Verbotene Pestizide vergifteten «massenhaft» Bienen
Im Frühjahr 2023 verstarb ein ganzes Bienenvolk. Die Tiere wurden mit dem verbotenen Wirkstoff Dimethoat vergiftet. Nun will der Bund etwas dagegen unternehmen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein ganzes Bienenvolk wurde im Frühjahr 2023 vergiftet und starb.
- Untersuchungen ergaben, dass die Tiere mit dem Wirkstoff Dimethoat vergiftet wurden.
- Nun startet der Bund eine Grossoffensive und will handeln.
Im Frühjahr 2023 machte ein Imker eine erschreckende Entdeckung: Seine Bienen waren gestorben.
«Massenhaft tote Bienen» hatte es laut des Jahresberichts des Schweizer Bienengesundheitsdienstes.
Untersuchungen ergaben, dass die Tiere mit dem giftigen Wirkstoff Dimethoat vergiftet wurden. Eine Substanz, die für Bienen tödlich ist und seit Jahren nicht mehr zugelassen ist.
Die Spur führte zu einem nahegelegenen Rapsfeld, das ebenfalls Rückstände von Dimethoat enthielt. Insgesamt wurden 81 Bienenvölker durch diesen Vorfall akut vergiftet, so der Bienengesundheitsdienst.
Pestizidmissbrauch trotz Verbot
Trotz des Verbots setzen einige Landwirte immer noch verbotene Pflanzenschutzmittel ein. Eine Tatsache, die durch Dokumente belegt wird, welche der «Tagesanzeiger» im Rahmen des Öffentlichkeitsgesetzes einsehen konnte.
Bisher basierte das System hauptsächlich auf Selbstdeklarationen der Landwirte, und die Kontrollen beschränkten sich weitgehend auf die Buchhaltung.
Doch 2023 wurden zusätzliche Mittel für Felduntersuchungen bereitgestellt, was zu einer deutlichen Zunahme der Laboranalysen führte.
Der Schweizer Bauernverband sagt dazu, dass die Analysen risikobasiert durchgeführt wurden. «89 Prozent der Laboranalysen und damit die ganz grosse Mehrheit waren ordnungsgemäss», sagt David Brugger, Leiter Pflanzenbau.
Er fügt hinzu: «Wer die gesetzlichen Vorgaben bewusst umgeht, soll entsprechend bestraft werden. Denn solche schwarzen Schafe schaden dem Ruf der ganzen Branche.»
Verbotene Pestizide: Eine Gefahr für Mensch und Umwelt
Martin Forter von den Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz (AefU) hält eine Beanstandungsquote von 11 Prozent für «deutlich zu hoch».
Er fordert mehr Kontrollen angesichts der hohen Anzahl Verstösse.
Besonders besorgniserregend ist laut Forter der Einsatz von Pestiziden, die seit Jahren nicht mehr zugelassen sind. «Diese Mittel hat man aus gutem Grund vom Markt genommen – um die Umwelt, Menschen und Tiere zu schützen.»
Gesundheitsrisiken durch verbotene Pestizide
Laborberichte zeigen das Ausmass des Problems: In Zürich wurde Dimethoat auf Weintrauben gefunden, kurz vor der Ernte.
Die Konzentration lag weit über dem zulässigen Höchstgehalt, wie der «Tagesanzeiger» berichtet.
Andere verbotene Substanzen wie Epoxiconazol und Thiacloprid wurden ebenfalls in Proben von Schweizer Feldern nachgewiesen. Diese Stoffe können das Hormonsystem beeinflussen, die Fortpflanzung beeinträchtigen und sogar krebserregend sein.
Grossoffensive des Bundes: Mehr Kontrollen und Sanktionen
Angesichts dieser Missstände plant der Bund eine Grossoffensive: Die Direktzahlungskontrollen auf den Feldern werden laut Bundesamt für Landwirtschaft deutlich ausgebaut.
Bei Verstössen können die Subventionen für Bauern gekürzt werden – im Jahr 2023 geschah dies in 45 Fällen.