Ausgerechnet Feministinnen sind gegen neue Familienzeit-Initiative
18 Wochen für Mütter und 18 Wochen für Väter: Das fordert eine neue Familienzeit-Initiative. Doch es regt sich Widerstand, der überrascht.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Unterschriftensammlung für die Einführung einer Elternzeit hat begonnen.
- Ein überparteiliches Komitee unterstützt das Vorhaben.
- Doch die Eidgenössische Kommission dini Mueter stellt sich dagegen.
«Familienzeit – für eine starke Gesellschaft und Wirtschaft» heisst die neue Schweizer Elternzeit-Initiative. Am Mittwoch wurde bekannt, wer dahinter steht.
Das Komitee besteht aus Politikerinnen und Politikern verschiedener Parteien wie GLP, SP, Grünen, FDP und Mitte. Auch die ehemalige Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf sowie Musikerin Sophie Hunger unterstützen das Vorhaben.
Das Ziel der Initiative ist es, Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren zu können. Dafür soll eine neue arbeitsfreie Familienzeit von jeweils 18 Wochen für beide Elternteile eingeführt werden.
Diese Regelung würde den aktuellen Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen sowie den Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen ablösen.
Kritik aus dem linksfeministischen Lager
Trotz dieser überparteilichen Unterstützung gibt es auch Kritik an der Initiative. Dies paradoxerweise aus dem linksfeministischen Lager selbst, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet.
Die Eidgenössische Kommission dini Mueter (EKdM) hat ein Argumentarium online gestellt, in dem sie die Initiative in mehreren Punkten kritisiert. «Streng paritätische Elternzeitmodelle (gleich viel Zeit für beide Elternteile, nicht übertragbar, nicht flexibel) sind für viele Lebensentwürfe ungeeignet, deshalb unterstützen wir sie nicht», so ein Auszug.
Lena Naluyaga von der EKdM erklärt auf Nachfrage der Zeitung: «Die Initiative ignoriert, dass ein Kind zu gebären und für ein Kind zu sorgen nicht das Gleiche ist. Die geforderte Variante lässt die Bedürfnisse der Gebärenden aussen vor.»
Sie betont zudem, dass eine Geburt körperlich belastend ist und bis zu neun Monate medizinische Erholung erfordert.
Die Kritik richtet sich weniger gegen den Verlust von Rechten für Frauen als vielmehr gegen eine Entwertung der Mutterschaft.
Die Feministinnen befürchten, dass Mütter durch die Initiative dazu gedrängt werden könnten, kurz nach der Geburt wieder arbeiten zu gehen.
Einflussreiche feministische Strömungen
Bereits 2021 gab es Diskussionen um eine ähnliche Elternzeitinitiative mit Beteiligung verschiedener Gleichstellungsorganisationen wie Alliance F.
Doch Zweifel innerhalb der SP und Bedenken des Gewerkschaftsbundes führten zum Bruch dieser Koalition, bevor sie richtig starten konnte.
SP-Nationalrätin Min Li Marti äusserte damals ihren Frust über den innerfeministischen Widerstand: «Das ist für mich keine linke Position, sondern eine, die biologistisch anmutet. Der Fokus aufs Gebären und Stillen, die Entlassung der Väter aus der Verantwortung, ist alles andere als progressiv.»
Seitdem hat sich einiges getan. Elternzeit-Modelle gibt es nun in mehreren Kantonen. Lena Naluyaga hofft in Anbetracht der aktuellen Initiative auf eine andere Lösung für die Schweiz: «Dass es eine Elternzeit braucht, ist unbestritten. Gute Modelle sind europaweit bereits erprobt – so zum Beispiel in Deutschland.»
Der Bundesrat sieht durchaus positive Aspekte einer paritätischen Elternzeit. Allerdings hält er es nicht für notwendig, den Mutterschutz dabei zu lockern.