem Genossenschaftsgedanken auseinander», so eine Sprecherin.
Migros bleibt eine der beliebtesten Marken
Trotz allem bleibt die Migros eine der beliebtesten Marken in der Schweiz.
Allerdings ist sie dieses Jahr im «Swiss Reputation Ranking» abgerutscht und liegt nun auf Platz vier. Auf Platz eins liegt die Zahlungsapp Twint.
Anja Reimer, Marktforscherin beim Marktforschungsinstitut GfK, führt dies auf negative Unternehmensentscheidungen zurück.
Reimer sagt: «Es hat wohl damit zu tun, dass viele Unternehmensentscheidungen der Migros von der Bevölkerung nicht wohlwollend aufgenommen wurden.»